Fleisch-Verarbeiter wollen nicht mehr für Strohschweine zahlen

Angeblich sind die Verbraucher bereit, für mehr Tierwohl auch mehr Geld zu zahlen. Ein Beispiel aus Beberstedt im Norden des Unstrut-Hainich-Kreis zeigt aber, dass die Realität anders aussieht. Die Agrar GmbH in Beberstedt hielt bis vor einem halben Jahr noch 600 Schweine auf Stroh.

Angeblich sind die Verbraucher bereit, für mehr Tierwohl auch mehr Geld zu zahlen. Ein Beispiel aus Beberstedt im Norden des Unstrut-Hainich-Kreis zeigt aber, dass die Realität anders aussieht.

So berichtet die Thüringer Allgemeine, dass die Agrar GmbH in Beberstedt bis vor einem halben Jahr 600 Schweine auf Stroh luftigen Ställen hielt. Ein Verarbeitungsbetrieb aus der Region nahm die Tiere ab und war bereit, die zusätzlichen Kosten für mehr Tierwohl und bessere Qualität zu zahlen. Das Konzept für den Wursthersteller ging jedoch nicht auf. Als er in finanzielle Schieflage geriet, kündigte er dem Mastbetrieb. Seitdem suche dieser einen neuen Partner, so die Zeitung.

Laut Thomas May, Chef der Agrar GmbH in Beberstedt, sei das jedoch schwierig. „Etwa 15 Euro pro Tier mehr kostet die Haltung auf Stroh“, erklärt der Landwirt. Der Mehraufwand entsteht durch die Strohbergung sowie Ein- und Ausmisten zweimal pro Woche. Gerechnet auf das Kilogramm Fleisch sind das Cent-Beträge. Trotzdem sei kaum ein Verarbeitungsbetrieb bereit, diese Summe zu zahlen, sagte er der Presse.

Mit durchschnittlich 1,45 Euro pro Kilo Schlachtgewicht seien die konventionellen Schweinehalter eigentlich schon am Limit, um kostendeckend arbeiten zu können, erklärt May weiter. Für seine Strohschweine erhält auch er nur noch den normalen Preis wie bei Schweinen aus Spaltenhaltung. Dementsprechend hatte er seinen Bestand zuletzt nach und nach reduziert. Wie er gegenüber der Thüringer Allgemeinen sagte, subventioniere der Ackerbau derzeit die Schweinemast auf seinem Betrieb.

„Ich hoffe, dass unsere Form der Tierhaltung irgendwann beim Verbraucher ankommt“, sagt May. Hoffnungen setzt er auch auf das staatliche Tierwohllabel, das laut Ankündigung zunächst auf die Freiwilligkeit der Wirtschaft setzt. Also im Prinzip genau auf das, was in Beberstedt umgesetzt wird.

Inzwischen soll der Betrieb jedoch einen neuen Abnehmer gefunden haben. Die kompletten Mehrkosten könne May damit trotzdem nicht decken. Deshalb will der Landwirt den Vertrag mit dem Abnehmer seiner Schweine erst einmal für ein Jahr aushandeln.

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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