Glyphosat-Diskussion verschärft sich

Die Bundestagsfraktion "Die Grünen" haben ein Labor beauftragt, Milch- und Urinproben von 16 stillenden Müttern in unterschiedlichen Bundesländern zu untersuchen. Dabei seien Glyphosatmengen im Urin von 0,276 bis 2,273 Nanogramm pro Milliliter gefunden worden.

Die Bundestagsfraktion "Die Grünen" haben ein Labor beauftragt, Milch- und Urinproben von 16 stillenden Müttern in unterschiedlichen Bundesländern zu untersuchen. Dabei seien Glyphosatmengen im Urin von 0,276 bis 2,273 Nanogramm pro Milliliter gefunden worden. Harald Ebner, Sprecher der Grünen im Bundestag, erklärte daraufhin, dass Glyphosat allgegenwärtig sei. Er fordert, die Zulassung zunächst auszusetzen. 

Auf EU-Ebene findet zurzeit die Neubewertung des Wirkstoffs Glyphosat als Grundlage für seine weitere Zulassung statt. Alle zugelassenen Wirkstoffe werden fortlaufend überwacht. Eine Entscheidung wird Ende des Jahres getroffen. Für die erneute gesundheitliche Bewertung hat das zuständige Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) mehr als 150 neue toxikologische Studien und über 900 neu in wissenschaftlichen Zeitschriften veröffentlichte Studien geprüft und ausgewertet.

Die Analyse der zahlreichen Dokumente ergab keine Hinweise auf eine krebserzeugende oder fruchtbarkeitsschädigende Wirkung von Glyphosat bei Versuchstieren (Glyphosat hemmt ein Enzym, das in Pflanzen für die Biosynthese nötig ist. Dieses Enzym kommt bei Menschen und Tieren nicht vor).  

Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) der Weltgesundheitsorganisation hat dagegen den Wirkstoff Glyphosat im Frühjahr als wahrscheinlich krebserzeugend eingestuft. Tatsächlich krebserregend sind laut der Krebsforschungsagentur Holzstaub, Tabakrauch und Alkohol. Die Entscheidung des IARC zum Glyphosat kann das BfR noch nicht beurteilen, da die Studie noch nicht vollständig vorliegt. Das BfR wird die vorgenommene Einstufung des IARC nach Erscheinen der Studie im August 2015 prüfen. 
 
Als fahrlässig bezeichnet Rainer Tietböhl, Präsident der Bauernverbandes Mecklenburg-Vorpommern, die Vorgehensweise der Grünen. Aus seiner Sicht war die Untersuchung nicht repräsentativ und damit wissenschaftlich nicht relevant. "Die Partei hat die Landwirtschaft als ihr Thema ausgemacht und zieht nun alle Register, um auf Stimmenfang zu gehen und die aktuelle Neubewertung des Wirkstoffs in der EU zu konterkarieren", kritisiert er. "Solange keine belastbaren Ergebnisse vorliegen, solle man vor einer Panikmache absehen." 

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Artikel geschrieben von

Matthias Bröker

Redakteur Ackerbau/Grünland

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