Nachwachsende Rohstoffe

Finanzspritze für Wildpflanzen zur Biogasproduktion

Der Biogasanlagenhersteller BioConstruct unterstützt eine regionale Initiative für den nachhaltigen Anbau als Ergänzung zu Mais.

Können Wildpflanzen eine echte Alternative bei der Gewinnung von Biogas sein? Dieser Frage geht die Kooperation Lebensraum und Artenschutz (KLAr) Melle mit einem eigens eingesäten Versuchsfeld nach, auf dem in diesem Sommer eine Mischung aus rund 20 Pflanzen, darunter Kamille, Farne, Wiesenkerbel und Margeriten wächst. Weitere Flächen sollen folgen.

Die BioConstruct GmbH unterstützt die Initiative, indem sie den Landwirten die geerntete Biomasse von bis zu 25 Hektar zu einem Preis über dem Marktwert abnimmt und in ihrer Biogasanlage im hauseigenen Agrar-Technologie-Zentrum (ATZ) verarbeitet. Das Projekt ist zunächst für einen Zeitraum von fünf Jahren geplant. „Und auch erst danach können wir wirklich belastbare Zahlen liefern“, erläutert Daniel Tönsing, verantwortlich bei BioConstruct für den Betrieb der Biogasanlage am Unternehmenssitz in Melle (Niedersachsen). Ebenso wie Geschäftsführer Henrik Borgmeyer ist er aber gespannt und zuversichtlich, was die Energiegewinnung aus Wildpflanzen angeht. Die ersten Pflanzen in Melle werden aktuell geerntet. „Eine 100-prozentige Alternative sind Wildpflanzen sicher nicht, wohl aber eine nachhaltige Ergänzung für die Biogasproduktion als verlässlicher Energielieferant“, so Borgmeyer.

Biogas wird oft vergessen

Als einziger grundlastfähiger erneuerbare Energieträger könne Biogas schließlich Strom und Wärme liefern, wenn Sonne und Wind Pause haben. Vorausgesetzt natürlich, dass ausreichend Biomasse zur Verfügung steht. „Biogas wird viel zu oft vergessen, wenn es darum geht, nachhaltig Energie zu gewinnen und Klimaschutzziele zu erreichen. Dabei kann Biomasse in Zukunft einen wertvollen Beitrag zum Ausgleich der volatilen Energien leisten“, unterstreicht der Geschäftsführer.

Die Energiegewinnung aus Wildpflanzen bietet hier durchaus eine Chance. Da sie allerdings noch in der Erprobung ist, gibt es auch bundesweit noch keine belastbaren Zahlen und Statistiken, wie der Fachverband Biogas bestätigte. Die Beteiligten von KLAr Melle gehen derzeit davon aus, in guten Jahren mit den Wildpflanzen bis zu 80 Prozent der Erträge von Mais erzielen zu können. Das läge dann in einem Bereich, etwas unterhalb der durchwachsenen Silphie, eine besonders für die Biogasproduktion geeigneten Dauerkultur, die BioConstruct seit einigen Jahren bereits auf dem Betriebsgelänge anbaut und erprobt.

Aktiver Beitrag zum Umweltschutz

Für BioConstruct steht fest, dass Wildpflanzen als aktiver Beitrag zum praktischen Umweltschutz gleich mehrere Vorteile verbinden: Auf der einen Seite verhinderten sie Monokulturen, böten Lebensraum für Kleintiere und verbesserten die Nahrungssituation für eine Vielzahl von Insekten, inklusive Wildbienen und Schmetterlingen. Auf der anderen Seite kann einmal gesät, einzig mit Biogasgülle gedüngt und ohne mechanische Bodenbearbeitung bis zu sechs Jahre geerntet werden. Nach der Ernte verholzen die auch in trockenen Sommern ertragsstabilen Pflanzen im Winter und wachsen im nächsten Frühjahr wieder neu. Nicht zu vergessen, dass die bis Mitte August blühenden Wildpflanzen das Landschaftsbild positiv gestalten und im Winter Schutz für Rehwild bieten.

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Artikel geschrieben von

Hinrich Neumann

Redakteur Energie

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