Meinung

Der Wald braucht Hilfe

Die Böden sind vielerorts staubtrocken. Das noch vorhandene Wasser reicht nicht, um die Bäume zu versorgen. Kurzfristig hilft tatsächlich nur Regen. Langfristig haben es die Waldbauern in der Hand: Artenreiche Mischbestände sind trockenheitsresistenter als Reinbestände.

Ein Kommentar von Kevin Schlotmann, Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben:

Wer den 1.-Mai-Feiertag für einen Waldspaziergang genutzt hat, konnte sich an satt blühenden Bäumen erfreuen – keine Spur von Wassermangel. Tatsache ist aber: Die Böden sind vielerorts staubtrocken. Das noch vorhandene Wasser wird nicht ausreichen, um die jetzt mit dem Wachstum startenden Bäume zu versorgen.

Bereits in der zurückliegenden Woche hat der Deutsche Wetterdienst eine erste Einschätzung veröffentlicht: Ein weiterer Dürresommer ist nicht ausgeschlossen. Die Bodenwasserspeicher sind vielerorts nicht annähernd wieder aufgefüllt, hingegen sind die Verdunstungsraten bei der warmen und trockenen Witterung hoch.

Mit dem Blattaustrieb der Bäume benötigen Buche, Eiche und Birke dringend Wasser – und zwar in großen Mengen. Über die Spaltöffnungen der Blätter verdunsten täglich Tausende Liter. Fehlt der Nachschub, kommt es erneut zu Trockenstress. Die Folgen sind dramatisch, wie sich am Beispiel der Fichte seit Monaten beobachten lässt. Der Borkenkäfer scheint sie regelrecht aufzufressen. Die Fichtenwälder in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Hessen sind massiv vom Absterben bedroht.

Doch nicht nur Nadelhölzer sind von der Trockenheit betroffen. Mit der Buche gerät derzeit die zweite Wirtschaftsbaumart ins Wanken. Ihr setzen Buchenschleimfluss und Weißfäule zu – ebenfalls eine Folge des Dürresommers 2018. Die Erkrankung wiegt so schwer, dass ganze Buchenbestände abzusterben drohen. Während mit zunehmendem Wassermangel das Risiko einer Schädlingsvermehrung steigt, sinkt der Zuwachs. Den Bäumen fehlt Wasser, das für die Holzbildung nötig wäre. Das bleibt für die Forstbetriebe nicht ohne Folgen. Die geplanten Einnahmen aus der Holzernte werden geschmälert oder bleiben ganz aus.

Damit der Wald nicht „verdurstet“, scheint kurzfristig nur ergiebiger Regen Abhilfe zu schaffen. Langfristig haben die Waldbauern das Heft des Handelns aber selbst in der Hand, indem sie ihren Wald umbauen: Artenreiche Mischbestände sind trockenheitsresistenter als Reinbestände.

Auch die Politik ist beim Waldumbau gefordert. Statt mit einem Schnellschuss einmalig Einkommenslöcher zu stopfen, sollten Bund und Länder die Kosten für eine artenreiche Wiederauffors­tung der Schadflächen tragen – dazu zählen Beratung, Saat- und Pflanzgut sowie die Pflanzung durch Unternehmen. Das mindert die wirtschaftlichen Verluste der Waldbauern und macht die Wälder zusätzlich „bunter“ und „fitter“. Gleiches gilt für Beimischungen in Reinbeständen.

Durch seine vielen Funktionen profitieren auch Nichtwaldbesitzer vom Ökosystem Wald. Hilfen aus der Staatskasse sind deshalb nur konsequent. Der Wald gehört allen – so das Bewusstsein vieler Waldbesucher. Gerade in Krisenzeiten sollten die tatsächlichen Waldbesitzer nicht allein gelassen werden.

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Erwin Schmidbauer

Was soll denn die Rettung sein?

Fichte nichts, Buche in Gefahr, was soll jetzt die neue Rettung sein? Vielleicht müssen wir uns vom System den Hochwaldes trennen und in Zukunft auf Niederwald konzentrieren.

von Stefan Lehr

Bewirtschaftungsfreiheit

Dazu waere es auch ratsam, dass den Waldbauern eine Bewirtschaftung ohne Zwangsmassnahmen ermoeglicht wird, d. h. gezielter Einsatz von Pflanzenschutz gegen Schadinsekten, etc. Aber da wird man wieder gegen die Windmuehlen von NABU, BUND & Co. ankaempfen muessen. Von allen anderen Widrigkeiten wie Langfristigkeit, Holzmarkt usw. mal abgesehen.

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