Test

Stiftung Warentest: Jeder vierte Honig ist mangelhaft

Beim Honig-Test der Stiftung Warentest erwies sich nicht jeder der 36 getesteten Honige als hoch­wertig. Neben Discounter-Ware von Aldi und Lidl haben die Tester auch Markenhonig von Lang­nese, Bihophar, Breit­samer und Dreyer untersucht – von Akazienhonig über Raps­honig bis Wald­honig und Wild­blütenhonig. Die Test-Urteile reichen von gut bis mangelhaft.

Pro Jahr essen die Deutschen im Schnitt rund 1,1 Kilogramm Honig – welt­weit ein Spitzen­wert. Doch die Qualität des süßen Goldes stimmt oft nicht, wie die Stiftung Warentest berichtet. In zahlreichen Produkten stießen die Experten auf unerlaubte Wärmeschäden, kritische Stoffe – oder auf für die angegebene Honigsorte zu wenige Pollen sowie untypischen Geschmack. Was erlaubt und typisch ist, regeln die Honig­ver­ordnung sowie die Leitsätze für Honig des Deutschen Lebens­mittel­buchs.

Zehn Produkte im Honig-Test erfüllen eine oder mehrere Anforderungen an Sortenhonig nicht, sie sind mangelhaft. Auffällig viele davon sind Akazienhonige oder Wild­blütenhonige. Akazienhonig zum Beispiel sollte mild und leicht blumig schme­cken, nicht künst­lich oder parfümiert. Mindestens 20 Prozent der Pollen müssen von der Scheinakazie kommen. Wild­blütenhonig muss Blüten­vielfalt widerspiegeln, etwa einer wilden Blumenwiese, und darf nicht von einer Sorte dominiert werden. Kein Honig darf so stark erhitzt worden sein, dass seine Enzyme erheblich oder voll­ständig inaktiviert wurden. Bei sieben Honigen im Test traf das aber zu, darunter ebenfalls Akazien- und Wild­blütenhonig. Im Labor lässt sich das unter anderem an der Aktivität des hitze­empfindlichen Enzyms Inver­tase nach­weisen, heißt es im Testurteil.

Guter deutscher Honig ist rar

Einige der wärmegeschädigten Honige kommen laut Pollen­analyse aus China, dem inzwischen wichtigsten Honiglieferanten der EU und größten Honig­produzenten der Welt. Tests der Gemein­samen Forschungs­stelle der EU ergaben: Jede fünfte Honig­probe, die bei Importeuren oder an den Außen­grenzen der EU gezogen wurde, erfüllte nicht die in der Europäischen Union geltenden Stan­dards. Ohne Importe sähe es an deutschen Frühstücks­tischen allerdings mau aus. Denn nur jeder vierte bei uns verkaufte Honig kommt aus Deutsch­land. Im Test erreicht lediglich einer von den sechs deutschen Honigen die Note gut, und zwar ein Raps­honig.

Insgesamt verdienen 11 der 36 Honige im Test eine gute Gesamt­note, darunter mehrere güns­tige Misch­blütenhonige und Wald­honige, von denen einige auch beim Discounter zu finden sind. Auch teurere Produkte befinden sich unter den Besten, etwa ein Bio-Akazienhonig und ein Lindenhonig. Die Preisspanne im Test ist enorm: Sie reicht von knapp 5 Euro bis zu rund 25 Euro pro Kilogramm Honig, so Stiftung Warentest.

Künftig könnte Honig noch teurer, da rarer werden: Viele Bienenvölker leiden unter den sich ändernden Umwelt­einflüssen und Parasiten wie der Varroa-Milbe. Der derzeit welt­weit mit am teuersten gehandelte Honig heißt Manuka und kommt aus Neuseeland: 250 Gramm kosten schon mal 80 Euro. Er soll zahlreiche positive Effekte für die Gesundheit haben.

Liste der getesteten Honige und Ergebnisse

Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

Schreiben Sie Alfons Deter eine Nachricht

Leserfrage: Müssen wir Maut für den Transport von Stroh- und Heuballen bezahlen?

Meldung verpasst? Wir verhindern, dass Sie nicht mitreden können. Tragen Sie sich jetzt für unseren Newsletter ein und wir benachrichtigen Sie über alle wichtigen Ereignisse rund um die Landwirtschaft.


Diskussionen zum Artikel

Kommentar schreiben

von Gerhard Steffek

Guter deutscher Honig ist rar!!!

Ist ja logisch, schließlich werden ja die Bienen immer weniger. Nur warum werden die immer weniger? In erster Linie doch deshalb weil es immer weniger Imker gibt. Und die werden immer weniger, weil es sich nicht mehr lohnt. Mag anfangs auch der altersbedingte Strukturwandel mit eine Rolle gespielt haben, so ist es doch heute mehr auch eine finanzielle Angelegenheit. Ich bin auch so frei zu sagen das genauso das "Bauernsterben" zu einem Bienensterben führte. Hatten doch aus geschichtlich-kulturellen Gründen die Bauern von Haus aus immer gerne auch Bienen, so verschwanden diese zwangsläufig auch mit den alten Bauern, 1,6 Mio Bauern gab es 1950 in Deutschland-West, heute noch 267000. Dazu kommt, wer von den Jungen hat denn heute noch die Zeit und Muße sich um Bienen zu kümmern? Besonders wenn es beim Honig genauso bescheiden läuft wie mit den anderern landwirtschaftlichen Produkten. Ohne Moos nichts los! Dieser Grundsatz gilt überall am Markt. Da braucht sich keiner wundern, wieso es keinen deutschen Honig gibt. Wenn dem Verbraucher der gute deutsche Honig nichts wert ist, dann muß er eben nehmen was er kriegt. Dann ist es halt der chinesische Honig, auch wenn dort vor lauter "Bienenarmut" die Apfelbäume von Hand bestäubt werden müssen.

Diskutieren Sie mit

Tragen Sie mit Ihrem Beitrag zur Meinungsbildung zu diesem Artikel bei.

Sie müssen sich einloggen um Kommentare zu bewerten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen