Allesfresser: Holzvergaser schluckt Bauholz

Bauabrissholz versetzt mit Metallresten: Daraus gewinnt eine Schweizer Genossenkorporation bereits seit 2008 teerarmes Holzgas für die Strom- und Wärmeproduktion. Viele haben das Vertrauen in die Holzgastechnik in den letzten zehn Jahren verloren, weil die Anlagen einfach noch nicht ausgereift waren.

Bauabrissholz versetzt mit Metallresten: Daraus gewinnt eine Schweizer Genossenkorporation bereits seit 2008 teerarmes Holzgas für die Strom- und Wärmeproduktion. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Energiemagazin 1/2013.
 
Viele haben das Vertrauen in die Holzgastechnik in den letzten zehn Jahren verloren, weil die Anlagen einfach noch nicht ausgereift waren. Mittlerweile funktioniert die Technik aber und die Strom- und Wärmeerzeugung aus Holzgas ist wieder interessant. Das haben wir Ihnen im Energiemagazin 3 (top agrar 9/2013) bereits gezeigt.
 
Auch die Genossenkorporation Stans im Kanton Nidwalden in der Schweiz hat sich nicht entmutigen lassen. Die rund 400 Mitglieder haben 2007 im großen Stil ein thermisches Kraftwerk mit 1,9 MW Nennleistung Wärme bzw. 1,2 MW Strom gebaut. Über die letzten Jahre wurde dieses so weiterentwickelt, dass die Anlage heute mit einigen Besonderheiten überrascht, die sich auch auf kleinere Maßstäbe übertragen lassen.

In der Nähe von Luzern sind wir zu einem Rundgang über die Energieanlage mit Betriebsleiter Hans Bieri sowie dem Geschäftsführer von BR Engineering, Bernhard Böcker-Riese, verabredet. Böcker-Riese, gebürtig aus dem Münsterland, hat die Anlage seit 2007 zusammen mit der Genossenkorporation als Verfahrenstechniker optimiert.

Holzmüll liefert Energie

Die erste Besonderheit, die das Konzept so interessant macht, ist der eingesetzte Energieträger: Zur Vergasung kommen nämlich Bauabrissholz, Altholz und alte Balken. Für die Anlage ist es dabei grundsätzlich egal, ob dort Restmetalle wie z. B. Nägel etc. enthalten sind, diese sollen den Umwandlungsprozess im Reaktor nicht behindern. Jedoch achtet der Betriebsleiter darauf, dass die Lieferanten alle größeren Fremdanteile entfernt haben.
 
Angeliefert wird das Material fertig geschreddert von zwei Firmen, mit denen es Festverträge gibt. Täglich sorgen sie für Hackschnitzelnachschub im 5600 m3 großen Lager, von dem die Anlage vier bis fünf Wochen zehren könnte. 8000 t sind es im Jahr bei Volllast. Wichtig ist laut den Fachleuten nur, dass die Hackschnitzel zwischen 20 und 150 mm groß sind. Zu feines Material würde die Luftzufuhr im Reaktor verstopfen, zu grobes (> 250 mm) würde die Fördertechnik stören.
 
Bei der Feuchte des angelieferten Holzes achtet Bieri auf die Einhaltung der vertraglichen Vorgaben. Zusätzlich gibt es unter dem Lager einen Schubboden mit Lochblechen, durch den kontinuierlich warme Luft in die Häcksel strömt. „Die warme Luft kommt von den Rohgaskühlern und aus dem Gebäude, in dem die Reaktoren stehen. Diese 60°C warme Luft trocknet das Holz auf 10% runter“, erklärt Böcker-Riese. Wärmer dürfe die Luft aber nicht werden, um die leichtflüchtigen Bestandteile wie etwa Harze nicht zu verdampfen. „Das würde einen Heizwertverlust von bis zu 10 % ausmachen“, weiß der Agraringenieur, der in Hohenheim Agrartechnik studiert hat. (...)

Das lohnt sich

Mit den Wirkungsgraden sind die Betreiber sehr zufrieden. Bezogen auf den Brennstoff-Input holen sie 25 bis 30 % Strom aus dem Abbruchholz, thermisch schafft die Anlage 40 bis 50%, was zusammen einen Wirkungsgrad von 70 bis 80 % ergibt. Die Restenergie wird größtenteils zur Holztrocknung eingesetzt, wodurch der Gesamtwirkungsgrad auf 80 bis 90 % steigt.
 
Laut Böcker-Riese kann solch ein Holzgaskraftwerk auch für Landwirte oder Energiegenossenschaften eine interessante Alternative sein, da es sich in der Größenordnung einer Biogasanlage bewegt. Auf jeden Fall sollen die Erfahrungen aus der Schweizer Anlage künftig auch in kleineren Kraftwerken Anwendung finden, woran der Münsterländer schon fleißig entwickelt.

Wir haben Böcker-Riese bei einem Rundgang mit der Foto- und Video-Kamera begleitet. Hier gehts zum Film...

Fotostrecke

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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