Phosphorrückgewinnung

Phosphor aus Klärschlamm

Das ZSW Baden-Württemberg entwickelt ein Verfahren, um Phosphor während der Verbrennung des Klärschlammes zurückzugewinnen. Die ersten Ergebnisse sind positiv.

Phosphor ist ein wichtiger Bestandteil von Düngemitteln, wird aber auch in Waschmitteln oder Lebensmittelzusatzstoffen eingesetzt. Gewonnen wird er aus Phosphatgestein, dessen Vorkommen begrenzt sind. Der Rohstoff lässt sich jedoch aus Klärschlamm zurückgewinnen. Das Problem: Die bisherigen Recyclingverfahren sind umständlich und teuer. Das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) will dies nun in einem dreijährigen Forschungsprojekt ändern: Die Forscher entwickeln derzeit ein Verfahren, das Phosphor bereits während der Verbrennung des Klärschlammes zurückgewinnt. Eine Testanlage ist seit Frühjahr 2019 in Betrieb.

Der Druck auf Forschung und Industrie ist hoch, das Phosphorrecycling voranzutreiben. Wenn Kommunen die Einwohnerzahl von 100.000 überschreiten, müssen Kläranlagenbetreiber ab 2029 einen Teil des Phosphors aus Klärschlämmen in den Stoffkreislauf zurückführen. Das verlangt die im Oktober 2017 verschärfte Klärschlammverordnung. Bis in wenigen Jahren müssen daher Verfahren und Produkte zur Marktreife weiterentwickelt werden.

Rückgewinnung schon bei der Verbrennung

In der Anlage am ZSW soll der Phosphor mithilfe eines kalziumhaltigen Materials bereits im Verbrennungsschritt als Kalziumphosphat gebunden werden. Der reaktive Kalkstein hat sich sowohl im Labor als auch im technischen Maßstab als ausreichend abriebfest erwiesen und stellt somit ein wirtschaftliches, ungiftiges und lokal verfügbares Betriebsmittel dar. Mechanische Stöße der Partikel untereinander und mit der Reaktorwand erzeugen im Verbrennungsprozess einen phosphathaltigen Feinabrieb. Dieser wird in einer Heißgasreinigung, etwa mittels Kerzenfilter, aus dem Rauchgasstrom abgetrennt. Da Schadstoffe bei den dort herrschenden Temperaturen gasförmig sind, können die Wissenschaftler einen nahezu schadstofffreien, phosphatangereicherten Wertstoffstrom gewinnen. Der Phosphor kann so in den Stoffkreislauf zurückgelangen.

Die bisherigen Versuche in der ZSW-Laborwirbelschichtanlage verliefen positiv, ein kontinuierlicher Betrieb der Testanlage war erfolgreich. Die Wissenschaftler setzen nun an verschiedenen Stellschrauben an: sie optimieren einzelne Parameter des Wirbelschichtprozesses und variieren das zugegebene Hilfsmittel. Ziel der ZSW-Forscher ist es, ein phosphorreiches Ascheprodukt zu erzeugen, das sich in seiner Eigenschaft optimal für die anschließende Nutzung eignet.

Die Redaktion empfiehlt

Das UBA fordert ein vollständiges Verbot der Verwendung von unbehandeltem Klärschlamm als Düngemittel, die technische Aufrüstung von Abwasserbehandlungsanlagen in größeren Städten und eine umfassende ...

Energie / News

Phosphor aus Klärschlamm

vor von Hinrich Neumann

In einem Pilotprojekt der Hamburger Vera Klärschlammverbrennung GmbH sollen jedes Jahr ungefähr 1600 Tonnen Phosphor aus Klärschlammasche zurückgewonnen werden.

Die Fachtagung "Biogas aus Stroh" in Heiden beleuchtet am 30.8.2018 erstmals das Thema "Perspektiven des MAP-Verfahrens zur Nährstoffabtrennung aus Gülle". 

Umzingelt von Öko: Konventionelle Bauern leiden unter Käferinvasion

Meldung verpasst? Wir verhindern, dass Sie nicht mitreden können. Tragen Sie sich jetzt für unseren Newsletter ein und wir benachrichtigen Sie über alle wichtigen Ereignisse rund um die Landwirtschaft.

Artikel geschrieben von

Hinrich Neumann

Redakteur Energie

Schreiben Sie Hinrich Neumann eine Nachricht


Diskussionen zum Artikel

Kommentar schreiben

von Bernd Müller

Richtig Herr Grimm

aber die Kommunen sollen schön auf dem Klärschlamm sitzen bleiben. Es gibt in der Landwirtschaft genug Nährstoffe, die wir erstmal nutzen sollten und danach können wir auf andere Nährstoffe zurückgreifen. Es wird immer das Image der Wirtschaftsdünger ins schlechte Licht gesetzt aber die Hinterlassenschaften der Menschen sollen wir abnehmen...

von Wilhelm Grimm

Nu man nicht so pingelig, Herr Rößle.

Hier handelt es sich um eine ganz wichtige Entwicklungsarbeit, die uns bei Gelingen sehr große Sorgen abnehmen wird.

von Rudolf Rößle

Rückstände

in der Asche sind sicher auch noch schädliche Spurenelemente enthalten. Lieber mal nicht auf das Feld streuen.

Diskutieren Sie mit

Tragen Sie mit Ihrem Beitrag zur Meinungsbildung zu diesem Artikel bei.

Sie müssen sich einloggen um Kommentare zu bewerten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen