Agrarpolitik

Jetzt die Lehren aus der Düngeverordnung ziehen Premium

Das Debakel bei der Düngeverordnung darf zur EU-Agrarreform nicht passieren. Landwirte sollten jetzt ihr Angebot an die Gesellschaft formulieren, kommentiert Stefanie Awater-Esper.

Die erneute Verschärfung der Düngeverordnung ist ein Paradebeispiel für Politikversagen. Dennoch könnte sie einen Wendepunkt in der Agrarpolitik markieren. Der Berufsstand und die Bundesregierung haben sich nämlich bei der Reform der Düngeverordnung schon weit vor 2017 verzockt. Die gewählte Strategie des Verschleppens von Maßnahmen hat sich als ein Bumerang für die Landwirte erwiesen. Politik und Branche haben sich damit selbst und den Bauern noch viel mehr geschadet. Das ist fatal und das haben die vielen gewissenhaft wirtschaftenden Landwirte und Landwirtinnen nicht verdient.

Die in der Landwirtschaft oft geäußerte Argumentation mit den fehlerhaften Messstellen trägt nicht vollumfänglich. In NRW hat die von Agrarministerin Heinen-Esser in Auftrag gegebene Untersuchung ergeben, dass 10 Prozent der Messstellen fehlerhaft sind. Das muss die Landesregierung dringend beheben. Die Fehlerrate ist aber nicht so hoch, dass die Landwirte der Regierung ein komplettes Versagen bei den Messstellen vorhalten können. In anderen Bundesländern dürfte es nicht viel anders aussehen. Auch als die Bundesregierung die Dichte des Nitratmessnetzes im Jahr 2016 erweitert hat, ergab sich bei den Nitratwerten und deren Tendenzen kein wirklich entlastendes Bild.

Der Berufsstand und die Bundesregierung sollten die Fehler bei der Düngeverordnung in der anstehenden Reform der EU-Agrarzahlungen nicht wiederholen. Es ist jetzt höchste Zeit, konstruktiv zu diskutieren, wie die EU-Agrarzahlungen künftig an die Landwirte verteilt werden. Statt sich dahinter zu verstecken, dass die Höhe des EU-Agrarbudgets noch immer nicht feststeht. Wie können die gesellschaftlichen Anforderungen für mehr ...

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Artikel geschrieben von

Stefanie Awater-Esper

Korrespondentin Berlin

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Diskussionen zum Artikel

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von Andreas Puchner

Vielleicht zu kurz gedacht?

Grundsätzlich stimme ich zu, dass sämtliche Leistungen der Landwirtschaft für Klimaschutz, Biodiversität, Gewässerschutz, usw... nicht über die Erzeugerpreise erwirtschaftet werden können. Gerade deshalb gibt es aber auch die 2. Säule der Agrarförderung. Dadurch können der Mehraufwand der durch Maßnahmen zur Erbringung dieser Leistungen entsteht kompensiert werden. Wenn hier seitens TopAgrar die Forderung in den Raum gestellt wird dies doch endlich über die Direktzahlungen zu erledigen, bedeutet das keinerlei Mehrwert für den Landwirt, weil dadurch erstens die Möglichkeit der Kompensation des Mehraufwands über die 2. Säule (Agrarumwelt- und Vertragsnaturschutzprogramme) wegfällt und zweitens der Landwirt die Direktzahlungen nur voll erhält, wenn er den Mehraufwand betreibt. Etwas zu kurz gedacht finde ich. Beispiel: Wenn ich dem Landwirt zum vollen Erhalt der Direktzahlungen zur Auflage mache, dass er einen gewissen Anteil seiner Fläche extensiver bewirtschaften muss, fehlt ihm diese Fläche einerseits zur Produktion von Futter oder Marktfrüchten und andererseits nehme ich dem Landwirt die Möglichkeit Fördergelder zur Kompensation des Ertragsausfalls in Anspruch zu nehmen. Der Grund? Maßnahmen, die gesetzlich gefordert sind kann ich nicht über die zweite Säule fördern...

von Günter Wetzel

Warnung

Ich warne davor nochmehr Geld als bisher für Dinge zu fordern, die nicht über den Produktpreis abgegolten werden. So richtig wie das ist, stelle sich mal einer vor, die Konjunktur kühlt ab und die Steuereinnahmen sinken... wo wird zuerst gekürzt werden: Bei den Gehältern und Diäten der Enstcheider? Beim Opium fürs Volk? Investitionen in Infrastrukturmaßnahmen? Oder doch wieder bei den 2% Dummen?

