Dürre, Schädlinge, Stürme

CDU-Forstminister beraten über Zukunft des deutschen Waldes

Anhaltende Trockenheit, massiver Schädlingsbefall und Unwetter setzen dem Wald zu. Dabei wird er dringend zur Abmilderung des Klimawandels gebraucht. Die CDU-Forstminister wollen einen Plan schmieden

Die Forstminister der CDU wollen gemeinsam mit Bundesagrarministerin Julia Klöckner darüber beraten, wie sie dem deutschen Wald in Zeiten des Klimawandels helfen können. Sachsens Forstminister Thomas Schmidt lud seine Amtskollegen der CDU sowie Ministerin Klöckner daher für den 1. August nach Moritzburg ein. Auch Sachsens CDU-Regierungschef Michael Kretschmer will an dem Treffen teilnehmen. Bei der Zusammenkunft soll eine „Moritzburger Erklärung“ als Masterplan verabschiedet werden.

Die dpa zitiert Schmidt wie folgt: „Die schlechten Nachrichten aus dem Wald reißen nicht ab. Jeden Tag erreichen uns neue Hiobsbotschaften. Deshalb müssen wir dringend handeln.“ Bundesweit hätten Stürme, Dürre und Borkenkäfer schon jetzt mehr als 100.000 ha Wald zerstört. Auch Sachsen erlebe seit den Stürmen im Winter 2017/2018 Schäden in nie da gewesener Größenordnung.

„Wenn wir den Wald noch retten wollen, müssen wir umfangreiche Maßnahmen einleiten, die uns enorme Anstrengungen abverlangen - auch finanziell. Darüber möchte ich mit meinen Amtskollegen sprechen und gemeinsam mit ihnen nach Lösungen suchen“, betonte Schmidt laut dpa.

"Überall sterbende Bäume"

Ulrich Dohle (Bildquelle: BDF)

"Egal auf welchen Berg ich im Harz kletterte, ich sah überall absterbende Bäume." Das sagte Ulrich Dohle, Vorsitzender des Bundes Deutscher Forstleute (BDF), gegenüber dem Spiegel. Das Hauptproblem sei die Trockenheit. In vielen Wäldern hat es seit dem Frühjahr 2018 zu wenig geregnet.

Selbst robuste Buchen würden vielerorts ihr Laub abwerfen und drohten abzusterben. Sowohl alte als auch junge Bäume seien betroffen. Auch naturbelassene Buchenmischwälder wie der Nationalpark Hainich in Thüringen seien gefährdet. "Das zeigt, wie dramatisch die Entwicklung ist und dass der Klimawandel selbst für naturnahe Wälder eine Herausforderung ist", meint Dohle.

Zwar habe es auch in den vergangenen Jahrtausenden immer wieder Klimaschwankungen gegeben. Doch der Mensch beschleunige den Prozess. Die Folge: Den langsam wachsenden Bäumen fehlt die Zeit, um sich anzupassen. "Bis vor einem Jahr hätte ich noch nicht von einem Waldsterben 2.0 gesprochen. Jetzt schon", sagt Dohle. Schon wenige Jahre Trockenheit hintereinander könnten ausreichen, um ganze Gehölze absterben zu lassen.

Ein wichtiger Schritt sei es, verstärkt Laubmischwälder zu pflanzen und Monokulturen mit Nadelbäumen zurückzudrängen. Er kritisiert aber, dass Försterstellen fehlen und auch für die Forschung zu wenig Geld bereitgestellt werde. Es fehle an Grundwissen, wie sich die Klimakrise auf die Wälder auswirken könnte. In einigen Wäldern versuchten Förster, neue resistente Baumarten zu etablieren wie Douglasie oder Roteiche aus Nordamerika. "Doch auch ihnen macht die Trockenheit zu schaffen", sagt Dohle. Er vermutet, dass Bäume aus Südeuropa oder dem Nahen Osten besser geeignet sein könnten, die vor der Eiszeit auch in Nordeuropa heimisch waren.

"Überall wird herumgehakt im Wald"

Das teilen nicht alle Kollegen so: Förster Knut Sturm aus Lübeck sagte Spiegel Online, dass wir keine neuen Baumarten bräuchten. Die bestehenden Wälder mit den über 30 heimischen Baumarten seien sehr wohl in der Lage, sich an verändernde Bedingungen anzupassen, man müsse sie nur lassen. "Wenn ein Wald widerstandsfähig sein soll, müssen die Bestände möglichst geschlossen gehalten werden", sagt der Praktiker. Nur so entstehe das typisch kühl-feuchte Waldklima. Doch in den allermeisten Wäldern werde "herumgehackt", wie er es nennt. Kommt noch Schädlingsbefall hinzu, entstehen weite Freiflächen und der übrige Wald ist viel zu licht, um ein Waldklima zu erzeugen.

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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