EsRAM-Forschungsverbund

Mastgeflügel: Neue Erkenntnisse zu Antibiotikaresistenzen

Der EsRAM-Forschungsverbund hat diese Woche seine Ergebnisse zur Antibiotikaresistenzen-Forschung bei Mastgeflügel vorgestellt.

Wie kann es gelingen, das Auftreten antibiotikaresistenter Erreger in der gesamten Erzeugungskette von Hähnchenfleisch bestmöglich zu reduzieren? Dieser Kernfrage hat sich der EsRAM-Forschungsverbund (Entwicklung stufenübergreifender Reduktionsmaßnahmen für Antibiotikaresistente Erreger beim Mastgeflügel) unter wissenschaftlicher Leitung der Freien Universität Berlin und mit dem Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft e.V. (ZDG) als Hauptwirtschaftspartner in den vergangenen drei Jahren angenommen. Beim Abschluss-Symposium in Berlin haben die Wissenschaftler jetzt vor rund 150 Gästen ihre Ergebnisse vorgestellt und Handlungsoptionen für die Zukunft diskutiert.Folgende Ergebnisse sind vorgestellt worden:

Competitive Exclusion“-Kulturen: Antibiotikaresistenten Keime vermindern

Besonders vielversprechende Erkenntnisse habe EsRAM vor allem im prophylaktischen Einsatz sogenannter „Competitive Exclusion“-Kulturen (CE) an Küken hervorgebracht. Die Forscher haben gezeigt, dass mit diesem Verfahren die Besiedlung des Darms mit antibiotikaresistenten Keimen entscheidend vermindert werden kann und eine stabile Tiergesundheit durch signifikant verbesserte Abwehrkräfte im Darm gesichert ist. Das Problem aber: Die Rechtsgrundlage in Deutschland lässt den Einsatz von CE-Kulturen aktuell nicht zu.

Besatzdichte, Rasse und Mastdauer spielen untergeordnete Rolle

Die Forscher haben zudem festgestellt, dass bei sachgerechter Lagerung, Kompostierung oder Fermentierung des Geflügelmistes keine nennenswerten Mengen resistenter Keime verbreitet werden. Und, auch dies ein unerwartetes Ergebnis: Faktoren wie Besatzdichte oder Rasse und Mastdauer spielen für die Kolonisierung der Hähnchen mit MRSA und ESBL-bildenden E. coli nur eine untergeordnete Rolle. Weitere EsRAM-Teilprojekte befassten sich unter anderem mit der Brutei-Desinfektion, dem Einsatz von Probiotika sowie weiteren Maßnahmen auf Ebene von Mast, Schlachtung und Verarbeitung.

Die Ansätze der Forschungen diskutierten EsRAM-Leiter Prof. Rösler und ZDG-Präsident Ripke bei der abschließenden Podiumsdiskussion mit Gitta Connemann MdB, der stellvertretenden Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, und Prof. Dr. Karsten Nöckler vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). „EsRAM zu initiieren, war schon eine Heldentat“, lobte Gitta Connemann ausdrücklich das Engagement der Geflügelwirtschaft und den ganzheitlichen Forschungsansatz. „Beispielhaft, außergewöhnlich und bislang einmalig in Deutschland“ sei der bewusst auf die gesamte Erzeugungskette gerichtete Blick des Forschungsprojektes, „eine exzellente Investition, um den Blick der Politik zu schärfen“, die beim Thema Antibiotikaeinsatz und -resistenzen bislang nahezu ausschließlich einen quantitativen Ansatz verfolge. „Wo müssen wir Türen öffnen?“, fragte Connemann auch selbstkritisch in Richtung Politik – befürchtete aber zugleich, dass die Zulassung der CE-Kulturen „ein dickes Brett“ sein werde. Für das BfR betont auch Prof. Dr. Karsten Nöckler die Notwendigkeit, hier gesamtgesellschaftlich zu Lösungen zu kommen: „Mit EsRAM haben wir Alternativen entwickelt, um Resistenzen signifikant zu reduzieren“, betonte er. „Jetzt müssen wir gemeinsam daran arbeiten, um die Frage der Zulassung erfolgreich zu klären.“

Aktionsplan bis Ende des Jahres

Für die deutsche Geflügelwirtschaft kündigte ZDG-Präsident Ripke an, zur konkreten Umsetzung der EsRAM-Erkenntnisse in die Praxis eine ZDG-Fachgruppe zur Erarbeitung eines Aktionsplans einzurichten: „Wir sind dankbar für die wichtigen Ergebnisse, die EsRAM hervorgebracht hat, und tun alles uns Mögliche, um diesen Erkenntnisgewinn in die Praxis umzusetzen. Bis Ende dieses Jahres werden wir praktikable Lösungen erarbeitet haben.“

Ein Kurzfilm zu den Inhalten des EsRAM-Verbundforschungsvorhabens und der Abstract-Band zu den Ergebnissen der einzelnen EsRAM-Teilprojekte können Sie hier abrufen.

PV-Anlagenbesitzer wünschen Infos vom Netzbetreiber und Energieversorger

Meldung verpasst? Wir verhindern, dass Sie nicht mitreden können. Tragen Sie sich jetzt für unseren Newsletter ein und wir benachrichtigen Sie über alle wichtigen Ereignisse rund um die Landwirtschaft.

Artikel geschrieben von

Christina Lenfers

Redakteurin top agrar Online

Schreiben Sie Christina Lenfers eine Nachricht


Diskussionen zum Artikel

Kommentar schreiben

von Ahrend Höper

Auftreten antibiotikaresistenter Erreger

Eine Frage an ZDG-Präsident Ripke? Wie kann es sein, dass bei frisch angelieferten Eintagskücken, die frisch dem Karton entnommen, steril verpackt und ans Labor gesendet wurden, man dort x verschiedene antibiotikaresitente Erreger feststellte. Die Erreger können doch nur aus der Elterntierherde und der Brüterei stammen? Vielleicht sollte man dort mal ansetzen?

Diskutieren Sie mit

Tragen Sie mit Ihrem Beitrag zur Meinungsbildung zu diesem Artikel bei.

Sie müssen sich einloggen um Kommentare zu bewerten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen