Klöckner sieht Durchbruch für Ende des Kükentötens

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner will den Ausstieg aus dem Kükentöten in Deutschland innerhalb der nächsten zwei Jahre schaffen. Die Praxisreife eines Verfahrens zur Geschlechtsbestimmung im Ei feiert sie als Durchbruch. Rewe und Penny wollen mit den so erzeugten Eiern ab sofort auf den Markt kommen.

Dr. Ludger Breloh von Seleggt, Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner und Jan Kunath von der Rewe stellten in Berlin das Stichverfahren als praxisreif vor. (Bildquelle: Awater-Esper)

„Wir sind auf dem Weg zum Beenden des Kükentötens“, sagte Klöckner am Donnerstag vor der Presse in Berlin. Festlegen ob ein Verbot des Kükentötens in Deutschland schon im Herbst 2019 greifen soll, wollte Klöckner sich nicht. Sie freue sich über den technologischen Fortschritt, der die Umsetzung des Vorhabens aus dem Koalitionsvertrag näher bringe, sagte sie. Dort hatten Union und SPD im Februar 2018 niedergeschrieben, das Töten von Eintagsküken bis zur Mitte der Legislaturperiode zu beenden.

Geschlechtsbestimmung ab dem 9. Tag

Klöckner stellte vor der Presse gemeinsam mit Dr. Ludger Breloh, Seleggt-Geschäftsführer, und Jan Kunath, dem stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der Rewe-Group, ein Stichverfahren zur Geschlechtsbestimmung im Ei als marktreif vor. Damit ist es möglich, das Geschlecht des Kükens im Brutei am 9. Tag in der Brüterei zu bestimmen, so dass das Ausbrüten und Töten der männlichen Küken unterbleiben kann. Dafür wird mit einem Laser ein Loch in die Schale gebrannt und anschließend mit Luftdruck ein Tropfen Flüssigkeit entnommen, anhand dem das Geschlecht des Kükens analysiert wird.

Rewe zunächst Premium Partner

Das Verfahren sei marktreif aber noch nicht serienreif, räumte Klöckner ein. Das Unternehmen Seleggt führt das Verfahren in einer eigenen Brüterei in den Niederlanden bereits aus und hat einen exklusiven Liefervertrag mit der Rewe-Group, die ein Joint Venture mit dem Unternehmen unterhält. In Berlin sollen in 223 Märkten von Rewe und Penny ab sofort die ersten Konsumeier, die mit dem Verfahren sortiert wurden, zu kaufen sein. Die Rewe-Group plant für das kommende Jahr, die so genannten „respeggt-Freiland-Eier“ auch in allen anderen Rewe- und Penny-Märkten in Deutschland einzuführen, kündigte Kunath an. Die Rewe-Group will die so erzeugten Eier mit einem Aufpreis von 1 Cent/Ei im Markt verkaufen.

Dienstleistung für Brütereien geplant

Ab 2020 will Seleggt das Verfahren auch als Dienstleistung für andere Brütereien anbieten. „Wir wollen die Technik nicht an andere Brütereien verkaufen, weil sie sich noch so schnell ändert“, sagte Breloh. Mit dem Geschäftsmodell einer Dienstleistung könne die Technik sukzessive in allen mitmachenden Brütereien eingeführt werden. Dabei sollen, so Brelohs Plan, keine Kosten für die Technik auf die Brütereien zukommen, sondern die Dienstleistung über eine Lizenzgebühr auf den Verkauf des Konsumeis im Handel bezahlt werden. Breloh spricht dabei von 1 bis 2 Cent/Ei.

Wettlauf der Verfahren um Serienreife

Das BMEL hat mit 5 Mio. € die Entwicklung von Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Brut-Ei gefördert. Dabei hat es neben dem Stichverfahren auch eines, welches das Geschlecht bestimmt, in es das Ei mit Licht (Spektroskopie) durchleuchtet, finanziell unterstützt. Klöckners Amtsvorgänger Christian Schmidt hatte einen solchen Automat zur Grünen Woche 2017 als Vorreiter vorgestellt. Das optische Verfahren bestimmt bereits ab dem 4. Tag das Geschlecht im Ei.

Geflügelindustrie ist skeptisch

Die Geflügelindustrie betrachtet die Vorstellung des Stichverfahrens von Klöckner, Seleggt und Rewe mit Skepsis. Der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) bezweifelte zu Beginn der Woche, dass die Seleggt-Technik flächendeckend für den bundesweiten Einsatz möglich sei. Die Vorstellung suggeriere, dass der sofortigen Ausstieg aus dem Töten männlicher Eintagsküken machbar sei, warnte ZDG-Präsident Friedrich-Otto Ripke. Die Geflügelindustrie hatte sich schon mehrfach skeptisch gegenüber dem Vorstoß von Rewe mit einem eigenen Verfahren geäußert. Sie hatte bisher das von Schmidt propagierte Spektroskopie Verfahren favorisiert, welches von der EW Group, der Agrarholding von Erich Wesjohann, mitentwickelt wird.

Artikel geschrieben von

Stefanie Awater-Esper

Korrespondentin Berlin

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