Achtung: Viehdiebstähle nehmen zu!

Auf deutschen Betrieben werden zunehmend Enten, Schafe und vor allem Rinder gestohlen. Wer dahintersteckt, und was die Täter mit den registrierten Nutztieren anstellen, ist ein Rätsel, berichtet DIE WELT. Obwohl es sich bislang nur um Einzelfälle handelt, sind die Landwirte verunsichert.

Auf deutschen Betrieben werden zunehmend Enten, Schafe und vor allem Rinder gestohlen. Wer dahintersteckt, und was die Täter mit den registrierten Nutztieren anstellen, ist ein Rätsel, berichtet DIE WELT. Obwohl es sich bislang nur um Einzelfälle handelt, sind die Landwirte verunsichert.
 
Die Zeitung berichtet etwa über den Fall von Detlef Cordes aus Stade. Ihm wurden nachts sieben trächtige Kühe aus dem Stall gestohlen. "Dreist sind die Diebe ja", sagt der 55-Jährige. "Sie müssen den Stall vorher ausspioniert haben." Cordes grübelt seit der morgendlichen Entdeckung darüber, wie der nächtliche Beutezug abgelaufen sein könnte. Um das tonnenschwere Diebesgut fortzuschaffen, müssen die Täter mit einem großen Viehtransporter vorgefahren sein.
 
Da die Tiere das Verladen laut dem Landwirt kannten, dürfte dies kein großes Hindernis dargestellt haben. Er fragt sich nur, wieso niemand der Hofbewohner etwas bemerkt habe und wieso der sonst so wachsame Hund nicht angeschlagen hat. Cordes kann sich zumindest letzteres nur so erklären, dass der Vierbeiner zuvor betäubt wurde.

Die Kripo habe bislang keinerlei Hinweis auf den Verbleib der Tiere, schreibt die WELT weiter. Vielleicht sind sie bereits im Ausland, vielleicht auch schon geschlachtet. Wie in fast allen vergleichbaren Fällen dürfte das Verfahren ergebnislos eingestellt werden. Der finanzielle Schaden – etwa 10.000 Euro – dürfte dann von der Versicherung beglichen werden. Doch für die Landwirte haben die Tiere auch einen "emotionalen Wert", so Rainer Bohmbach von der Polizeiinspektion Stade. Er ermittelt nicht zum ersten Mal wegen Viehdiebstahls.

„Das müssen Profis sein“

Auch der Nachbar der Familie Cordes, Otto Langbehn, hat dies schon erfahren müssen. "Es geschah im letzten November, kurz vorm Abtrieb", berichtet der Niedersachse von dem Tag, als er zu seiner Kuhweide fuhr und feststellen musste, dass das Gatter offen stand. Zwei Kühe lagen im Graben, die anderen irrten umher. Und fünf der vormals 35 Rinder waren verschwunden – auch hier ausschließlich hoch tragende Kühe. Ein Schaden von 7000 Euro. Langbehn war konsterniert, denn vor zwei Jahren waren ihm schon einmal zwei Rinder von der Weide gestohlen worden. "Da müssen Profis am Werk sein", vermutet der 94-Jährige, der sich nun auf seinem eigenen Land nicht mehr sicher fühlt.

Laut der VGH Versicherung sind die Viehdiebstähle derzeit allerdings noch weit davon entfernt, als Massenphänomen oder auch nur ernsthaftes Problem eingestuft werden zu müssen. "Diebstahl von landwirtschaftlichen Nutztieren", so heißt es dort, sei als Haftungserweiterung in der landwirtschaftlichen Feuerversicherung enthalten. Die Fälle würden aber statistisch nicht gesondert erfasst. Bei den meisten gemeldeten Fällen handle es sich um sogenannte Weidediebstähle, bei denen ein paar Schafe oder Kühe von der Weide verschwinden.

Futterautomaten gleich mit geklaut

Einen weiteren aktuellen Fall hat DIE WELT bei der Agrargemeinschaft Groß Beuchow gefunden. Hier war ein Kälberstall, in dem sich am Vorabend noch 47 Tiere befunden hatten, am nächsten Tag komplett leer. Alle Tiere, die ältesten vier Monate, die jüngsten erst wenige Stunden alt, waren verschwunden. Alle Kälberboxen hätten leergestanden, selbst die beiden Fütterungsautomaten hatten die Täter mitgehen lassen, berichtet Geschäftsführer Burkhard Magolz in der Zeitung.

Die Kälber, die auf dem brandenburgischen Hof eigentlich einmal als Milchkühe ihren Dienst verrichten sollten, hätten pro Tier einen Wert von 350 Euro gehabt. Und die gestohlenen Automaten zu ersetzen würde allein 16.000 Euro kosten, so Magolz. Da es nur eine Woche später auf einem Betrieb in Sachsen wieder zu einem Diebstahl von Kälbern samt Futterautomaten kam, vermuten die Bauern die Kriminellen in Osteuropa.  
Alle fragen sich nun, was die Viehdiebe nach ihren nächtlichen Beutezügen mit der lebenden Hehlerware anstellen. Sie einfach in den nächsten Kuhstall bringen und melken fällt als Option aus; alle Tiere sind in der europaweiten HIT-Datenbank registriert und mit Ohrmarken gekennzeichnet.

Foldenauer geht von gefälschten Papieren aus

Kaum ein Produktionszweig wird umfassender kontrolliert und dokumentiert als die Milch- und Fleischwirtschaft. "Man kann mit solchen Kühen nicht viel anfangen – außer man schlägt sie gleich tot", formuliert es Hans Foldenauer vom Bundesverband Deutscher Milchviehhalter recht deutlich. Allerdings würde kein regulärer Schlachthof in der EU ein Tier ohne die zugehörigen Papiere schlachten.

Vor 20 Jahren, so erinnert sich Foldenauer, waren in Süddeutschland schon einmal Viehdiebe am Werk, die mit einem Schlachter gemeinsame Sache gemacht und das illegale Fleisch unter der Hand verkauft hatten. Als sich die günstige Bezugsquelle zu weit herumgesprochen hatte, ereilte die Bande der lange Arm des Gesetzes.

Foldenauer hält es für möglich, dass die nun tätigen Banden auch mit gefälschten Papieren und falschen Ohrmarken operieren. Sind auf deutschen Weiden Kühe mit gefälschten Pässen unterwegs?

In eigener Sache: In einer früheren Version dieser Meldung hatten wir einen (unbeschrifteten) Viehtransporter bei einer Kontrolle gezeigt. Hierbei handelte es sich lediglich um ein Schmuckbild; die Spedition hat nichts mit dem Fall zu tun.

Kaufpreise für Ackerflächen überschreiten 100.000 Euro-Marke

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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