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Milchmarkt: "Bittere Wahrheiten akzeptieren"

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06.11.2008
 

Franz-Josef Budde
Franz-Josef Budde

Müssen jetzt die Milchbauern die Zeche dafür zahlen, dass sie es gewagt haben, den Lebensmittelkonzernen mit einem Milchlieferboykott die Stirn zu bieten? Fast hat es den Eindruck, nachdem die Preisabschlüsse zwischen Molkereien und Lebensmitteleinzelhandel mit einem für Molkereien und Milchbauern katastrophalen Ergebnis geendet sind.
Franz-Josef Budde vom Landwirtschaftlichen Wochenblatt Westfalen-Lippe versteht die Wut der Bauern, fordert jedoch in seinem jüngsten Kommentar auch eine ehrliche, nüchterne und offene Bestandsaufnahme, ohne blinde Kritik am Handel und dem Bauernverband. Seiner Meinung nach geht an den bitteren Wahrheiten kein Weg vorbei:

• Der Lebensmitteleinzelhandel handelt nicht zuallererst verantwortungslos, wenn er bei reichlich versorgten Märkten weniger Geld für Milch und Milchprodukte zahlt. Alle „Beteiligten“ in unserem Wirtschaftssystem handeln so – auch Landwirte zahlen niedrigere Preise, sobald das Angebot reichlich ist. Ferkelerzeuger können davon „ein Lied singen“.

• Der Schlüssel für ein geringeres Angebot und damit für „erzeugergerechte“ Milchpreise liegt nicht in Deutschland, sondern in Brüssel. Solange es eine Milchmengenregelung auf europäischer Ebene gibt, muss dort der Hebel angesetzt werden. Nationale Maßnahmen zur Mengenreduzierung helfen nicht wirklich weiter.
Was ist denn zuletzt passiert? Zumindest in diesem Jahr haben deutsche Milchbauern ihr „Quotenlimit“ bisher eingehalten. Die Nachbarn haben demgegenüber Gas gegeben. Insgesamt ist dadurch der Markt überversorgt worden.

• Überhaupt nicht ins Bild passt, dass die jüngste Milchbörse noch höhere Quotenpreise gebracht hat und inzwischen fast einem „Lotteriespiel“ ähnelt. Absurdes Beispiel aus NRW: Wer 40 Cent geboten hat ging leer aus, wer 43 Cent geboten hat, bekam sie für 32 Cent, weil aus der Landesreserve zugeschossen wird.

• Milchbauern müssen sich auch damit auseinandersetzen, dass für sie keine anderen Gesetze gelten als für Ackerbauern, Schweinebauern oder Bullenmäster. Ackerbauern mussten erleben, dass man eine gut funktionierende Zuckermarktordnung abgeschafft hat. Sauenhalter gehen durch ein „Tal der Tränen“. Und auch Unternehmen der übrigen Wirtschaft sehen nicht gerade rosigen Zeiten entgegen.

Empörend, ja geradezu zynisch ist auch die Behauptung zu werten, die EU-Kommission sorge für eine „sanfte Landung“ aus der Milchquotenregelung, wenn man im Vorfeld zusätzliche Quoten vergibt. Jeder, der die Marktgesetze kennt, weiß: Nach Auslaufen der Quote ist zunächst mit einem härteren Wettbewerb zu rechnen. Wenn man die Milchbauern schon im Vorfeld ruiniert – was hat das mit einer „sanften Landung“ zu tun?
Die Milchbauern schaden sich momentan nur selbst, wenn sie den Streit untereinander weitertreiben. BDM und Bauernverband gehören an einen Tisch, um eine gemeinsame Strategie zum Wohle der Milchbauern auszuarbeiten und diese gemeinsam umzusetzen.

gekürzter Wochenblatt-Kommentar, Ausgabe 45


 Leserkommentare  
 

Angezeigt werden 5 von 6 Kommentar(en)

06.11.2008 22:27

Ansonsten!
Ansonsten glaube ich,wenn ich das hier so lese ,wir sollten überlegen,ob wir im Januar nicht doch wieder zum Lieferstreik aufrufen sollten,alleine schon ,um zu beweisen dass das Streiken doch was bringt! 
MfG
Heinrich Nordenbrock

06.11.2008 22:20

Kein Vergleich
Ich meine auch Milchbauern kann man nicht mit Schweinebauern vergleichen! 
Milchbauern,wenn sie denn zusammenhalten, können mehr erreichen,weil es sich in der Regel bei Milchprodukten um leicht verderbliche Grundnahrungsmittel handelt ,die täglich verfügbar sein müssen! 
Und man kann sie auch nicht auf Dauer wirtschaftlich über mehrere 100 km transportieren! 
Ferner ist Milchviehhaltung auch sehr arbeitsintensiv gegenüber Schweinehaltung! 
MfG
Heinrich Nordenbrock

06.11.2008 12:58

Andere Gesetze für Ackerbauern
Für Getreidebauern gelten sehrwohl andere Gesetze.Sie lassen sich Ihre Arbeitsstunde mit ca. 30 € vom Steuerzahler subventionieren.(300€ Flächenprämie/10Stunden Arbeit pro Hektar)
Nikolaus Adlberger

06.11.2008 10:13

Wir sind keine Schweine-bauern!
Dieser dauernde vergleich von uns Milchbauern mit den Schweinebauern kann ich langsam nicht mehr hören.Der vergleich ist unrealistisch!!Äpfel mit Birnen vergleichen ,das kann jeder!!!Herr Budde. 
Wenn sie einen vergleich mit mehr Anspruch wollen,dann versuchen Sie mal die Milchbauern mit BMW oder Opel uz vergleichen.Die haben jedenfalls keine Angst dass Toyota den Deutschen Markt voll liefert. 
Ausserdem das mit dem "wir müssen uns damit abfinden" das wird auch Ihnen demnächst übel aufstossen. 
Wir Milchbauern sind nicht mehr die selben wie vor ein paar Jahren. Wir werden keine Ruhe geben bis wir unsere Ziele durchgesetzt haben. 
Jeder ,der jetzt und in Zukunft ,von aussen versucht uns Milchbauern zu verarschen,wird es zu spüren bekommen.Dazu haben wir zum Glück mehrere Wege . 
ES wird die ruhigen angenehmen Winterveranstaltungen nicht mehr geben. 
Wir produzieren Milch,keine Ferkel! 
 
gruss oliver
Oliver Koch

06.11.2008 09:02

Wer trägt die Verantwortung?
Sehr geehrter Herr Budde, es ist ehrenhaft, wenn Sie sich für konstruktive Lösungsvorschäge im für uns Milchbauern ruinösen Milchmart einsetzen. 
 
Wenn Sie allerdings behaupten: Der Schlüssel zur Realisierung eines geringeren Milchangebotes am Markt zur Schaffung eines "erzeugergerechten" Milchpreises liege in Brüssel, sollten Sie wissen, dass es gerade die deutschen Milchbauern sind, die durch die zweithöchste Überlieferung aller EU Staaten dazu beitragen, den Milchmarkt sträflichst belasten. Hier liegt der Schlüssel. 
 
Der BDM hat dazu ein schlüssiges Konzept, wie der Milchmarkt schnellstens bereingt werden kann. Bitte informieren Sie sich. 
 
Wenn Sie weiter meinen, die jüngsten Qoutenpreise an der Börse passen nicht ins Bild, dann halte ich dagegen, dass der zweifelsfrei und absolut überhöhte Quotenpreis daraus resultiert, weil gerade die "Überlieferer" in unserem Deutschland kalte Füsse bekamen, wenn die Saldierung sowohl auf Molkereiebene als auch auf Bundesebene möglicherweise doch abgeschafft wird. Die drohende Superabgabe tut eben weh.  
 
Die Abschaffung aller Saldierungsmöglichkeiten wäre ebenfalls ein wirksames Instrument, den Milchmarkt schnellstens ins Gleichgewicht zu bringen.  
 
Der BDM hat hier ein klares Konzept.Hoffentlich wird morgen am 07.11.08 entspechend den BDM Forderungen im Bundesrat so entschieden. 
 
Noch eines, verehrter Herr Budde. Was hilft ein Dialog mit dem DBV? Der BV begrüßt einerseits die Entscheidung der Agrarminister, fordert die Beibehaltung aller Saldierungsmöglichkeiten, also befürwortet alle marktbelastenden Maßnahmen und beschwert sich jetzt lauthals über fallende Milchpreise. Das ist doch kontraproduktiv. 
 
Der DBV trägt alleine die Hauptverantwortung durch sein Verhalten am Verlauf dieses ruinösen Milchpreisverfalls.
Alfred Gmelch

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