Werner Schwarz: Sind wir zu gut für die Grüne Gentechnik?

DBV-Vizepräsident Werner Schwarz sprach beim InnoPlanta-Forum in Berlin über die Grüne Gentechnik. Hier die wichtigsten Aussagen seiner Rede im Originalwortlaut: "Seit der Mensch vom Jäger und Sammler in den Bauernstand wechselte, züchtet er Tiere und Pflanzen. Ohne Erbgutveränderung sähe unsere Ernährung anders aus."

Werner Schwarz, Bauernpräsident von Schleswig-Holstein (Bildquelle: Bauernverband)

DBV-Vizepräsident Werner Schwarz sprach am Dienstag beim InnoPlanta-Forum in Berlin über die Grüne Gentechnik. Hier die wichtigsten Aussagen seiner Rede im Originalwortlaut:

"Seit der Mensch vom Jäger und Sammler in den Bauernstand wechselte, züchtet er Tiere und Pflanzen. Ohne Erbgutveränderung sähe unsere Ernährung anders aus. Sie wäre vor allem mühsamer: Getreidekörner in der Größe eines Grassamens sind natürlich.

Was wir heute als Korn kennen, ist das Ergebnis jahrhundertelanger Züchtung! Seither leben wir vom Fortschritt und genießen seine Früchte. Heute gehört zum Fortschritt die Grüne Gentechnik ebenso wie die Klon- und Hybridzüchtung, der Embryotransfer oder molekulare Marker.

Das Bundesforschungsministerium zog kürzlich ein Fazit aus 25 Jahren Untersuchung zu diesem Thema. Es gibt keine besonderen Umweltrisiken durch GVO, lautet die Aussage. Das Ergebnis ist die Zusammenfassung von 300 Projekten an 60 Forschungseinrichtungen. Es ist nicht nur deutlich, es ist vor allem solide belegt. Dennoch reicht in unserer Mediengesellschaft das Stichwort „Grüne Gentechnik“ zur Aburteilung. Es werden Forschungseinrichtungen in Frage gestellt, die Seriosität von Bewertungen abgeurteilt und nachweisliche Produktionsvorteile verdammt. Und so wird verboten, was umstritten ist.

Die Opt-Out-Politik der EU ist ein Beispiel dafür. Mitgliedstaaten können zukünftig den Anbau zugelassener GVO in ihrem Hoheitsgebiet verbieten. Die Begründung einer Ablehnung lautet: Grüne Gentechnik sei nicht kontrollierbar in ihren Auswirkungen, die langfristigen Folgen seien nicht geklärt. Dann müsste in einer aufgeklärten Gesellschaft die richtige Konsequenz doch lauten: Wir intensivieren die Forschung, und nicht: Wir verzichten auf sie!

Teilnehmer des europäischen Netzwerkes gentechnikfreier Regionen sind die Bundesländer Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein, Baden-Württemberg, Thüringen, Saarland, Rheinland-Pfalz, Hessen und Bayern. Was bedeutet das? Pächter von Landesflächen dürfen keine GVO anbauen. Auf Landesflächen sind GVO-Versuche verboten. Das Bundessortenamt darf keine Prüfungen mit GVO-Sorten durchführen. Aber: Keinem Landwirt ist es verboten, auf eigenen Flächen in einer gentechnikfreien Region GVO anzubauen.

Keinem Landwirt wird in einer gentechnikfreien Region verboten, sein Vieh mit Futtermitteln zu füttern, die GVO beinhalten. Es ist eine gut getarnte Wählertäuschung, zugleich eine wirksame Verhinderung von Forschung.

  1. Können wir auf GVO-Importe verzichten? Faktisch wird es immer schwieriger: 2014 wurden weltweit auf 180 Millionen Hektar GVO angebaut. Der GVO-Anteil bei Soja liebt bei 80 %, bei Baumwolle 70 %, bei Mais und Raps 25 %.

  2. Können wir auf den GVO-Anbau verzichten? Noch Ja. Unsere Ernten sind hoch und stabil. Die Landwirtschaft kann eine gentechnische Resistenzzüchtung durch Pflanzenschutzmittel kompensieren. Eine Anmerkung zur PSM-Abgabe von Minister Habeck: Wie kann man gegen GVO und PSM gleichzeitig sein?

  3. Dürfen wir auf GVO verzichten? Unsere Ressource ist die innovative Forschung. Im Moment treiben wir exzellente Forscher ins Ausland. Das muss man sich leisten können!

Grüne Gentechnik ist ein hoch moralisiertes Thema: Warum wird der Goldene Reis verteufelt, der Millionen Menschen eine Versorgung mit Beta-Carotin ermöglicht? Dürfen wir verhindern, dass Kleinbauern im Süden durch GVO erfolgreicher wirtschaften und der Einsatz von insektenresistenten GV-Sorten zu weniger Giftunfällen führt?

Doch unsere Politik geht nicht nur zu Lasten anderer. Der Preis für komplett GVO-freie Mischfutter würde unsere Versorgung mit Nahrungsmitteln tierischer Herkunft gefährden. Gegner der Grünen Gentechnik sind auch Gegner unserer Nutztierhaltung. Schlagen sie hier zwei Fliegen mit einer Klappe?

Fazit

Wir sind zu grün für die Grüne Gentechnik. Im Moment können wir uns das leisten, dauerhaft wahrscheinlich nicht. Eine Nulltoleranz beim Import würden unsere Schweine- und Geflügelhalter noch weiter unter Druck bringen. Die GVO-Forschung erfolgt außerhalb Deutschlands. Bei weiteren Züchtungstechnologien darf uns dies nicht wieder passieren!

Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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