Klimawandel

Sven Plöger: „Noch ist es fünf vor zwölf“

Wetterexperte Sven Plöger erklärt im Interview, worauf wir uns in den kommenden Jahren beim Wetter gefasst machen müssen. Fest steht, wir müssen jetzt handeln. Hitzeperioden und Starkregen werden aber ab jetzt offenbar normal.

Sven Plöger bei einer Wettermoderation für den WDR (Bildquelle: Screenshot WDR-Fernsehen)

Es bleiben höchstens 20 Jahre Zeit, etwas gegen den Klimawandel zu tun, meint Wetterexperte Sven Plöger. Deshalb müssten wir sofort damit beginnen.

Angesprochen auf das schwierige Jahr 2018 zeigte sich Plöger im Gespräch mit dem Landwirtschaftsverlag Münster aber vorsichtig: „Wetter ist immer variabel, deshalb bin ich in diesem Zusammenhang mit dem Begriff „regelmäßig“ vorsichtig. Es wird ja auch wieder weniger extremes Wetter geben. Aber ja, unser Wettergeschehen wird sich ändern. Wir müssen definitiv davon ausgehen, dass sich heiße und trockene Jahre wie 2018, aber auch solche mit viel Niederschlag wie 2017, häufen."

Über die letzten 30 Jahre hinweg betrachtet stellt der Fachmann fest, dass es einen deutlichen Trend zur Erderwärmung gibt, und zwar global wie auch lokal. „Ein Beispiel macht das deutlich: Seit 22 Jahren hat es in den Monaten April bis Juni keine negativen Temperaturabweichungen mehr vom 30-jährigen Durchschnittswert (1961 – 1990) gegeben“, so Plöger.

Für ihn war 2018 außergewöhnlich und eine Überbestätigung der Trends. Er mahnt: „Geht es um Wetter und Klima, dürfen wir nicht den Fehler machen und nur auf unser unmittelbares Umfeld bzw. nur die Temperaturentwicklung schauen. Vielmehr geht es um die Energiebilanz des gesamten Erdsystems.“ Besonders den Ozeanen kommt hier eine entscheidende Bedeutung zu. Sie hätten sich in den vergangenen Jahren aufgeheizt und den Temperaturanstieg der Atmosphäre abgepuffert. Geben die Meere ihre Wärme wieder an die Lufthülle ab, „springen“ die Temperaturen dort quasi nach oben, wie wir es gerade erleben.

Auf die Frage, ob das 2 °C-Ziel der Politik noch realistisch sei, erklärt der Wettermann, das es grundsätzlich wichtig sei, ein Ziel zu definieren. „Nun wissen wir aber alle, es gibt einen wesentlichen Unterschied zwischen Reden und Handeln“, so Plöger und erinnert an die hochgesteckten Ziele von 1992 aus Rio de Janeiro. Trotzdem habe sich der CO2-Ausstoß seitdem um 60 % erhöht. „Gleichwohl halte ich es für wichtig zu sagen, wir haben fünf vor zwölf und nicht nach fünf nach zwölf. Denn wenn wir jetzt schon den Untergang vorhersagen, gibt es keine Motivation mehr, etwas dagegen zu tun. Damit wecken wir bei den Menschen kein Interesse zu kämpfen.“

Laut Plögers Berechnungen habe man noch 20 Jahre Zeit, um Dinge, die nicht richtig laufen, zu korrigieren. Fest stehe, dass insgesamt nicht mehr als 720 Mrd. t CO in der Atmosphäre dazukommen dürften, um einen dauerhaften Umbruch zu verhindern. Im Moment gelangen jährlich 36 Mrd. t dazu. Plöger glaubt daran, dass die Menschheit tatsächlich handeln wird; 2018 könnte der notwendige Auslöser gewesen sein, damit sich was ändert. „Denn immer, wenn wir etwas unmittelbar spüren, wird klar: Oh, das betrifft uns ja auch.“

