Ich hab jetzt schon mehrere Verbraucher kennengelernt, die nur "gentechnikfreie" Milch kaufen. Zudem hört man immer mal wieder davon, dass der eine oder andere Industrieabnehmer irgendwann nur noch gentechnikfreie Rohware von uns Bauern abnehmen will. Zufällig habe ich letztens dann auch noch gelesen, dass Arla ab 2015 "nachhaltig produziertes Soja" für seine Mitgliedsbetriebe zur Pflicht machen will, um einem Imageschaden vorzubeugen. (top agrar hat dadrüber gar nicht berichtet!!!) Außerdem hat foodwatch eine Kampagne gehabt, in der sie Mc Donald's angreifen, "Gentechnik-Burger" zu verkaufen.
Mag das Thema noch so umstritten sein, und der Wunsch des Kunden vielleicht irrational erscheinen, was ist am Konsumverhalten festzustellen?!?!
Erreichen gentechnikfreie Joguhrts eine höhere Wertschöpfung?! Setzen die Meiereinen mehr Trinkmilch ab, wenn sie sich auf gentechnikfreie Milch einschiessen?! Gibt es überhaupt Schlachtereien, die gentechnikfreie Rindermast honorieren, bzw. damit werben?! Oder wird der unbewusst einkaufende Verbraucher dem bewusst einkaufenden auf lange Sicht allein durch seine Übermacht die Marktnische "gentechnikfrei" kaputt machen?!
(Eigentlich auch interessant, so hab ich das noch gar nicht gesehen, aber eigentlich besitzt der unbewusst einkaufende Verbraucher eine Über-Macht, über die er sich selbst nicht einmal im Klaren ist! Wurde zum Thema unbewusste Macht schon mal ein Nobelpreis verliehen?! Ansonsten nehme ich den gerne!!!) ;-)
Geändert von udo_lohmaier (28.05.2012 um 09:07 Uhr) Grund: Schreibfehler!
Soja ist ja nur ein "Reststoff" aus der Sojaölproduktion. Wenn die europäischen Bauern darauf verzichten, wirds nicht in den Herkunftsländern zur Endlagerung zu Bergen aufgetürmt. Es wird nur für alle Anderen billiger, die dann (vielleicht etwas übertrieben) mit dem Endprodukt die bisherigen Märkte der europäischen Bauern bedienen.
Stimmt, Udo, es gibt immer mehr Verbraucher, die gerne gentechnikfreie Produkte kaufen möchten.
Übrigens nicht nur hier, sondern z.B. auch in den USA. Dort gab es kürzlich einige große Demos vor Supermärkten, wo bei es um die Kennzeichnung ging. Was bedeutet, dass diese Verbraucher die Wahlfreiheit haben möchten, ob sie nun gentechnisch veränderte Produkte kaufen möchten, oder nicht.
Ich denke, es wäre nicht sehr klug und kundenorientiert, wenn unsere Verarbeiter den Wunsch nach Gentechnikfreiheit nicht bedienen würden. Ich denke auch, dass bewußt einkaufende Kunden gerne etwas mehr dafür bezahlen und die Wertschöpfung auf jeden Fall höher ist, als bei Billig - No Name Produkten, die nur über den Preis verramscht werden können. Fragt sich allerdings auch hier, wieviel dieser höheren Wertschöpfung auch bis nach unten zum Erzeuger durchgereicht wird.
Auch werden sich die Sojaproduzenten umstellen, wenn mehr gentechnikfreie Futtermittel verlangt werden, denn die wollen den EU-Markt garantiert nicht preisgeben. Denn es ist so ziemlich der einzig preislich lohnenswerte Markt außer den USA, und diese produzieren selbst genügend für den eigenen Bedarf.
Und bei den Problemen, die mit der gentechnisch veränderten Sojaproduktion nach einiger Zeit auftreten, kann ich mir gut vorstellen, dass gerne umgestellt werden würde.
Wobei ich denke, dass wir viel zu abhängig sind von Saatgut aus Übersee und uns vermehrt eigene Eiweißstrategien überlegen sollten.
Dass der "Geiz ist Geil" Käufer diese Marktnische kaputtmachen kann, glaube ich nicht. Ich denke eher, dass langsam ein Umdenken einsetzt hin zu mehr Qualität, Regionalität etc. Wobei es die Schnäppchenjäger natürlich immer geben wird.
Je breiter das Angebot, desto niedriger dürften die Mehrerlöse ausfallen.
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