Absicherung

Agrarökonomen warnen Politik vor subventionierten Wetterversicherungen

Fachleute halten nichts von der Einführung staatlich bezuschusster Wetterversicherungen, weil die Versicherer einen Teil der Zuschüsse abschöpfen und die Landwirte möglicherweise das eigenbetriebliche Risikomanagement vernachlässigen könnten.

Im Vorfeld der top agrar-Veranstaltung „Landwirtschaft im Klimastress – können Versicherungen die Risiken begrenzen und wo muss der Staat helfen?“ mit Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner am 20. März in Berlin haben die Agrarökonomen Norbert Hirschauer von der Universität Halle und Oliver Mußhoff von der Universität Göttingen die Politik vor der Einführung staatlich bezuschusster Wetterversicherungen gewarnt.

Die Versicherer könnten einen Teil der Zuschüsse abschöpfen und die Landwirte möglicherweise das eigenbetriebliche Risikomanagement vernachlässigen, befürchten die beiden Universitätsprofessoren in einem Diskussionsbeitrag im Nachrichtendienst „Agra Europe“.

Die Politik habe bei der Beurteilung von Versicherungssubventionen sämtliche Kosten und unerwünschte Folgen im Blick zu halten, mahnen die Wissenschaftler.

Woher kommt das Geld?

Auch dem Berufsstand empfehlen die Wissenschaftler eine nüchterne Beurteilung des Sachlage. Sollte es beispielsweise nicht gelingen, zusätzliche Mittel für staatliche Zuschüsse zu Risikoversicherungen freizumachen, könnten bei einer Umwidmung von Transferzahlungen weniger „geldwerte Leistungen“ bei den Landwirten ankommen. Damit spielen Hirschauer und Mußhoff auf eine mögliche Umschichtung von Direktzahlungen der 1. Säule an.

Unsicher sei auch die Reaktion der Versicherer auf Prämiensubventionen. Diese könnten einen Teil der Gelder zur Erhöhung ihrer Gewinnmargen abschöpfen, warnen die Wissenschaftler. Dem ist nach ihrer Einschätzung allenfalls mit einer Selbstverpflichtung der Branche zur vollen Weitergabe der Subventionen zu begegnen, was jedoch weitere Fragen zu deren Kontrolle aufwerfe, heißt es im Diskussionspapier.

Die Landwirte hätten bereits ein „breites Arsenal“ an Maßnahmen, um die Risiken zu begrenzen. Dazu gehörten Produktionsanpassungen, Diversifizierung, Reservenbildung und die Nutzung der verfügbaren Versicherungen. Bei einer subventionierten Versicherung hätten die Unternehmer hingegen einen geringeren Anreiz, sich selbstverantwortlich gegen Risiken abzusichern, sind die Wissenschaftler sicher.

Politikfolgenabschätzung erforderlich

Hirschauer und Mußhoff warnen vor Schnellschüssen. Als Negativbeispiel für einen solchen staatlichen „Schnellschuss“ verweisen sie auf die 2016 im Zuge der Milchmarktkrise beschlossene dreijährige Gewinnglättung nach § 32c Einkommensteuergesetz (EStG): Hier sei der Bayerische Oberste Rechnungshof zu dem Schluss gekommen, dass die noch gar nicht umgesetzte Regelung wegen ihrer geringen Wirkung und hohen bürokratischen Kosten grundlegend überarbeitet oder abgeschafft werden sollte.

top agrar-Diskussion zum Thema am 20. März in Berlin

Die Chancen und Risiken von Agrarversicherungen stehen im Mittelpunkt der top agrar-Veranstaltung „Landwirte im Klimastress“ am 20. März 2019 in Berlin. Dort diskutiert Prof. Hirschauer u. a. mit Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner, dem DBV-Umweltpräsidenten Eberhard Hartelt, dem Vorstandsvorsitzenden der Vereinigten Hagel Dr. Rainer Langner sowie Wissenschaftlern und Landwirten über die Folgen der zunehmenden Wetterextreme.

Die Podiumsdiskussion findet am Mittwoch, den 20. März 2019 um 19 Uhr in der Vertretung des Freistaates Thüringen beim Bund in Berlin statt (Mohrenstraße 64, 10117 Berlin). Programm und Anmeldung unter www.seminare.lv.de

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Artikel geschrieben von

Dr. Ludger Schulze Pals

Chefredakteur top agrar

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Diskussionen zum Artikel

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von Heinrich Roettger

Unwürdiges Schaupiel ständig als Bittsteller des Staates auftreten zu müssen

Keine Branche lebt mit solch exstremen Ertragsschwankungen von Jahr zu Jahr. 1.Steuerliche Risikorückstellungen werden anderen Gewerben aber erlaubt. Warum nicht beim wichtigsten Berufsstand?? 2.Der Staat zahlt jedes Jahr für Dürrekrisen, Milchkrisen,Hochwasser ,Tornados und vielem mehr zig Millionen Euro an Hilfen aus.Damit sollte besser die private Versicherungvorsorge gestärkt werden, damit bei Krisen eine schnelle finanzielle Hilfe möglich ist. Mit der Vereinigten Hagel steht uns eine eigene, bäuerlich strukturierte, höchst effiziente und mit geringsten Verwaltungskosten agierende Gesellschaft zum Risikomanagement zur Verfügung.Die Eigenvorsorge und das Risikomanagement der bäuerlichen Betriebe wird exstrem gestärkt.

von Gerd Uken

In den Niederlanden funktioniert dasja schon

Da wird ein Teil aus der ersten Säule verwendet, vielleicht sollten sich die Agrarökonomen da mal schlau machen wiedas dort funktioniert.Problem ist nur ab wann die VS greifen soll.

von Matthias Zahn

Klima ist nicht das größte Problem!

Das größte Problem der Landwirte ist derzeit, dass die Marktordnungspolitik der EU zu dauerhaft niedrigen Preisen führt. Was widerum zur Folge hat, dass die Betriebe extrem anfällig werden für Wetterextreme oder andere Marktkrisen. Wenn wir nun Versicherungen einführen, ändert das nichts am grundlegenden Übel. Wenn ich im Silo schlechtes Futter habe, nützen antibiotische Behandlungen bei den Kühen wenig, solange ich das Problem des schlechten Futters nicht beseitige.....

von Albert Maier

Was die Versicherzngen betrifft.....

..... haben die Wissenschaftler recht. Ein aufblähen der Versicherungswirtschaft hilft nur den Versicherern. In vielen Bereichen sind wir heute ohnehin total überversichert!

von Rainer Esser

Staatliche Unterstützung aber bitte nur für eine Betrielbiche Rücklage.

Es geht an einer Risikoausgleichsrücklage kein Weg dran vorbei, damit könnten wir uns in vielen Situationen selbst helfen. In jeder schwierigen situation nach dem Staat schreien ist der falsche Weg und dafür erhalten wir auch keinen Rückhalt in der Gessellschaft. Leider dürfen wir diese nicht in dem Umfang so Steuerlich geltend machen. Ich bin davon überzeugt das eine Versicherung auf dauer teurer wäre. Wo bleibt sonst auch der Anreitz selbst was zu unternehmen, wenn der Betrieb der leer ausgeht, der seine Kosten mit einem gewissen Risko bedacht hat und dadurch nicht in den Genuss der Staatlichen Hilfe kommt.

von Karl-Heinz Mohrmann

Aber bei den Milchbauern ist es egal das die Börse und die Molkerei die Gewinne bei Milchkontrakten abschöpfen soll?? Das versteh mal einer

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