Für die Zukunft sagt der Meteorologe voraus, dass wir auf der einen Seite große Hitze erleben werden, auf der anderen Seite aber auch schwere Gewitter sehen, die lokal unglaubliche Regenmengen bringen können – zum Teil sogar mit Überflutungsgefahr mitten in großflächigen Dürreperioden. „Diese Hitzegewitter sind extrem kleinräumig, weil sie oft kaum weiterziehen und all ihr Regen so an derselben Stelle niedergeht.“

Auf das Pflanzenwachstum angesprochen, erklärt der Fernsehmoderator, dass die Vegetation inzwischen rund zwei Wochen früher startet. Damit nehme die Spätfrostgefahr zu. Gleichzeitig seien aber die heimischen Pflanzen nicht an längere Hitzeperioden angepasst oder bisher unbekannte Schädlinge könnten sich ausbreiten. Landwirten empfiehlt er, über Düngung, Emissionen und Anbausysteme nachzudenken, um ihren Teil zur Verhinderung des Klimawandels zu leisten. Und natürlich seien Bürger und Politik ebenso gefordert.

Das ganze Interview finden Sie im top agrar-Spezial "Hagel, Sturm, Dürre - Ursachen und Folgen aktueller Wetterrisiken", das der top agrar 12/2018 sowie dem Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben beilag.

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Diskussionen zum Artikel

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von Gerhard Steffek

Klimawandel -

der kommt nicht nur - und ist nicht nur schon da, sondern war schon immer! Ganz einfach dadurch bedingt das die Erde ihr "Eigenleben" führt. Sonst hätten wir doch nicht schon mindestens 4 Eiszeiten in der "jüngeren" Erdgeschichte gehabt. Plattentektonik, Präzession der Erdachse, der Mond entfernt sich langsam von der Erde, dessen Mondphasen, Vulkanausbrüche, Erdbeben ... All das spielt doch in dem ganzen Reigen eine mehr oder weniger wichtige Rolle. Sicherlich mag jetzt der Mensch auch noch dazugekommen sein, aber ficht das die Erde an? Muß sie das interessieren? Die Erde und das Leben darauf hat schon ganz andere Katastrophen überlebt. Glaubt man den Historikern, dann stand das Leben schon dreimal kurz davor wieder von der Erde zu verschwinden. Das letzte mal vor 65 Millionen Jahre nach dem Meteoriteneinschlag. Was würden eigentlich unsere Weltuntergangsszenarier bei solch einem Ereignis sagen? Der einzige der ein Problem mit dem Klimawandel hat ist doch der Mensch. Schon allein dadurch bedingt, weil er in als solches wahrnimmt oder als solches tituliert. Aber solange der Mensch die Plattentektonik, die Präzession oder den Lauf des Mondes nicht aufhalten kann, solange wird es auch einen Klimawandel geben. Da ist es egal, ob der Mensch dann noch ein paar "Holzscheite" drauflegt. Sicherlich, man muß es nicht mit Gewalt herausfordern. Der Mensch (und besonders der Deutsche) sollte es eher unaufgeregt zur Kenntnis nehmen und lernen damit umzugehen, sich danach ausrichten. Ohne hysterischem Getue! Da sind wir Deutsche aber anscheinend irgendwie prädesteniert dafür, erkannte doch schon Bismark zu seiner Zeit: "Die Neigung sich für fremde Nationalitäten und Nationalbestrebungen zu begeistern, auch dann wenn dieselben nur auf Kosten des eigenen Vaterlands verwirklicht werden können, ist eine politische Krankheit, deren geographische Verbreitung leider auf Deutschland beschränkt ist"

