Atomenergie

Kernkraft: Heute schon teurer als erneuerbare Energien

Obwohl einige Länder neue Atomreaktoren bauen, dürften sie künftig kaum konkurrenzfähig sein, zeigt eine neue Studie. Aber ausgerechnet die schwedische Klimaktivistin Greta Thunberg hat darüber eine neue Diskussion entfacht.

Während Deutschland konsequent aus der Kernenergie aussteigt, bauen andere Länder die Atomkraft weiter aus: 55 Reaktoren werden weltweit neu errichtet, teilt die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina mit. Derzeit produzieren die USA und Frankreich zusammen fast die Hälfte des globalen Atomstroms, Frankreich allein die Hälfte des europäischen Auch in Zukunft wird Atomstrom fester Bestandteil der französischen Energieversorgung bleiben. In China wächst die Stromerzeugung aus Kernenergie weltweit am stärksten – die Regierung baut elf neue Reaktoren. Russland baut die Kernkraft ebenfalls aus und Japan hat nach der Katastrophe von Fukushima mittlerweile neun Reaktoren wieder in Betrieb genommen.

Greta Thunberg löst neue Debatte aus

Welche Rolle spielt die Kernenergie für die künftige Weltstromerzeugung – und fürs Klima? Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg hat mit ihrer Aussage zur Atomenergie die Debatte zur Rolle der Kernkraft neu entflammt. Darin beruft sie sich auf den Weltklimarat IPCC und erklärt, dem wissenschaftlichen Gremium zufolge könne Kernenergie einen kleinen Beitrag zu einer kohlenstoffarmen Energieversorgung leisten. Unbestritten ist: Strom aus Kernkraftwerken ist sehr CO2-arm. Doch welche Risiken stehen dem gegenüber, und sind Bau und Betrieb von Reaktoren überhaupt noch wirtschaftlich? Mit dem neuen Publikationsformat „Kurz erklärt!“ will das Akademienprojekt „Energiesysteme der Zukunft“ (ESYS) klare Antworten geben.

In einigen Ländern bereits teurer als erneuerbare Energien

Die Wissenschaftler stellen fest: Die Antwort auf die Frage, ob Strom günstiger aus Kernkraftwerken oder aus erneuerbaren Energien produziert werden kann, unterscheidet sich von Land zu Land – je nach Marktdesign, politischen Steuerungsinstrumenten und dem Anteil der Erneuerbaren im System. Ein Beispiel: Während in Deutschland Strom aus Erneuerbaren etwa genauso viel kostet wie Strom aus Kernenergie, ist Atomstrom in den USA teurer als grüner Strom, in Südkorea jedoch günstiger.

Eindeutig belegbar sei hingegen laut Leopoldina, dass Konzerne Atomkraftwerke in liberalisierten Strommärkten nur noch dann bauen, wenn Staaten die Abnahme des Stroms garantieren, wie es gegenwärtig zum Beispiel in Großbritannien geschieht. „Aufgrund gestiegener Sicherheitsanforderungen ist es teurer geworden, in Kernkraft zu investieren. Ihr Einsatz lohnt sich nur, wenn die Kraftwerke im Dauerbetrieb laufen. Das ist bei dem gleichzeitigen Ausbau der erneuerbaren Energien aber kaum möglich“, fasst ESYS-Sprecher Dirk Uwe Sauer (Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen) die wirtschaftlichen Nachteile zusammen. Lange Planungs-, Bau- und Betriebszeiten erhöhten zudem das Risiko, dass alternative Stromerzeugungstechniken während dieser Zeit günstiger werden. All dies führt dazu, dass Atomreaktoren in liberalisierten Strommärkten heute kaum noch konkurrenzfähig sind.

Investitionskosten der Erneuerbaren fallen

Hingegen sind die Investitionskosten für erneuerbare Energien zuletzt stetig gesunken, und neben Unternehmen können auch Genossenschaften oder Privatpersonen in Windräder und Solaranlagen investieren. Die variablen Kosten für bestehende Kernkraftwerke sind jedoch relativ gering, weshalb in vielen Ländern Laufzeitverlängerungen der Bestandskraftwerke geplant sind.

Obwohl Strom aus Kernkraftwerken sehr CO2-arm ist, integrieren nur wenige Staaten Kernenergie in ihre Selbstverpflichtungen zum Klimaschutz. Stattdessen will die überwiegende Mehrheit der Länder ihre Klimaziele mit dem Ausbau erneuerbarer Energien erreichen.

Atomülllagerung weiterhin ungeklärtes Risiko

Die ESYS-Fachleute erwarten, dass die Menge des Atomstroms in Zukunft leicht steigen wird. Da insgesamt immer mehr Strom produziert wird, nimmt der Anteil der Kernenergie an der Weltstromerzeugung jedoch ab. Er ist von 17,5 Prozent im Jahr 1996 auf 10,2 Prozent im Jahr 2018 gesunken. Eine große Herausforderung liegt aber noch vor uns: „Der Umgang mit dem Atommüll ist weiterhin ungeklärt. Die Expertise für Rückbau und Endlagerung muss sowohl in Forschung und Lehre als auch in der Industrie erhalten bleiben und teilweise neu aufgebaut werden“, erklärt Dirk Uwe Sauer.

