Clearfield-Raps: Das sollten Sie wissen

Wer sich für das Clearfield-System in Raps interessiert, sollte sich über die Folgen beim Einsatz im Klaren sein. Die wichtigsten Fakten hat top agrar für Sie zusammengestellt.

Der Pflanzenschutzmittelhersteller BASF sowie einige Pflanzenzuchtunternehmen werben derzeit für das neue Unkrautbekämpfungs-System Clearfield. Der Name steht weltweit für eine Kombination aus einem Herbizid und einer gegen dieses Herbizid resistenten Kulturpflanze. Die Züchter kreuzen diese Resistenz nicht auf gentechnischem, sondern auf konventionellem Weg ein.

In Deutschland ist das Herbizid Clearfield-Vantiga (Wirkstoff Imazamox) mit zwei entsprechenden Winterrapshybriden von Pioneer zugelassen. Großes Manko der beiden Cl-Sorten ist aber deren Leistung. So liegt der Ertrag im Vergleich zu Rapssorten wie Visby oder Dimension um rund 3 bis 10 % niedriger. Zudem erreichen sie nur mittlere Ölgehalte. In 2 - 3 Jahren wollen andere Züchter hier aber mit leistungsfähigeren Sorten nachziehen.
 
BASF rechnet damit, dass zunächst Betriebe, die Probleme mit schwer bekämpfbaren Unkrautarten in ihren Rapsbeständen haben, das System anwenden werden. Der Wirkstoff würde hartnäckige Unkräuter wie Rauke-Arten, Hirtentäschel, Ackersenf erfassen, aber auch Pfeilkresse, das Echte Barbarakraut und das Orientalische Zackenschötchen sowie Ausfallgetreide vernichten, heißt es.
 
Pflanzenbauexperten warnen dagegen vor pflanzenbaulichen Nachteilen, die das System mit sich bringt:
 

  • Probleme durch Ausfallraps: Der Clearfield-Ausfallraps soll sich in anderen Kulturen wie Getreide und vor allem Rüben schwerer oder gar nicht mehr bekämpfen lassen. Die Rapssamen bleiben länger als 10 Jahre im Boden keimfähig.
  • Verschärfte Resistenzgefahr: Der Wirkstoff Imazamox fördert die Entwicklung von Herbizidresistenzen.
  • Risiken beim Einsatz: Imazamox ist ein reiner Blattwirkstoff und besitzt keine Bodenwirkung. Beim Einsatz müssen alle Kreuzblütler aufgelaufen sein, was ab dem Zwei- bis Dreiblattstadium des Rapses in der Regel der Fall ist. Andere Unkräuter wie Kamille sollen sich zu diesem Termin laut Fachberatern mit dem Bodenwirkstoff Metazachlor oft nicht mehr sicher erfassen lassen. Zudem falle die Wirkung gegen Fuchsschwanz ab, was Nachbehandlungen erforderlich machen würde. Gegen Kornblume, Stiefmütterchen und Ackerkrummhals/Ochsenzunge wirke das Clearfield-Herbizid nicht ausreichend. Problematisch könne beim Herbizideinsatz in der Praxis auch der Wechsel von Clearfield- in Nicht-Clearfield-Raps sein.
  • Samenverschleppung: Selbst unbeteiligte Landwirte könnten Probleme mit Clearfield-Durchwuchsraps in ihren Kulturen bekommen, wenn der Nachbar das System anwendet. Abstands- und Kennzeichnungspflichten sowie Koexistenzregelungen bestehen für den Anbau von Clearfield-Raps nicht, weil es sich um eine konventionell in die Pflanzen gezüchtete Herbizidresistenz handelt. Wer das Clearfield-System nutzen will, muss aber trotzdem Haftungsrisiken beachten.
Die Offizialberatung aus sieben Bundesländern und Privatberater lehnt den Einsatz von Clearfield-Raps in Deutschland daher wegen zu großer Nachteile einhellig ab. Was das System genau mit sich bringt und alle Fakten im Detail erklären Experten ausführlich in der aktuellen top agrar-Ausgabe 8/2012.

Kritik:
Berater warnen vor „blauäugigem“ Anbau von Clearfield-Raps (19.4.2012)

BMEL rückt mit Ideen fürs neue Greening raus

Meldung verpasst? Wir verhindern, dass Sie nicht mitreden können. Tragen Sie sich jetzt für unseren Newsletter ein und wir benachrichtigen Sie über alle wichtigen Ereignisse rund um die Landwirtschaft.

Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

Schreiben Sie Alfons Deter eine Nachricht


Diskussionen zum Artikel

Kommentar schreiben

Diskutieren Sie mit

Tragen Sie mit Ihrem Beitrag zur Meinungsbildung zu diesem Artikel bei.

Sie müssen sich einloggen um Kommentare zu bewerten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen