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 Michael Schmitz, Professor für Agrarpolitik in Gießen
Eine freiwillige Mengenbegrenzung bei Milch bringt nichts. Das verdeutlichte Michael Schmitz, Professor für Agrarpolitik an der Universität Gießen, in einem Interview mit dem WDR. Damit erteilt er der Forderung des Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) eine klare Absage.
"Solche Eingriffe haben schon von staatlicher Seite aus nicht funktioniert. Die 1984 von der EU eingeführte Milchquote gilt heute als gescheitert. Die Politik hat die Bauern in ein Korsett gequetscht, ihnen Quoten zugeteilt. Weltweit hat die EU als einzige Region ihre Milchproduktion gedrosselt, sie hat jahrelang nicht an den wachsenden globalen Märkten teilgehabt. Nun wird die Milchquote jedes Jahr um 1 % erhöht, 2015 abgeschafft. Sie ist allerdings nicht Schuld an dem derzeitigen Milchüberfluss - weder Deutschland noch andere Länder der EU haben die höhere Quote ausgeschöpft", so Schmitz.
Die BDM-Forderung, einen Festpreis von 40 Cent pro Liter Milch durchzusetzen, um kostendeckend produzieren zu können, hält Schmitz für einen "Irrglauben". "Die Produktionskosten sind je nach Betrieb, Standort und Region unterschiedlich, wie will man da den kostendeckenden Preis berechnen? Ein fester Preis von 40 Cent würde womöglich dazu führen,dass die deutschen Molkereien Rohmilch und die Discounter ihre Milchprodukte aus den Nachbarländern importieren", befürchtet Schmitz. Außerdem könnte Deutschland seine wichtigen Exportmärkte verlieren.
Zwar könnten viele Milchbauern ihre Kosten derzeit nicht decken, allerdings zähle für ein Unternehmen ja nicht nur die Bilanz eines einzelnen Geschäftsjahres. Schmitz: "Nach Jahren der Planwirtschaft im Milchquotensystem, sind es die Milchbauern nicht gewohnt, dass Marktpreise nach unten gehen können. In manchen Jahren rutscht der Erlös der Bauern unter die Produktionskosten, dafür legt er in guten Zeiten Geld zurück. Wenn wir über den Milchpreis diskutieren, sprechen wir immer über faire Preise. Aber ein hoher Milchpreis ist unfair für den Verbraucher. Junge Familien mit Kindern, die viel Milch und Joghurt verzehren, freuen sich natürlich über die niedrigen Preise."
Die Maßnahmen aus Berlin und Brüssel zur Stützung des Milchmarktes hält Schmitz für ausgesprochen gut: "Unsere Politiker greifen den Milchbauern in dieser schwierigen Lageunter die Arme. Die Maßnahmen von EU und den Bundesländern sind vorbildlich: zinsverbilligte Liquiditätshilfen; Mittelaus dem Konjunkturprogramm; niedrigere Agrardieselbesteuerung und Umschuldungsprogramme. Mehr kann die Politik derzeit nicht tun. Eine Mengen- und Preissteuerung ist der falsche Weg."
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