Die Publikation „Kurz erklärt! Welche Bedeutung hat die Kernenergie für die künftige Weltstromerzeugung?“ ist abrufbar unter www.energiesysteme-zukunft.de/publikationen.

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Artikel geschrieben von

Hinrich Neumann

Redakteur Energie

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Diskussionen zum Artikel

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von Heinrich-Bernhard Muenzebrock

Zusammenfassung

Was kommt bei all den Technologien und den politischen Aktivitäten heraus?: Der Strom wird teurer!!!. 2030 werden wir Strompreise zwischen 50 - 70 Cent je Kilowattstunde bezahlen müssen. In Deutschland wird die Preiserhöhung wesentlich heftiger ausfallen als in vielen anderen EU - Ländern. Wir müssen 2030 mindestens 50 % unsere Strombedarfs zukaufen. Warum? - auf der einen Seite versteift sich unsere Politik zunehmend auf die E-Mobilität und verliert dabei den stark zunehmenden Strombedarf aus den Augen. Auf der anderen Seite wird z.B. die Infrastruktur wie der Ausbau der Stromtrassen von den wichtigen Offshore-Windkraftanlagen in der Nordsee zu den Verbrauchern vernachlässigt. Diese Anlagen laufen teilweise schon seit Jahren ohne Anschluss an ein Stromnetz. Ich bin der Meinung, dass Deutschland ohne Atomstrom oder Strom aus Gaskraftwerken gegen die Wand fährt. Irgendwann wird man aufwachen und feststellen, dass einiges schiefgelaufen ist!!.

von Jens Geveke

Ja, ich arbeite schon seit 1998 im Bereich Biogas, zunächst Bankmitarbeiter im Agrarbereich, seit 2004 mit der eigenen Biogasanlage. Vor der Kernenergie habe ich einfach nur Angst, weil im Zweifel nicht beherrschbar ist. Wenn sich irgendwo Blutkrebs-Fälle häufen oder etwas im Unglücksfall nicht zu beherrschen ist, dann lasse lieber die Finger davon und suche Alternativen. Denn ein Menschenleben ist nicht zu bezahlen oder eine Erkrankung im Zweifel "in Kauf" zu nehmen.

von Christian Bothe

Energiemix

@Geveke und Gerner, meine Herren, wir haben ja heute einen ziemlichen Disput zur Kernenergie.Gehen Sie aber davon aus, das ich diese nicht favorisiere aber sie nach wie vor im Energiemix der Zukunft sehe. Was erneuerbare Energien betrifft, habe ich bereits 2001! ! 2000m2 Solarmodule auf einer Lagerhalle montieren lassen (207 kwp). Ob Sie da schon an renewable Energie gedacht haben, meine Herren?

von Jens Geveke

Wieso Mythen der Atomkraft?

Herr Bothe, nennen Sie mir ein Atomkraftwerk oder ein Land auf der Welt, dass die Endlagerung gelöst hat. Ein Atomkraftwerk, wo die Bewohner um das Atomkraftwerk herum glücklich und zufrieden und keinerlei Angst vor der Technik haben. Ein Atomkraftwerk mit einer Haftpflichtversicherung gegenüebr Dritten. Und respektieren Sie doch einfach die demokratisch in Deutschland getroffene Entscheidung, aus der Atomenergie aussteigen zu wollen, weil man eben nicht das Risiko für Gesundheit und Kosten tragen möchte. Ich glaube auch nicht, dass ein Volksentscheid anders ausgehen würde. In Österreich hat man das gemacht und beschlossen, dass einzig gebaute Atomkraftwerk gar nicht erst anzuschalten. Das kann heute besichtigt werden. Und die Österreicher sind nicht unglücklich über die Entscheidung. Und nur weil noch Atomreaktoren noch irgendwo auf der Welt gebaut werden, heisst dass noch lange nicht, dass die Entscheidung richtig ist. Irgendwo auf der Welt wird es in den nächsten Jahren wieder ein menschliches Versagen, ein Unglück oder einfach Bruch durch Materialermüdung bei Meilern aus den 60er Jahren kommen. Und dann ist der Aufschrei wieder groß und die Stromkonzerne gehen wieder für ein paar Jahre in Deckung... aufräumen muss dann wieder der Steuerzahler.

von Paul Siewecke

@ Bothe

im Artikel ist nur die Rede davon, das Japan 9 Reaktoren WIEDER in Betrieb genommen hat. Das heißt: 9 vorhandene, sicherheitshalber abgeschaltete Reaktoren wurden nach gründlicher Prüfung wieder hochgefahren! Einige andere Reaktoren werden wohl für immer aus bleiben...

von Christian Bothe

H.Gernet

@Gerner,ach H.Gerner Sie und Ihre Mythen, immer dieselbe Leier und ziemlich arrogant Ihre heilsbringenden Äußerungen ohne Sachlichkeit...

