Trockenheit 2019

Professionelle Tipps zur Beregnung und Bewässerung Premium

Damit die Erträge von Kartoffeln, Rüben, Getreide und Mais in Trockenphasen nicht leiden, muss das Zusatzwasser zur richtigen Zeit fließen. Hier die Empfehlungen dazu im 3. Teil der Beregnungsserie.

Trockenheitsbedingte Wachstumsstörungen bei den Kulturen verhindern – das ist das Ziel einer ausgefeilten Beregnungsstrategie. Denn fehlt der „Nährstoff“ Wasser in bestimmten Entwicklungsstadien der Pflanzen, sind Ertragseinbußen und verminderte Qualitäten vorprogrammiert.

Neben Hackfrüchten wie Kartoffeln oder Rüben beregnen viele Betriebsleiter auch Braugerste, Mais und – vor allem bei hohen Getreidepreisen – auch Wintergetreide. Besonders wichtig ist, in der arbeitsintensiven Beregnungszeit, den Einsatz der Beregnungstechnik über die Fruchtfolgeglieder möglichst optimal zu planen. Denn was nützen hohe Getreideerträge, wenn dadurch z.B. die Qualität der Kartoffeln wegen zu später Wassergabe leidet?

Kartoffeln dürfen nicht dürsten!

Kartoffeln erzielen in der Regel die höchste beregnungskostenfreie Leistung aller Fruchtfolgeglieder (Ausnahme Gemüse). Zudem reagieren sie stark auf Beregnungsfehler. Daher empfiehlt es sich, die Beregnungsstrategie nach den Kartoffeln auszurichten.

Während ihrer Wachstumszeit von ca. 120 Tagen benötigen Kartoffeln, abhängig von der Verdunstung, insgesamt rund 400 mm Wasser. Diesen Gesamtbedarf decken sie aus dem nutzbaren Wasservorrat des Bodens und den lokalen Niederschlägen.

Doch in immer mehr Regionen reichen diese Mengen nicht aus, sodass zusätzliche Wassergaben notwendig werden. Sobald die klimatische Wasserbilanz auf Ihrem Standort negativ wird, sollten Sie die Bestände beregnen. Als Maß dient dabei die nutzbare Feldkapazität (nFK), die das Speichervermögen von pflanzenverfügbarem Wasser im Boden angibt. Die relevante Bodentiefe, auf welche man die nFK bezieht, unterscheidet sich je nach Kultur. Bei Kartoffeln werden maximal die oberen 60 cm berücksichtigt. Aktuelle Daten zur nFK auf Ihrem Standort erhalten Sie z.B. aus Bodenkarten im Internet, welche die zuständigen Fachdienststellen der Länder häufig bereitstellen.

Viel Wasser ab Knospenbildung

Die bedarfsgerechte Kartoffelberegnung lässt sich in drei Phasen einteilen:

Phase 1: Vom Auflaufen bis zur Knospenbildung bzw. bis zum Beginn der Knollenanlage,

Phase 2: vom Beginn der Knollenanlage bis zur Blüte und

Phase 3: von der Blüte bis zur einsetzenden Krautabreife.

In der ersten Phase sind die Kartoffeln relativ unabhängig von der Bodenfeuchte. Mäßige Trockenheit fördert sogar die Trockentoleranz, weil sich die Wurzeln besser ausbilden (bis 60 cm Tiefe). In diesen Entwicklungsstadien empfiehlt sich nur bei extremer Trockenheit eine Beregnungsgabe von 20 mm.

Viel Wasser brauchen die Kartoffeln vom Beginn der Knollenanlage bis zur Blüte (Phase 2). Sobald die nutzbare Feldkapazität in dieser Zeit auf 50% sinkt, sollten Sie Früh- und Speisekartoffeln mit 20 bis 25 mm beregnen. Spätere Reifegruppen haben eine längere Vegetationszeit und ihre Entwicklung verläuft langsamer. Beregnen Sie daher mittelfrühe und späte Sorten ab 40% nFK mit 25 bis 30 mm pro Gabe.

Verpassen Sie den richtigen Termin, verzögert sich durch den Wassermangel die Krautentwicklung und das Knollenwachstum. Starker Mangel zu Beginn dieser Phase senkt die Knollenanzahl.

Höhere Regengaben von über 30 mm sind nicht zu empfehlen, da sonst Nährstoffe wie Stickstoff auswaschen können. Zudem sollte noch ein Restspeicher für Niederschläge vorhanden bleiben. Geht man z.B. von 25 mm beregneter Menge pro Gabe aus, errechnet sich bei Verdunstungsraten von 3 bis 5 mm pro Tag ein Beregnungsintervall von 5 bis 8 Tagen, wenn zwischenzeitlich kein Regen fällt.

Hauptberegnungsperiode (Phase 3) für mittelfrühe, mittelspäte und späte Reifegruppen ist die Phase von der Blüte bis zur einsetzenden Krautabreife. Vor allem die Zeitspanne zwischen Blühende und ca. drei Wochen danach ist entscheidend für den Ertrag.

Stellen Sie daher sicher, dass die Bodenfeuchte in dieser Zeit nicht unter 45 bis 50% nFK rutscht, bei bereits eingetretener Wuchsverzögerung möglichst nicht unter 50 bis 55% nFK. Erreichen Sie eine gute Wasserversorgung in dieser Phase, können Sie auch trockenheitsbedingte Ertragsrückstände aus der vorangegangenen Periode ausgleichen.

Fehlt dagegen in diesem Stadium das Wasser, kann sogar eine Notreife der Knollen einsetzen. Erneute Niederschläge bewirken dann je nach Entwicklungsstadium:

  • Zwiewuchs und eine Verlagerung der Stärke,
  • einen erneuten Knollenansatz,
  • ein Durchwachsen der Stolonen (Kindelbildung) oder
  • Schalenrisse durch ...

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Artikel geschrieben von

Matthias Bröker

Redakteur Ackerbau/Grünland

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