"Das Studium ist sehr verschult"
Interview mit Dr. Alexa Bee (Leiterin des Personalwesens) und Dr. Michael Klindtworth (Technisches Marketing), GRIMME, Damme
Warum suchen Sie den direkten Kontakt zu Agrar-Studierenden?
Klindtworth: Uns interessiert besonders, ob und wie sich die
Studierenden durch die Umstellung vom Diplom- auf den
Bachelor-Studiengang verändern. Das lässt sich im direkten Gespräch am
Besten herausfinden.
Haben Sie Veränderungen festgestellt?
Klindtworth: Das Studium ist jetzt sehr „verschult“. Das sehe
ich als Nachteil. Die Studenten müssen mit einem straff
durchorganisierten Ablauf des Studiums und einem hohen Vorlesungsanteil
leben. Dadurch schrumpfen Freiräume.
Was meinen Sie mit Freiräumen?
Klindtworth: Das die Studierenden auch mal über den Tellerrand
schauen. Dafür war beim Diplom-Studiengang mehr Freiraum. Dass die
Absolventen jünger sind, sehe ich durchaus als Vorteil. Aber wichtig
sind Eigenständigkeit, Eigeninitiative und Offenheit, gepaart mit einem
guten fachlichen Hintergrund und Sprachkenntnissen. In einem
verschulten Studium können solche Aspekte auf der Strecke bleiben. Die
FH Osnabrück hat offensichtlich umfangreiche Projektarbeit in das
Studium integriert. Ich halte das für einen sehr guten Ansatz um
Management- und Teamfähigkeiten zu fördert. Außerdem entstehen so schon
früh Kontakte zu Arbeitgebern.
Was erwarten Sie von Bewerbern?
Klindtworth: Vor allem zielgerichtetes Arbeiten und
Eigeninitiative. Das Studium sollte Kenntnisse vermitteln, mit denen
sich die Absolventen schnell in neue Aufgaben einarbeiten können.
Sollten die Bewerber einen Bachelor- oder Master-Abschluss haben?
Alexa Bee: Bei uns gibt es zwei Karrierewege, die grundsätzlich
beiden Abschlüssen offen stehen: Einstieg bzw. berufliche
Weiterentwicklung zur Fachkraft/zum Experten und/oder zur
Führungskraft. Das unternehmensseitige Stellenangebot richtet sich nach
dem Bedarf. Wichtig ist bei uns weniger der Titel als vielmehr die
berufsbezogene Persönlichkeit. Der Bewerber muss gut und
verantwortungsbereit sein, sich engagieren und positionieren wollen und
vor allem auch die Lust und Begabung zur Führung mitbringen. Dann
stehen ihm die Türen in eine Führungsposition offen. Es stellt
sich oft die Frage, will der Bewerber wirklich führen und, im Vergleich
zum Experten, mehr Management- als Fachaufgaben übernehmen? Viele
Ingenieure wollen lieber konstruieren und entwickeln. Sie sind als
Fachkraft glücklich und zufrieden. In meinen Augen sind beide
Karrierewege vollkommen gleichwertig.
Finden Sie noch genügend geeignete Mitarbeiter?
Klindtworth: Wir suchen dringend gute Leute. Das ist auch
ein Grund, warum wir mit Hochschulen näher ins Gespräch kommen wollen.
Wir könnten uns vorstellen, dass die Hochschule einen neuen
Studienzweig aufbaut, bei dem Inhalte der Agrarwissenschaften mit denen
von Maschinenbauern speziell für die Landtechnikindustrie kombiniert
werden. Schließlich sind hier viele namhafte Unternehmen wie Amazone,
Claas, Grimme, Krone, Lemken oder Strautmann direkt vor der Tür. Da
müsste sich doch was draus machen lassen.
Alexa Bee: Der Mangel an Fachkräften kann sich bei zu einer
Wachstumsbremse entwickeln. Wir suchen dringend nach qualifizierten
Fachkräften. Natürlich nutzen wir alle Wege, um an diese Fachkräfte
heranzukommen und das schon möglichst früh.
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