Maisstroh: Aus Reststoff wird Rohstoff Premium

Neue Forschungs- und Praxisergebnisse sprechen für Maisstroh als Biogassubstrat – jedoch nur mit der richtigen Technik zum Bergen, Silieren und Füttern.

Benjamin Kapp hat sich zum Mischen der Rohstoffe für seine Biogasanlage eine besondere Technik ausgedacht: Er legt mit der Greifschaufel seines Teleradladers eine 30 cm hohe und etwa 10 m lange Schicht mit Silomais aus. Darauf verteilt er eine dünne Schicht Maisstroh-Silage. Dann schiebt er das Ganze zu einem Haufen zusammen und füllt die Mischung in den Feststoffdosierer der Biogasanlage ein. „Mit dieser Methode gibt es die wenigsten Probleme in der Dosiertechnik“, sagt der Mitgesellschafter der Rutz und Kapp Bioenergie aus Gunzenhausen (Bayern). Ihre Biogasanlage hat eine Höchstbemessungsleistung von 237 kW.

Ohne diese Vormischung sammelte sich das Stroh häufig in der Stopfschnecke an, die es aus der Steigschnecke des Dosierers übernimmt und in den Fermenter einbringt. Dadurch meldete der Dosierer ein bis zweimal pro Woche eine Störung, die Kapp von Hand beseitigen musste.

700 kg Maisstroh täglich

Wie viele andere Landwirte in Deutschland sieht Kapp trotzdem in Maisstroh ein interessantes Substrat. Denn der Betrieb Rutz baut jährlich 60 bis 70 ha Körnermais für die Schweinefütterung an. Das anfallende Stroh wurde bislang nicht genutzt. Der Substratmix bestand aus 50% Schweinegülle, 2200 t Maissilage und 1500 t Grassilage pro Jahr. „Mit der Maisstoppelbeseitigung können wir gleichzeitig den Maiszünsler bekämpfen“, nennt Kapp einen weiteren Vorteil.

Jetzt setzt er täglich 700 kg Maisstroh ein. Mit jeder Tonne davon ersetzt er 1 t Maissilage. Dass das möglich ist, zeigen auch aktuelle Forschungsergebnisse der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL). Die LfL hat seit 2014 verschiedene Verfahren zur Strohbergung und die Silierung sowie die Gasausbeuten der Maisstrohvarianten untersucht:

  • Das Korn-zu-Stroh-Verhältnis lag im Schnitt der Jahre bei 1 zu 0,9.
  • Von den 11,3 t Trockenmasse (TM) Stroh pro Hektar Körnermais ließen sich durchschnittlich 48% abfahren, im Schnitt waren es 5,3 t TM/ha.
  • Verschiedene Techniken wie Bandschwader, Schwadhäcksler oder modifizierter Maispflücker mit Schwadablage sowie die Bergung mit Ladewagen oder Feldhäcksler erzielten im dreijährigen Versuch vergleichbare Ergebnisse. Weder bei der Menge noch beim Erdanhang ließen sich große Unterschiede erkennen. Der Rohaschegehalt im Erntegut lag im Schnitt bei 7,3%.
  • Das Maisstroh hatte im Schnitt einen TM-Gehalt von 35 % und lag damit eher auf dem Niveau von Silomais als von Getreidestroh.
  • Der Methanertrag erreichte 1500 m3 pro ha. Damit kann das Stroh von 1 ha Körnermais etwa 0,2 bis 0,25 ha Silomais ersetzen.
  • Maisstroh vergärt sehr gut, die Silage erreichte in den ...

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Artikel geschrieben von

Hinrich Neumann

Redakteur Energie

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