von Andreas Gerner

@ Bothe

Wieder die alte Leier. "Atomstrom immer verfügbar", "Atomstrom günstig", "Atomstrom" CO² neutral", "Atomstrom sicher". Alles Mythos. Alles längst widerlegt. Zum Beispiel Kosten: dem im Bau befindlichen britischen Reaktor mussten auf Jahrzehnte 16ct/Kwh GRUNDPREIS garantiert und die Kosten für die Endlagerung abgenommen werden, damit dieser rentabel laufen kann. Sündhaft teuer! In der Gesamtbetrachtung ist Atomstrom zudem der mit dem geringsten Wirkungsgrad. Abwärme kann wegen der Strahlungsrisiken nicht genutzt werden. Der Verdampfungsprozess vertilgt unproduktiv Unmengen von Energie(Nicht umsonst fahren auf Gleis und Straßen keine Dampfmaschinen mehr). Nach 3 Jahren Nutzung eines Brennstabs muss dieser erst energieaufwändig gekühlt und dann ganze 100.000 Jahre sicher eingeschlossen und beaufsichtigt werden, vielleicht zig mal neu zurückgeholt und neu verpackt? Für den Uranabbau müssen heute (leicht erreichbare Vorkommen erschöpft) Unmengen Erde bewegt werden und dafür massiv Diesel aufgewendet werden. Die CO² Bilanz und der Wirkungsgrad von Atomstrom im Ganzen ist geradezu lächerlich schlecht. Als man in den 60ern noch glaubte, die Physik irgendwann (mit schnellen Brütern)verarschen zu können, war es ja noch irgendwie verständlich, auf Atomkraft zu setzen. Zumal es damals kaum taugliche Technologien für Erneuerbare Energien gab. Bis heute hat sich das Wissen auf der Welt gewaltig weiterentwickelt. Außer bei Herrn Bothe.

von Christian Bothe

Info

@Woertel,zum Verständnis...abgebaut oder gefördert... wurde

von Gerd Woertel

Toll

Atommüll sollte in der Umgebung der Kraftwerke Endgelagert werden ! Mal sehen wer dann dort noch für Atomstrom ist

von Christian Bothe

England...

@Geveke, Sie sollten nicht nur immer nach England schauen. Der erste Teil des Statements zeigt uns wo weltweit in neue Meiler investiert wird u.a. auch in Japan (man höre und staune...). Das wird wohl einen volkswirtschaftlichen Grund haben, um Stabilität in die Netze zu bekommen und die Versorgungssicherheit nicht zu gefährden. Die BRD mit der angesagten Energiewende wird wohl noch ein Energieproblem bekommen und muß dann Atomstrom aus Frankreich importieren...Ein Energiemix ist für mich wie schon mehrfach betont, die Lösung!

von Jens Geveke

...einfach mal Hinkley Point C googeln. Neues Atomkraftwerk in England, bekommt einen garantierten Preis je kwh von 10,7 ct für 35 Jahre inkl. Inflationsausgleich und muss nicht für die Entsorgungskosten des Atommülls aufkommen. Darüber hinaus gibt es eine Betriebsgarantie, falls eine Mehrheit in England Atomkraft nicht mehr möchte. So wie es aussieht, wird das Ding ein Milliardengrab, weil die Baukosten gerade explodieren. Es gab ein Parallelprojekt, wo man vorgeschlagen hat, mit dem Investitionsgeld Windernergie, Solaranlagen zzgl. Biogasanlagen zu bauen um die selbe Strommenge kostant liefern zu können und für günstigere Preise ohne Umweltrisiko. Die Regierung in England hat sich für die Atomkraft entschieden. War das schlau ??

von Christian Bothe

Kernenergie

Bill Gates: „Kernkraft ist ideal für den Umgang mit dem Klimawandel, denn es ist die einzige kohlenstofffreie, skalierbare Energiequelle, die 24 Stunden am Tag verfügbar ist.“ Das ist eine realistische Darstellung und absolut ohne CO2 Ausstoß!Das mit den o.g. Kosten bezweifle ich und ist sicher nicht energiepolitisch neutral berechnet. Erstaunlicherweise hat sich die „Schulschwänzerin“dazu geäußert...Vielleicht haben Sie in Physik gerade das Thema am Freitag behandelt und sie war mal dort...Was die Entsorgung von AKW‘s betrifft, wird man auch eine Lösung finden müssen.Warum nicht die Abfälle dort lagern wo Uran gefördert wurde. Windmühlenflügel müssen auch ab 2020 entsorgt werden und keiner weiß wie. Ich bin nach wie vor überzeugt ,das ein Energiemix aus konventioneller und erneuerbarer Produktion bezahlbar für alle und CO2 mindernd der richtigere Weg ist. Nur das garantiert die Versorgungssicherheit.

von Erwin Schmidbauer

Kostenstrukturen

Diese Kostenrechnungen haben auch immer einen gewissermaßen willkürlichen Aspekt. Wie bewertet man Kosten, für die es keinen Marktpreis gibt oder dessen Marktpreis vermutlich zu gering oder gar zu hoch ist? Und in die Zukunft der Kosten kann man noch weniger sehen.

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