Situationsbericht

2017 gab es nur noch 269.800 Höfe in Deutschland

Die Zahl der noch bewirtschafteten Höfe nahm zwischen 2007 und 2017 um 51.800 auf 269.800 Betriebe ab. Das sind 16,1 % weniger.

In Deutschland gab es 2017 269.800 landwirtschaftliche Betriebe mit mehr als 5 Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche (LF), einschließlich 21.600 Betrieben mit weniger als 5 Hektar LF, die auf Grund ihrer Tierbestände oder von Spezialkulturen zu den berichtspflichtigen Betrieben gehören.

Die Betriebe bewirtschafteten 2017 rund 16,7 Millionen Hektar LF. Die durchschnittliche Flächenausstattung der landwirtschaftlichen Betriebe erreichte 2017 61,9 Hektar LF. Nach vorläufigen Ergebnissen für 2018 ist die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe auf rund 267.700 zurückgegangen. Das wären gegenüber dem Vorjahr gut 1 Prozent weniger.

Strukturwandel geht weiter

Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe nahm zwischen 2007 und 2017 um 51.800 auf 269.800 Betriebe ab. Das sind 16,1 Prozent weniger. Pro Jahr entspricht dies einer Abnahmerate von 1,7 Prozent. Damit scheint sich der landwirtschaftliche Strukturwandel etwas verlangsamt zu haben. Denn in den Jahrzehnten zuvor lag die durchschnittliche jährliche Abnahmerate der Betriebe bei etwa 3 Prozent, was statistisch etwa alle 20 Jahre eine Halbierung der Zahl der Betriebe entspricht.

Bei der augenscheinlich rückläufigen Abnahmerate ist allerdings zu berücksichtigen, dass die Grenze der statistisch erfassten Betriebe auf 5 ha landwirtschaftlich genutzter Fläche (LF) angehoben worden ist. Das Statistische Bundesamt hat ermittelt, dass von den 375.000 Betrieben der Agrarstrukturerhebung 2007 etwa 53.000 Betriebe statistisch seitdem nicht mehr erfasst werden. Diese aus der Statistik herausgefallenen Betriebe repräsentieren nur etwa 1 Prozent der erfassten Produktionsgrundlagen (Fläche und Vieh). Unter der Annahme, dass die Zahl der seit 2007 nicht mehr erfassten Betriebe seitdem um gut die Hälfte zurückgegangen ist, liegt die jährliche Abnahme der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland bei 2,5 Prozent.

Agrarstruktur - Betriebe nach Hektargrößenklasse 2017 (Bildquelle: DBV-Situationsbericht)

Wachstumsschwelle verschiebt sich nach oben

Die sogenannte Wachstumsschwelle, unterhalb derer die Zahl der Betriebe ab- und oberhalb derer die Zahl der Betriebe zunimmt, steigt kontinuierlich an. Die Zahl der Betriebe in den Größenklassen unter 100 Hektar LF nimmt ab. Die Zahl der Betriebe mit 100 Hektar und mehr hingegen nimmt zu, zwischen 2007 und 2017 bundesweit um 5.300 auf 37.100 Betriebe. Diese Betriebe bewirtschaften 60 Prozent der LF in Deutschland. Im Niveau der Wachstumsschwelle gibt es allerdings regional große Unterschiede.

Agrarstrukturwandel 2007 bis 2017 (Bildquelle: DBV-Situationsbericht)

Regionale Unterschiede und betriebsspezifische Situationen

Bei regionaler Betrachtung wird ein Nord-Süd-Gefälle der Betriebsgrößen deutlich. Die Flächenausstattung allein lässt jedoch noch keine Aussage über die betriebliche Wettbewerbsfähigkeit zu, die auch bei geringerer Flächenausstattung etwa durch den Anbau von Sonderkulturen, besondere Vermarktungsformen bzw. durch eine intensive Tierhaltung gegeben sein kann.

67 Prozent aller Betriebe halten Vieh

Nach den Ergebnissen der zuletzt in 2016 durchgeführten Agrarstrukturerhebung (Stichtag 1. März 2016) wurden in 185.200 landwirtschaftlichen Betrieben Tiere gehalten. Das sind rund 67,2 Prozent aller Betriebe. In deren Ställen oder auf deren Weiden standen etwa 12,4 Millionen Rinder, 28,0 Millionen Schweine, 173,6 Millionen Stück Geflügel, 442.000 Pferde und Esel, 1,8 Millionen Schafe sowie 139.000 Ziegen. Im Vergleich zur Agrarstrukturerhebung 2007 ging die Anzahl landwirtschaftlicher Betriebe mit Tierhaltung relativ stark zurück, und zwar um etwa 53.200 Betriebe oder gut 22 Prozent (jährlich minus 2,8 Prozent). Der Anteil viehloser Betriebe ist deutlich angewachsen, von 27,7 Prozent in 2010 auf 30,1 Prozent in 2013 und dann auf 32,8 Prozent in 2016.

