"Ein vernünftiger Landwirt hätte das nicht gebaut!" Premium

Im Folgenden lesen Sie die Geschichte von Landwirt Harders Streit mit dem Bauamt um die Solarhalle. Am Ende finden Sie Ratschläge eines Rechtsanwalts, der den Fall begleitet hat.

 Ein skurriles Baugerippe steht in Grevenkop bei Itzehoe (Schleswig-Holstein): Auf 20 m langen, schräg aufgestellten Stahlträgern sind ab einer Höhe von 2 m Solarmodule montiert. Darunter stehen Maschinen sowie einzelne Heu- und Strohballen. Der norddeutsche Wind pfeift durch die offene Konstruktion, die nur bedingt den Regen abhält. „Eigentlich hätte das einmal eine Lagerhalle für Maschinen und Rundballen werden sollen“, seufzt Landwirt Carsten Harder. Doch statt es eines lukrativen Nebenverdienstes für den Milchviehbetrieb kam alles anders. Im Büro türmen sich riesige Aktenberge mit Klageschriften, Widerspruchsbescheiden und Anwaltspost. Harder hat die Milchviehhaltung aufgeben, ist nervlich am Ende und hat den Glauben an die Gerechtigkeit verloren.   So passierte es   Was war geschehen? Wie mehrere Hundert Berufskollegen auch will Harder eine Pultdachhalle mit nach Süden gerichteter Dachfläche und darauf montierter Photovoltaikanlage bauen. Diese „Solarhallen“ dienen nicht nur als Wetterschutz für Maschinen und Futter, sondern bieten dank der Photovoltaikanlage auch einen Erlös über den Verkauf von Strom. Dieser reichte zur damaligen Zeit meistens aus, um die Halle zu finanzieren. Harders Milchviehbetrieb mit 40 Kühen platzt im Jahr 2009 aus allen Nähten. Die neue Halle ist vor allem zum Lagern für Heu und Stroh und zum Unterstellen von Maschinen gedacht. Nach verschiedenen Gesprächen mit Beratern und Architekten entscheidet sich der Landwirt für eine Pultdachhalle mit den Abmessungen 60 mal 30 Meter ohne Traufe, das Dach sollte bis auf die Erde herunter gezogen werden – ein Bautyp, der auch in Schleswig-Holstein vielerorts anzutreffen ist. Die Photovoltaikanlage mit polykristallinen Modulen soll eine Leistung von 240 kW haben. Kostenpunkt für Halle inklusive Photovoltaikanlage: 900.000 €.   Traufhöhe zu gering   Doch das Bauamt Itzehoe hält eine Traufhöhe mit weniger als zwei Meter für nicht zulässig, heißt es im Vorgespräch. Denn in dem unteren Bereich sei keine landwirtschaftliche Nutzung möglich, was einer Privilegierung im Außenbereich entgegensteht. „Unser damaliger Architekt riet uns daraufhin, die Halle erst einmal nur mit einer Teilbelegung zu beantragen, um die Traufhöhe einhalten zu können. Später könnten wir dann den Antrag auf Nachgenehmigung stellen “, blickt Harder zurück. Anfang 2010 erhält er die Baugenehmigung, den ersten Strom von der fertigen Halle speist er im August des Jahres ein. Vier Monate später stellt er den Antrag auf Nachgenehmigung: Denn ein gutes Drittel der Halle ist ja noch nicht belegt. „Wir hatten ja auch schon die komplette Halle einschließlich Module dafür gekauft, außerdem lief der Kredit bereits“, berichtet der Landwirt. Allerdings hat er die Rechnung ohne das zuständige Bauamt gemacht. Die Behörde aus der Kreisstadt Itzehoe lehnt den Antrag zwei Monate später gleich mit einer Fülle von Gründen ab: •       Eine Pultdachhalle ohne Traufe ...

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