Grußwort

Alles Gute für 2019!

Viel schlimmer als das chaotische Wetter 2018 sind die unsicheren politischen Rahmenbedingungen. Gedanken zum neuen Jahr von top agrar-Chefredakteur Dr. Ludger Schulze Pals.

Dr. Ludger Schulze Pals (Bildquelle: Heil)

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

das Jahr 2018 war für Sie kein einfaches Jahr. Die lang anhaltende Dürre hat viele getroffen. Mit den Kapriolen des Wetters wissen Sie aber umzugehen. Viel schlimmer sind für Sie die unsicheren politischen Rahmenbedingungen. Die Erwartungen der Verbraucher an Ihre Arbeit sind hoch und leider nicht immer eindeutig. Viele wissen zu wenig über die heutige Landwirtschaft und können deshalb nur unzureichend nachvollziehen, welche ökonomischen Auswirkungen mehr Tier- und Umweltschutz auf die Produktion hat. Dieses Verständnis ist aber die Grundlage für eine höhere Zahlungsbereitschaft.

Nahrungsmittel müssen weg vom Image des Billigmachers. Das dämmert immer mehr Verbrauchern. Dennoch geht die Entwicklung viel zu langsam. Es würde helfen, wenn die Politik einen klareren Kurs in der Agrarpolitik fahren würde. Wohin will die Bundesregierung die deutsche Landwirtschaft mittel- und langfristig steuern? Wie schaffen wir den Spagat zwischen den besonderen Wünschen unserer Verbraucher und den offenen Weltmärkten, die keine Rücksicht auf die Eigenarten des deutschen Marktes nehmen?

Welche Landwirtschaft wollen wir?

In 2019 will die Große Koalition eine Ackerbaustrategie vorlegen. Das ist gut. Hoffentlich gelingt Bundeslandwirtschaftsministerin ein überzeugender Aufschlag, der eine Debatte auslöst, an deren Ende ein verlässlicher Weg für die Zukunft steht. Das Gezerre um Glyphosat und um die Neonicotinoide zeigt, wie dringend eine solche Strategie gebraucht wird.

Nachschärfen sollte Julia Klöckner auch die Tierschutzstrategie der Bundesregierung. Ungelöst ist die Kastrationsfrage bei Ferkeln, die Kastenstandsproblematik bei Sauen. Und über der Anbindehaltung von Kühen und dem Ferkelschutzkorb schwebt auch das Damoklesschwert. Hinter all diesen Themen steht die alles entscheidende Frage: Welche Nutztierhaltung wollen wir in Deutschland? Die Tierhalter müssen wissen, wie die Ställe der Zukunft aussehen sollen, damit sie investieren können. Dafür brauchen Sie langfristige Leitplanken der Politik, die nicht an Legislaturperioden und bestimmte Parteien geknüpft sind. Wer sich die politische Landschaft in Deutschland anschaut, dem fällt es schwer, daran zu glauben, dass dies gelingt. Zu süß ist der Lockruf des Wählers, auf Basis populistischer Forderungen und auf dem Rücken der Bauern kurzfristige Wahlerfolge einzufahren.

Wir brauchen eine starke EU!

Aber auch außerhalb der deutschen Grenzen steht 2019 viel auf dem Spiel. Wenn es zum harten Brexit kommt, werden das auch die Bauern im Rest der EU zu spüren bekommen. Wenn die Nationalisten und EU-Kritiker bei der Europawahl im Mai stark zulegen, ist das europäische Projekt massiv in Gefahr. Die Landwirte haben von der europäischen Einigung mit am stärksten profitiert. Völlig unterschätzt wird darüber hinaus immer wieder, wie wichtig die Europäische Union für den Frieden in Europa ist.

Ein starkes Europa ist umso wichtiger, je stärker sich Russland, die USA und China in politische und wirtschaftliche Konflikte stürzen. Eine „Deutschland First-Politik“, von der einige politische Kräfte träumen ist darauf keine Antwort. Dafür sind wir viel zu klein und viel zu exportorientiert. Die deutsche Agrar- und Ernährungswirtschaft ist daher gut beraten, sich mit aller Kraft für ein starkes Europa und für verlässliche internationale Rahmenbedingungen einzusetzen. Dazu kann jeder von uns seinen Beitrag leisten.

Herzlichen Dank für Ihre Treue!

Im kommenden Jahr steht also viel auf dem Spiel. Wir, die top agrar-Redaktion, werden Sie weiterhin jeden Tag mit den entsprechenden Informationen versorgen. Wir sagen danke, dass Sie uns im abgelaufenen Jahr nicht nur die Treue gehalten haben, sondern uns immer wieder Anregungen, Tipps und Themen mit auf den Weg geben. Und dass Sie uns darauf ansprechen, wenn wir Fehler gemacht oder unvollständig berichtet haben. Wir freuen uns, wenn Sie das auch im nächsten Jahr so beibehalten.

Ihnen und Ihren Familien ein gutes und gesundes Jahr 2019!

Ihr

Ludger Schulze Pals

Artikel geschrieben von

Dr. Ludger Schulze Pals

Chefredakteur top agrar

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Diskussionen zum Artikel

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von Wilhelm Grimm

Welche Landwirtschaft wollen wir?

Danach werden wir gar nicht gefragt. "Überzeugender Aufschlag, verlässlicher Weg", darauf können wir lange warten. Wie soll das gehen? Ein fachlich sauberer Kompromiss zwischen Frau Klöckner und Frau Schulze ist ausgeschlossen. Den könnte es nur dann geben, wenn beide das gleiche Ziel ansteuern wollten, aber mit unterschiedlicher Vorstellung über die Geschwindigkeit auf der der gleichen Straßenseite. Die beiden Damen rasen aber wie 2 Geisterfahrer in unterschiedlicher Richtung aufeinander zu, Ideologie gegen fachliche Notwendigkeit. Wir müssen auch damit rechnen, dass Frau Kramp- Karrenbauer lieber den Karrenbauern (Autoindustrie) helfen wird als uns. Wir haben es auch bald satt.

von Rudolf Rößle

Wir

sehen es an unseren verarbeitenden Industriezweigen, die ihre Firmensitze immer mehr in Europa und in der Welt streuen. Ein geeintes Europa bringt für Arbeitnehmer mehr Sicherheit und Wohlstand. Jeder Euro der investiert wird schafft Arbeitsplätze. Auch die friedliche Kulturvielfalt ist ein großer Schatz. Also bitte Alle ins Boot und sinnvolle Lösungen erarbeiten Ein schönes und nervenschonendes Jahr 2019, das wünschen wir uns. Schöne Feier Euch Allen.

von Renke Renken

" Am Ende muß ein

verlässlicher Weg " für die Lamdwirtschaft herauskommen - na ja, träumen kann man ja. Aber eher als das diese Wirren und dieses Geschachere in unserer Politik irgendetwas "Verlässliches" für uns Landwirte hervorbringt, haben wir hier an der Küste Ebbe und Flut gleichzeitig, in diesem Sinne "Guten Rutsch"

von Willy Toft

Ich wünsche uns persönlich, dass wir nicht nur die Spielwiese der Politik und ......

Gesellschaft bleiben! Wir haben eine Verantwortung für die Ernährungssicherheit, Umweltsicherheit, Tierwohl und unseren Familien gegenüber, dem wir, so gut es uns möglich ist, nachkommen. Die großen Sprüche vom Umbau der Landwirtschaft, nehmen nur die Politiker in den Mund, die weit von der Realität entfernt sind! Ideologie und Machbarkeit in Einklang zu bringen, können nur wir selber, und das muss auch mal offen kommuniziert werden!

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