Diskussionen zum Thema Wolf gewinnen an Fahrt

Der Wolf rückt nach Nordrhein-Westfalen vor. Jäger und Schafhalter sind daher zunehmend besorgt, weshalb Mitte Februar ein Wokshop Wolf in Arnsberg stattfand. Fest steht, dass die Vorbereitungen auf die Rückkehr des Wolfes in dem bevölkerungsreichsten Bundesland auf Hochtouren laufen. Das stößt teilweise auf Widerstand

Haben Naturschützer den Wolf bei uns ausgesetzt, fragt ein Leser?

Der Wolf rückt langsam auch nach Nordrhein-Westfalen vor. Jäger und Schafhalter sind daher zunehmend besorgt, weshalb Mitte Februar ein Wokshop Wolf in Arnsberg stattfand, zu dem der Schafzuchtverband NRW und der Landesbetrieb Wald und Holz Fachleute eingeladen hatten.

Fest steht, dass die Vorbereitungen auf die Rückkehr des Wolfes in dem bevölkerungsreichsten Bundesland auf Hochtouren laufen. Neben der Durchführung von Fachveranstaltungen würden bereits Wolfsberater ausgebildet, die im Falle eines Wolfrisses kontaktiert werden können, hieß es.

"Wir müssen dem Wolf beibringen, dass Schafe keine leichte Beute sind. Diese Erfahrung gibt der Wolf an seine Nachkommen weiter", betonte dazu Bernd Dankert, Fachreferent Wolfsmanagement beim Sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft. In Sachsen besteht der Standardschutz aus 90 cm hohen Euronetzen, verstärkt mit einem Flatterband 30 cm darüber, falls der Wolf die Netze überwindet. Die Anschaffung dieser Netze wird ebenso wie die Anschaffung eines Herdenschutzhundes gefördert. "Wir haben 2013 Präventionsmaßnahmen in Höhe von rund 29.000 Euro gefördert. Demgegenüber standen 3.135 Euro Schadenausgleich, der für getötete oder verletzte Tiere gezahlt wurde", so Dankert.

Haben Naturschützer heimlich Wölfe ausgesetzt?

In der Tageszeitung „Der Patriot“ war am Dienstag ein interessanter Leserbrief zu finden. Heinz J. Bökamp von der Arbeitsgemeinschaft Natur, Umwelt, Kultur aus Salzkotten ist der Ansicht, dass für den Wolf heute kein Platz mehr bei uns ist. Zudem wirft er die Frage in den Raum, ob die Raubtiere wirklich von allein zugewandert sind. Hier der Leserbrief im Originalwortlaut:
 
„Zum Bericht zum Arbeitstreffen der Schafzüchter NRW und dem Landesbetrieb Wald und Holz muss zunächst ergänzt werden, dass der erste Wolf in NRW bereits 2010 im Kreis Höxter nach einem Schafriss bestätigt wurde. Vom Förster im benachbarten hessischen Reinhardshagen wurden zuvor mindestens 70 Schafsrisse durch diesen einzelnen Wolf dokumentiert. Doch woher stammen die rund 200 Wölfe, die in 24 Rudeln zurzeit bereits in Deutschland auftreten?
 
Gerüchte in Fachzeitschriften, dass Wölfe per Lkw aus Polen oder Weißrussland illegal die Deutsche Grenze überqueren, lassen sich nicht beweisen. Doch schon im Jahr 2007 hatten internationale Wissenschaftler erhebliche Zweifel an der „natürlichen Zuwanderung“ geäußert. Ein Gutachten des Prof. Granqvist aus Finnland wies sogar auf Wolfsmischlinge italienischen Ursprungs in der Lausitz hin, was von selbst ernannten „Wolfexperten“ bestritten wurde, weil nicht öffentlich werden soll, was nicht sein darf.
 
Doch nicht nur Schafzüchter leiden unter der Rückkehr der Wölfe. In Sachsen z.B. sind bereits die letzten Mufflons von Wölfen ausgerottet. Dort kam es am 10. Dezember 2013 nach einer Wolfattacke im Kreis Meißen zu einem schweren Verkehrsunfall, bei dem zwei Menschen schwer verletzt wurden und neun Pferde starben. Im „Wolfsland Brandenburg“ häufen sich die Meldungen von Rissen von Haus- und auch Wildtieren.
 
Die zu Recht bestehenden erheblichen Ängste der Bevölkerung vor einem frei lebenden Raubtier werden von auf den Wolf wartenden Naturromantikern verniedlicht, wenn sie behaupten: In freier Wildbahn würde er vor Rotkäppchen das Weite suchen. Jäger in der Lausitz berichten dagegen von Wolf-Begegnungen mit wenigen Metern Abstand, ohne dass die „wilden“ Tiere die Flucht ergriffen hätten. Immerhin zählt der Mensch nach wie vor zum Beuteschema. In den Karpaten fallen Hirten wilden Wölfen und Bären zum Opfer.
 
Bei der Diskussion um die mögliche „Zuwanderung“ bestehen erhebliche Zweifel, ob unsere intensiv genutzte westfälische Kulturlandschaft noch geeignete Lebensräume für eine allgemein akzeptierte Koexistenz von Mensch und Wold bietet. Auch Artenschutzaspekte, ob es dem Wolf dient, ihn wieder „zu erwarteten“, angesichts des zunehmenden Freizeitdrucks durch zahlreiche Wanderer, Hundefreunde, Biker, Pilzsammler etc. oder ob es eher Stress für ein Großraubtier wie den Wolf bedeutet, sollten analysiert werden, bevor man den Begrüßungssekt „Marke Rotkäppchen“ kalt stellt.“
 

Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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