Foodwatch und Meyer fordern sofortige Tierhaltungswende

Foodwatch hat eine sofortige Agrarwende gefordert. Insbesondere bei den Legehennen garantiere keine Haltungsform die tiergerechte Haltung. Hohe Krankheits- und Sterberaten, Verhaltensstörungen und das millionenfache Töten männlicher Küken seien in allen Haltungsformen an der Tagesordnung.

Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch hat eine sofortige Tierhaltungswende gefordert. Insbesondere bei den Legehennen garantiere keine Haltungsform die tiergerechte Haltung. Hohe Krankheits- und Sterberaten, Verhaltensstörungen wie Federpicken oder Kannibalismus und das millionenfache Töten männlicher Küken seien in allen Haltungsformen an der Tagesordnung, so Foodwatch.

Studien würden zeigen, dass die Gesundheit der Hennen nicht nur von der Haltungsform abhängt, sondern mindestens ebenso stark vom Betriebsmanagement. Wie gesund die Legehennen sind, werde aber derzeit weder systematisch überprüft noch gebe es Vorgaben für die Halter, so die Organisation. Ob die Hennen unter haltungsbedingten Krankheiten oder Verhaltensstörungen leiden müssen, wüssten die Verbraucher beim Einkauf nicht.

foodwatch spricht sich daher – über die Legehennenhaltung hinaus – für eine grundlegende Tierhaltungswende aus. So sollten nur noch solche tierischen Lebensmittel in den Handel kommen, die nachweislich tiergerecht erzeugt wurden. Daher müsse die Europäische Union erstmals verbindliche Zielvorgaben für die Tiergesundheit festlegen und die bestmögliche Haltungsform als Standard für alle Nutztiere vorschreiben.

Meyer zur Stelle

Die Forderung von Foodwatch spielt Niedersachsens Agrarminister Meyer in die Karten. Er fordert schon lange eine deutliche Verschärfung der Tierhaltungsvorgaben. „Genau diesen Weg hat die rot-grüne Landesregierung mit dem Start der sanften Agrarwende eingeschlagen", sagte Meyer. „Die aktuellen Enthüllungen um Salmonellen-Fälle, die möglicherweise durch eine Eierfabrik in Bayern ausgelöst worden sind, werfen erneut ein Schlaglicht auf nicht mehr hinzunehmende Haltungsbedingungen", so der Minister.

Er unterstütze daher die Forderungen von Foodwatch „nach einer besseren Kennzeichnung von Lebensmitteln tierischer Herkunft sowie nach gesetzlichen Maßnahmen zur Beendigung von Tierqual" und den Appell der Organisation, „eine grundlegende Tierhaltungswende zusammen mit Landwirten und Verbrauchern einzuleiten". 

„Das Abschneiden von Schnäbeln und Ringelschwänzen muss beendet werden. Wir brauchen Tierhaltungssysteme, in denen Tiere unversehrt und unverstümmelt gehalten werden können."
Niedersachsen hat bereits seit 2014 das Amputieren der Schnabelspitze von Enten verboten. Ende 2016 wird auch bei Legehennen in Niedersachsen das Schnabelkürzen nicht mehr erlaubt sein.

Im aktuellen Fall um Salmonellen-Erkrankungen steht eine bayerische Eierfabrik in der Kritik, in der Legehennen in Kleingruppenkäfigen gehalten werden - mit einem Platz pro Huhn von kaum mehr als einem Din-A4-Blatt. Diese Haltungsform ist nach Auffassung Meyers nicht mehr tragbar. Niedersachsen habe daher zusammen mit Rheinland-Pfalz erneut einen Antrag auf den Weg gebracht, damit die Kleingruppenkäfighaltung in wenigen Jahren gestoppt werden könne.

Antwort der Eierwirtschaft:
Eierwirtschaft enttäuscht über pauschale Diffamierung der Legehennenhalter (22.5.2015)

Klarstellung Foodwatch auf top agrar-Meldung

foodwatch möchte folgendes klarstellen:

  1. foodwatch fordert keine „Agrarwende“ und auch keine „bessere Kennzeichnung“, wie dies die niedersächsische Landesregierung offenbar tut. foodwatch fordert eine Wende der Tierhaltung hin zu nachweislicher Tiergerechtigkeit – und zwar in allen Haltungsverfahren, europaweit!
  2. Wir halten etwaige Kennzeichnungsregeln für nicht zielführend, um Tiergerechtigkeit für alle Nutztiere zu erreichen. Eine Kernaussage unseres Reports ist es ja, dass weder das Haltungsverfahren (Voliere, Boden, Freiland, Öko) noch die Herden- bzw. Betriebsgröße Tiergerechtigkeit gewährleisten können. Weil es nachweislich bei sehr ähnlichen Betriebsstrukturen enorme Unterschiede bei der Tiergesundheit gibt, verlangen wir sowohl die systematische betriebsgenaue Erhebung  von Tiergesundheitsdaten als auch die Veröffentlichung dieser Kontrollergebnisse. Schlecht abschneidende Tierhalter müssen geschult und bei dauerhaftem Nicht-Erreichen der Zielvorgaben dürfen sie keine Tiere mehr halten.
  3. foodwatch fordert aber nicht nur, dass alle Nutztiere tiergerecht gehalten werden und dass dies hof- bzw. herdengenau anhand objektiver Kriterien überprüft wird. Zugleich weisen wir etwaige Ansprüche von Verbrauchern auf billigere tierische Lebensmittel, die nicht nachweislich tiergerecht erzeugt wurden, zurück. Und wir weisen nach, dass die EU gemäß Art. 13 AEUV sowohl innerhalb Europas entsprechende Maßnahmen zur Erzielung der Tiergerechtigkeit vorschreiben kann und muss als auch einen entsprechenden Schutz  der europäischen Tierhalter gegenüber nicht nachweislich tiergerecht erzeugten Produkten aus Drittstaaten.

Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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Arbeiten auf einer 840.000-Hektar-Farm

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