„Ausschreibungen werden Windszene komplett verändern“

Welche Auswirkungen die ab 2017 beginnenden Ausschreibungen auf Windparks haben werden, diskutierten vergangene Woche Vertreter der Windbranche.

Diskutierten in Berlin über die Zukunft der Windbranche (v.l.): Dr. Axel Röpke (BWE), Thomas Möhring (Greenpeace Energy), Knud Ezra Rissel (Vestas Deutschland), Thomas Broschek (Juwi), Julia Maxwitat-Balzer (Sparkasse Bremen). (Bildquelle: Neumann)

 Im Mai 2017 startet die Bundesnetzagentur die erste Ausschreibungsrunde für die Förderung von Windstrom. Viele Unternehmen, die daran teilnehmen wollen, aber auch Banken, Dienstleister und andere bereiten sich auf den Termin vor. „Die Ausschreibung macht neue Konzepte nötig und wird die Windszene komplett verändern“, erwartet beispielsweise Thomas Broschek, Geschäftsführer der Juwi Energieprojekte GmbH, die Windparks entwickelt und betreibt.

Wie Broschek vergangene Woche auf einer Diskussionsrunde bei der Konferenz des Bundesverbandes Windenergie (BWE) zum EEG 2017 in Berlin deutlich machte, gäbe es einige Neuerungen im Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) für Windmüller. Dazu zählt u.a. das einstufige Referenzertragsmodell, dass das bisherige zweistufige Modell mit einer höheren Anfangsvergütung und einer niedrigeren Vergütung bei Erreichen einer bestimmten Ertragsschwelle ablöst. Jetzt gibt es nur noch eine Vergütungsstufe. Schlechtere Standorte werden über einen Korrekturfaktor mit einer entsprechend höheren Vergütung an bessere angeglichen. „Früher war die Windhöfigkeit entscheidend für einen Standort, das neue Modell schaltet diesen Faktor praktisch aus“, sagt Broschek.

Auch müssten Investoren von neuen Windparks an allen Kostenschrauben drehen, von den Genehmigungs- über Investititions- bis hin zu den Betriebskosten. „Wir müssen auch zu anderen, intelligenten Pachtmodellen kommen, z.B. zuschlagsabhängige Pachten“, sagt Broschek mit Blick auf die landwirtschaftlichen Flächen, auf denen die Anlagen stehen werden.

Eine spannende Frage ist auch, wie sich die Banken bei der Finanzierung verhalten werden. Julia Maxwitat-Balzer von der Sparkasse Bremen, die seit 20 Jahren Windparks finanziert, hält Windenergieprojekte auch im Jahr 2017 noch für finanzierbar. „Das Risiko steigt zwar, weil das Marktvolumen bei steigender Konkurrenz deutlich kleiner wird und damit auch das Stück vom Kuchen, das jeder Projektierer abbekommt. Aber trotzdem weiß man doch fast genau, wie hoch die Vergütung sein wird“, erklärte sie in Berlin. Sie geht wie andere davon aus, dass die Vergütung aufgrund des Konkurrenzkampfes sinken wird. Allerdings geht sie nicht davon aus, dass Kauf-, Wartungs- und Pachtzahlungen stark sinken werden. „Wir können jedenfalls noch keinen Rückgang feststellen. Gerade Flächen werden ein seltenes Gut bleiben und daher die Nachfrage nach ihnen groß“, sagt Maxwitat-Balzer.

Gleichwohl wird die Bank bei der Finanzierung einen höheren Eigenkapitaleinsatz fordern. Die Finanzierungslaufzeit wird sich gegenüber heute auch nicht stark verändern. Allerdings wird die Bank verstärkt auf die Kompetenz des künftigen Windparkbetreibers achten: Es müsse sichergestellt sein, dass er den Windpark nach Zuschlag bei der Auktion auch innerhalb der vorgeschriebenen 24 Monate errichten kann. „Dazu gehört auch eine solide Planung von Anfang an, auf die wir stark achten werden“, ergänzt sie.

Große Sorgen um künftige Bürgerwindprojekte macht sich Dr. Axel Röpke, Rechtsanwalt und stellvertretender Präsident des Bundesverbandes Windenergie. Diese haben beim Ausschreibungsverfahren viele Nachteile gegenüber finanzstarken Projektierern. Das werde auch die Akzeptanz von Windenergie treffen, wenn sich Bürger nicht mehr beteiligen können.

Greenpeace Energy hat vor Beginn der Ausschreibung ein neues Produkt geschaffen: Der Energiedienstleister will Bürgerenergiegesellschaften nicht nur Fachwissen bei der Planung, sondern auch Risikokapital zur Startfinanzierung zur Verfügung stellen. „Diese Gesellschaften können nicht wie größere Konzerne das Risiko streuen und die Kosten von gescheiterten Projekten in andere einfließen lassen“, begründet Projektleiter Thomas Möhring dieses.

Die Diskussion war weitere Fragen auf, ob sich Bürgerwindparks künftig behaupten können. So sei fraglich, ob ein Hersteller einer einzelnen Gesellschaft die gleichen Verkaufskonditionen einräumen würde wie einem finanzstarken Projektierer, der gleich 100 MW auf einmal abnimmt. Daher wird der Erfolg von Bürgerprojekten auch davon abhängen, inwieweit sich mehrere bei Finanzierung, Einkauf usw. vernetzen und damit das Modell von größeren überregionalen Investoren übernehmen können.

Artikel geschrieben von

Hinrich Neumann

Redakteur Energie

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