von Klaus Fiederling

7 fette Kühe, 7 magere Kühe

Schon im Alten Testament deutete Josef dereinst des Pharaos Traum: 7 fette Kühe entstiegen dem Wasser und weideten auf den Wiesen, hernach aber kamen aus dem Wasser sieben magere, hässliche Kühe, welche die fetten Kühe auffraßen. Josef warnte, dass nach 7 fetten die 7 mageren Jahre auf dem Fuße folgen würden. Er erteilte deshalb den dringlichen Rat, Speicher bauen zu lassen...// In der heutigen „Moderne“ sind unsere weltweiten Lagerkapazitäten nach Lesart des in vorderster Priorität allwissenden USDA -ob es sich dabei um „Fake News“ erster Güte handelt oder auch nicht(!?), sei zunächst einmal dahingestellt- randvoll bestückt, quellen förmlichst aus allen Nähten, für sagenumwobene 200 Tage. - Ja richtig gelesen, wir denken eine Versorgungssicherheit heute allenfalls in TAGEN, nicht in Jahren. Im Hier und Jetzt generieren wir die satten Überschüsse und zieren uns dabei nicht, selbige kurzfristig, weit fataler noch extrem kurzsichtig(!), einfach auf der Biomüllhalde zu verklappen. // Das extrem volatile Weltmarktgeschehen widerspiegelt genau diese dekadente Ignoranz innerhalb unserer Gunstregionen der berauschenden Hülle und Fülle auf unserem Blauen Planeten, quittiert jene in absolut ruinösen Erzeugerpreiskonstellationen, die sich mittlerweile in einer solchen „HEILEN WELT“ im Hier und Jetzt verstetigt haben. - Aber wen juckt‘s!? // Donald Trump hat zum diesjährigen Thanksgiving schließlich daselbst einen Klimawandel als obsolet erklärt und eine zunehmende Erderwärmung damit relativiert. - Nun, es war eben immer auch schon eine Frage des Glaubens, wem man schlussendlich vertrauen mag...! Was die meisten Bauern in direkter Wahrnehmung bereits sehr viel früher verinnerlichen müssen, kommt in den Köpfen der Allgemeinheit zeitversetzt leider erst sehr viel später an; beängstigend jedoch, wenn es sich dabei um gerade jene Cerebra handelt, die in der Thematik vorausschauend weit eher dringend gefordert wären. - Die „sieben fetten Jahre“ sind selbstverständlich nicht in Stein gemeißelt; seit mehreren Generationen schwelgen wir im Überfluss, Hunger kennen wir einzig in herzzerreißend qualvollen Bildern von anderen...

von Heinrich-Bernhard Muenzebrock

Klimawandel ist schon da

Ich kann den Beitrag von Sven Plöger so nicht teilen: der Klimawandel ist schon aktiv und wohl nicht mehr aufzuhalten. Es ist eher 5 nach 12!. Durch die Erwärmung der Pole werden die Jet-Streams beeinträchtigt. In früheren Jahren war der Jet-Stream ein Starkwindband in der Atmosphäre der nördlichen Breiten, dass durch den gravierenden Temperatur-unterschied zwischen den südlich vom Jet-Stream und nördlich davon gelegenen Erdteilen eine hohe Geschwindigkeit hatte. Der Wechsel der Hochs und Tiefs war somit kurzfristig und das Wetter nur für ein paar Tage oder Wochen stabil. Heute hat er sich, durch die Abschmelzung der Pole und den damit verbundenen zurückgehenden Temperaturunterschied zwischen Pole und südlich des Jet-Streams gelegenen Erdteile, verlangsamt. In der Folge, bildlich beschrieben, bilden sich am Jet-Stream "Staus". Dadurch kann es vorkommen, dass sich Hochs und Tiefs für längere Zeit nicht bewegen (Omega-Wetterlage). Diese Konstellation sorgt für trocken heiße oder auch kühle nasse Jahre. Diese Extreme werden in Zukunft weiter zunehmen und am Ende dafür sorgen, dass der Rhein irgendwann kein Wasser mehr führt.

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