Meinung

Bayern: Pflanzenschutz um 50 % reduzieren? Ein Kommentar

"Der Bauch spricht eine klare Sprache", schreibt Georg Wimmer, Generalsekretär des Bayerischen Bauernverbandes, in seinem Kommentar.

"Ich schreibe dieses Mal nicht nur als BBV-Generalsekretär, sondern auch wegen meiner landwirtschaftlichen Ausbildung und meines Pflanzenbaustudiums. Und weil ich ein 'Bauchmensch' bin. Das Bauchgrummeln, das mich dank Volksbegehren seit Herbst begleitet, hat sich zu handfesten Bauchschmerzen ausgewachsen."

"Daran hat auch die Staatsregierung ihren Anteil, 50 Prozent weniger Pflanzenschutz bis 2028 hieß es am Dienstag plötzlich. Ja. Landwirtschaft verändert sich, Landwirtschaft verbessert sich. Und ja: das führt zu geringeren Aufwandmengen. Das ist richtig und kann nicht oft genug gesagt werden. Doch vor laufenden Kameras wurde einfach eine Zahl in den Raum gestellt. Was eine solche Botschaft für den Ackerbau, unsere Lebensmittelerzeugung und vor allem: das Bauchgefühl von 90 Prozent der Landwirte bedeutet, wurde vergessen.

Dabei geht es um den nötigen Schutz der Pflanze. Um die Arbeit von Profis, die mit Ausbildung und Sachkundenachweis dafür sorgen, dass sich Schädlinge oder Pilze nicht über das hermachen, was unsere Lebensmittel werden sollen. Die Nachricht, dass die Getreideernte weltweit nicht ausreicht, um die Weltbevölkerung zu ernähren, war einen Tag zuvor in den Zeitungen zu lesen.

Einen Ausgleich zwischen Landwirtschaft und Umwelt zu finden, ist gut und richtig. Daran müssen wir mitwirken, auch wenn mir mein Bauch manchmal etwas anderes sagt. Aber der Verband muss die Positionen der Land- und Forstwirtschaft vertreten und verteidigen – und für vernünftige Lösungen streiten. Noch ist nichts entschieden oder in Stein gemeißelt. Aber eines ist sicher: Irgendwelche Reduktionsziele und starre Fristen sind der falsche Weg. Das zeigt die Debatte um den Walztermin oder die Mahdzeitpunkte. Auch die Aussagen zum Pflanzenschutz dürfen nicht einfach so stehen bleiben. Da spricht mein Bauch eine klare Sprache. Und das tut er bei uns allen. Spätestens, wenn der Hunger sich meldet."

Hinweis der Redaktion: Gastkommentare geben nicht in allen Bereichen die Meinung der Redaktion wieder. Wir veröffentlichen sie dann, wenn wir sie für einen interessanten Diskussionsbeitrag zur Weiterentwicklung der Landwirtschaft halten.

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Erwin Schmidbauer

Intelligente Lösungen?

Auch mit einer Bandspritzung in Reihenkulturen lässt sich der Pflanzenschutzmittelaufwand verringern. Die Zahl der Anwendungen wird aber dadurch nicht geringer.

von Gerhard Eschbaumer

Frage zu 50% Verminderung

Kann mir jemand sagen was unter 50% weniger Pflanzenschutz gemeint ist ? Kg Wirkstoff oder Zahl der Anwendungen

von Matthias Zahn

@Grimm

Nur ein Gedankenspiel..... Mal angenommen Europa wird mehr Bio. Was zur Folge hat, dass die EU weniger exportiert. Dadurch wird der Weltmarkt entlastet und die globalen Getreidepreise steigen. Was dazu führt das die von ihnen angesprochene Bevölkerung, welche ja überwiegend Bauern sind, mehr für ihren Mais bekommt und dadurch sich lokale Märkte besser entwickeln können, weil sie nicht durch EU Dumpingexporte ruiniert würden...... Warum sollen diese Leute dann noch zu uns kommen? Wie gesagt nur ein Gedankenspiel.......

von Wilhelm Grimm

Nein Herr Zahn, Bio ist schlecht für das Klima und führt bei fast 8 Milliarden Menschen zu Hunger und Elend, zu Völkerwanderungen und zu Kriegen.

Das sagt der Verstand und nicht das Bauchgefühl. Das Bauchgefühl ist die Domäne der landwirtschaftlich Unkundigen, also der Bildungsfernen.

von Matthias Zahn

Das Ziel der Grünen ist klar!

Bio für alle zum Preis von konventionellen essen. Und die Rechnung kann sogar aufgehen. Nahrungsmittel haben wir in Bayern genug. Auch bei einer geringeren Erntemenge mit Bio. Und die CSU lässt sich von den Grünen treiben aus Angst Wählerstimmen zu verlieren. Insofern ist es egal ob die Grünen regieren oder nicht. Der Einfluss ist auch aus der Opposition heraus nicht zu leugnen. Und am Ende können Herr Wimmer und wir Landwirte Argumentieren was das Zeug hält, es wird nichts nützen! Diese emotionale Debatte können wir nicht gewinnen. Es werden die Gefühle der Bevölkerung über die zukünftige Landwirtschaft entscheiden. Ein Tipp an alle Landwirte. Haltet bei jeder betrieblichen Entscheidung die Option für Bio offen. Wer da nicht mitziehen kann, wird u.U. am Ende (wie die Anbindehalter) zum Landwirt zweiter Klasse, deren Produkte zwar noch geholt, aber schlecht bezahlt werden. Vom schlechten Image will ich gar nicht erst reden......

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