Strukturwandel landwirtschaftlicher Betriebe (Bildquelle: DBV-Situationsbericht)

Starker Strukturwandel unter den viehhaltenden Betrieben

Zwischen 2010 und 2016 ging die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe insgesamt um rund 8 Prozent zurück. Die sich darunter befindenden viehhaltenden Betriebe gingen nach Ergebnissen der Agrarstrukturerhebungen prozentual fast doppelt so stark zurück (- 14 Prozent). Von 216.100 in 2010 fiel die Zahl der viehhaltenden Betriebe auf 185.200 in 2016. Die Zahl der gehaltenen Rinder ist zwischen 2010 und 2016 nur leicht zurückgegangen, während die Zahl der gehaltenen Schweine etwas zugenommen hat (+ 4 Prozent). Die Zahl der Rinder haltenden Betriebe ging in diesem Vergleichszeitraum um 16 Prozent auf 121.000 zurück, die der Schweine haltenden Betriebe sogar um 33 Prozent auf 40.300. Hinter diesen durchschnittlichen Entwicklungen für das Bundesgebiet stecken große regionale Unterschiede. Anders als bei den jährlichen Viehzählungen werden in Rahmen der Agrarstrukturerhebungen auch Betriebe unterhalb der Tiererfassungsgrenzen erfasst, soweit sie über andere Tierarten oder die Fläche zu den erhebungspflichtigen Betrieben gehören.

Prozent-Anteil Betriebe mit größeren Tierbeständen (Bildquelle: DBV-Situationsbericht)

Treiber der Strukturentwicklung

  • Schwache Marktstellung – Internationaler Wettbewerb
  • Technischer und züchterischer Fortschritt
  • Wirtschaftliche Größenvorteile
  • Gesetzlicher Regelungsdruck
  • Wachsende Kundenanforderungen
  • Kritische öffentliche Diskussion über Landwirtschaft

Strukturwandel in der Toierhaltung im Vergleich (Bildquelle: DBV-Situationsbericht)

Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Christian Bothe

Landwirtschaft der Zukunft?

@Esser Das sind eben die Fakten und die veröffentlichten Zahlen zeigen uns das ob wir wollen oder nicht! Nur die von mir erwähnte intensive landwirtschaftliche Großproduktion in welcher Rechtsform auch immer,wird effektiv und nachhaltig fähig sein die Versorgung der Bevölkerung mit billigen (leider!) Nahrungsmitteln zu sichern und den Export zu garantieren. Kleinbäuerliche Betriebe und Ökobetriebe werden das nur regional bewerkstelligen können. S.g. H. Esser, ich sehe das einfach so und das nach 45 Jahren Tätigkeit in der LW+NGW an "vorderster Front". Für mich ist eine intensive Pflanzen-und Tierproduktion das non plus Ultra, zumal der wissenschaftlich-technische Fortschritt insbesondere unter den neuen klimatischen Herausforderungen diese Entwicklung forcieren wird, denke ich.

von Heinrich Esser

@Bothe

Damit liegen Sie aber mal vollkommen daneben

von Christian Bothe

Wettbewerbsfähigkeit

Auch wenn die LN und einiges anderes nicht korrekt sind,zeigt es doch eindeutig,das nur Großbetriebe mit industrieller LW zukunftsfähig sein werden.Das haben sogar Ökobetriebe wie Dennree haben das erkannt und einen 4000ha Betrieb mit Viehhaltung gekauft.Der Osten macht es vor wie man effektiv Pflanzen-und Tierproduktion betreiben kann,auch 2018...

von Heinrich Esser

Auch wenn die Zahlen der einzelnen Bundesländer nicht stimmen...

...so ist die Tendenz eindeutig: die Zahl der Betriebe nimmt ungebremst ab. Und das schlimmste ist, dass die sogenannte Berufsvertretung hier nicht einschreitet. Das Leitbild ist eine günstige Nahrungsmittelproduktion. Dass da mittel- bis langfristig nur die Großen (aufgrund der Kostenvorteile) übrig bleiben, nimmt man anscheinend gerne in Kauf, sonst hätte man schon längst reagiert. Wenn ich mir vorstelle, dass beim 1. FC Köln die Mitgliederzahl so stark sinken würde, hätte es weitreichende Konsequenzen gegeben. Aber hier geschieht einfach nichts und das ist einfach nur traurig.

von Christoph Schulte Tüns

An die Redaktion

4900 Betriebe in Nds? Besser die Statistik aus dem Netz nehmen und überarbeiten bzw. korrigieren!

von John Nissen

an die Redaktion:

Stimmen diese Zahlen der Tabellen? Die LF in Schleswig-Holstein ist größer als Mecklenburg. Durchschnittliche Betriebsgröße in SH 274 ha und In MVP 47 ha? Kann es sein, dass die Tabelle Fehler hat, auch wenn diese vom Statistischen Amt kommt?

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