von Phillip Braendle

In meinen Augen…

…analysiert der Kommentar die Probleme und macht viele richteten Vorschläge. Dies gilt insbesondere für den Punkt dass der Berufsstand, und vorallem seine Vertreterinnen und Vertreter, bei allen anstehenden Baustellen endlich konstruktiv und vorwärtsgewandt mitdiskutieren muss!

von Christian Kraus

Nicht alle Ansprüche können über den Preis abgegolten werden

steht im Artikel. Das bedeutet im Umkehrschluss das es auf Kosten der Bauern geht. Das ist nicht Gottgegeben und könnte man ändern. So wie die EEG-Umlage ständig an die Kosten angepasst wird könnte das bei uns auch laufen. Ein "Abgabe" für alles was der Verbraucher/die Politik von uns haben wollen, die Kosten werden ausgerechnet, die Abgabe angepasst, der Aufwand entsprechend Entlohnt. Offene Märkte und freier Welthandel wäre dann für uns Bauern nichts mehr wovor wir uns fürchten müssen denn diese Waren würden auch ihren Beitrag leisten müssen für alles was von uns verlangt wird. Damit fällt jeder Widerstand der Landwirtschaft gegen alle neuen Auflagen und Forderungen da wir ja die Sicherheit hätten dafür bezahlt zu werden. Wir machen alles, "kein Problem" und stellen die Rechnung.

von Georg Summerer

Danke Herr Billau für Ihren Einsatz für die Wahrheit,

doch leider tickt nicht jeder Bauernverbandsvertreter wie Sie. Ihre Argumente bezüglich Anbau und Düngung sind vor allem unter den Aspekten Naturschutz, Gewässerschutz und Klimaschutz richtiger denn je. Die Argumentation der Verbandsoberen ist jedoch, um es mal vorsichtig auszudrücken, oftmals sehr unglücklich und viel zu passiv. Allerdings ist mir klar dass es extrem schwierig ist Ansichten, die nicht dem "Mainstream" entsprechen, den mittlerweile sehr "ergrünten" Medien zu vermitteln. Aber diese ständigen Rückzugsgefechte bringen uns nun mal nicht weiter. Es hilft nichts, die Folgen der derzeitigen Nabuumweltpolitik muss der Bevölkerung immer wieder vor Augen geführt werden. Bei den Stickoxidmessungen wird den Leuten mittlerweile auch klar dass sie eigentlich vom UBA und seinen anhängigen Nabuchefideologen vorgeführt bzw an der Nase herumgeführt werden.

von Rudolf Rößle

Naturschutz

auf solchen zusätzlichen Flächen sollte mindestens der entgangene DB angesetzt werden. Dort wo durch diese Maßnahmen Handarbeit notwendig wird ist es betriebswirtschaftlich immer ein Minusgeschäft. Spezialgeräte und zusätzliche Rüstzeiten wird auch niemand bezahlen. Durch Chemie und synthetischen Dünger sind in der Vergangenheit viele alternativen Anbaumethoden zurückgedrängt worden. Kombinationen aus konventionell und biologischem Anbau werden aber stärker nachgefragt und umgesetzt.

von Dr. Willi Billau

@ Hans Nagel

Ich weiß nicht wie Sie ticken, aber meine Kollegen ticken jedenfalls richtig! Bei uns gab und gibt es keine Überdüngung. Als zertifizierte Betriebe sind wir seit Jahren strengstens kontrolliert. Die Qualität der Produkte stimmt, historisch niedrige Rückstände, die Erträge sind gut, wir bezahlen unsere Arbeitskräfte anständig und halten unsere Tiere besser denn je, wenn man auch über die Größenordnung trefflich streiten kann. Es kommen grüne Ideologen, ergrünte Christdemokraten uns Neosozialisten und suchen einen Sündenbock für all das, was sie versäumt haben. Und denen blasen Sie das Horn! Seit Jahrzehnten passen wir Bauern (und vor allem unsere fleißigen Frauen!) sich an, das sehen wir gerade an der Jugend mit ihren Blühstreifen und Insektenhotels. Wir haben in Hessen 15% Siedlungs- und Verkehrsflächen, 42% Wald, 15% Grünland und 28% Acker! Das würde bedeuten, dass auf den 28% Ackerflächen so schlecht gewirtschaftet wird, dass das Grundwasser belastet und das Insektensterben hauptverantwortlich verursacht wird. Und wenn Sie glauben, dass Bio keinen Beitrag zur Nitratverlagerung (z. b. bei Leguminosenumbruch) leistet, dann glauben Sie das doch weiter! Wir Landwirte stellen die besten Nahrungsmittel seit jeher her und belasten die Umwelt weniger als irgend anderswo (wir holzen keine Regenwälder ab)! Nur wird diese Leistung mit den LEH-Biligstpreisen nicht honoriert. Ich bin zwar begeisterter Bauernverbandsvertreter, aber komme immer mehr zum Schluss, dass wir die devote Haltung aufgeben müssen und wie der BDM oder besser noch: der französische Bauernverband anfangen müssen ziviles Ungehorsam zu praktizieren! Willi Billau, Regionalbauernverband Starkenburg Südhessen

von Dr. Willi Billau

Von wegen, der Bauernverband hat geschlafen! Betreff: Stellungnahme des RBV Starkenburg zur geplanten Novelle der Düngeverordnung:

Seit mehr als 10 Jahren drängen wir auf eine Ursachenanalyse belasteter Brunnen. Diese wurde uns stets verwehrt. Nicht jeder belastete Brunnen ist von der Landwirtschaft verursacht und nicht immer in vollem Umfang. Es ist unstrittig, dass im Ried, auch bei intensivem Anbau verbreitet gute Messwerte von 0 bis 10 mg/l vorliegen. In „roten“ Gebieten soll im Betriebsdurchschnitt (bezogen auf die roten Flächen je Betrieb, nicht gesamte Betriebsfläche) 20 % weniger gedüngt werden als nach pflanzenbaulichen Standardwerten angezeigt. Diese Anwendung soll mehr Flexibilität erlauben als ein reiner Schlagbezug. Leider liegen große Teile Starkenburgs flächendeckend im roten Bereich. Gerade bei sehr kostenintensiven Spezialkulturen wie Kräutern, Jungpflanzen, verschiedenen Obst- und Gemüsekulturen kann eine 20 %ige Reduktion der Düngeraufwandmenge erstens die Erträge unter die Kostenschwelle drücken (die bei diesen Kulturen sehr hoch liegt) und zweitens, was noch schlimmer ist, können gegebenenfalls die erforderlichen Qualitäten nicht sicher erreicht werden (Mindestgröße und Ausfärbung der Früchte, Mindestgewicht bei Jungpflanzen usw.). Dadurch ist die Rentabilität des Anbaus nicht mehr gewährleistet. Eine Stickstoffobergrenze von 170 kg wird bei manchen Kulturen (z.B. Eliteweizen, bestimmte Gemüsearten) nicht die Erzielung gewünschter Qualitäten und auch Erträge erlauben, wie am Beispiel Dänemarks hinreichend bekannt sein dürfte. Auch der Eiweißgehalt im Grünland-Grundfutter ist dann suboptimal. Die Reststickstoffmenge (Bilanzüberschuss) soll sukzessive auf 40 Kg Nitrat/ha zurückgeführt werden. Erfahrungen aus dem Obst- Gemüse- und Spezialkulturanbau zeigen, dass dies nicht immer möglich ist, einzuhalten. Insbesondere Ernteausfälle durch Trockenheit oder Hochwasser vermindern die Entzüge enorm und sorgen so für einen hohen Bilanzüberschuss. Für begründete Fälle muss eine Ausnahmeregelung kreiert werden! Vertraglicher Wasserschutz sollte in den roten Gebieten entweder verbindlich vorgeschrieben werden oder es sollten Kooperationen zum Gewässerschutz als Option für Erleichterungen genutzt werden können. Das Beispiel Baden-Württemberg mit seinem seit 30 Jahren praktizierten Kooperationsmodell „SchALVO“ hat im Landesschnitt den prozentualen Anteil der Messstellen über 50 mg Nitrat/Liter fast halbiert. Wir in Hessen stehen noch am Anfang der Entwicklung! Wir bitten, unseren Argumenten zu folgen und verbleiben mit nachdenklichen Grüßen Ihr Willi Billau Regionalbauernverband Starkenburg/Südhessen Vorsitzender

von Georg Summerer

Frau Awater-Esper liest wohl die eigene Zeitung nicht,

sonst währe ihr aufgefallen dass eine einzelne rote Messstelle alle Messtellen des betroffenen Grundwasserkörpers auf rot stellt. Ein Unding vor allem dann wenn den Ursachen für die Verunreinigung nicht nachgegangen wird. Verschlafen hat allerdings der Bauernverband, der dieser Problematik seit Jahren nicht nachgeht und sich stattdessen jedesmal mit einem lautem "Mea Culpa" in den Staub wirft anstatt bei Zweifeln über die Integrität unseres Messsystems zu handeln. Ein Entgegenkommen zum NABU wird doch von dieser Seite jedes Mal zuverlässig mit noch mehr Forderungen beantwortet. Wie wäre es mal mit einem TAG DER WASSERBEPROBUNG und eigenen Ursachenforschungen um unsere Zweifel auszuräumen. Auch eigene Messbohrungen in betroffenen Gebieten sollten durchaus ein Thema sein. Frau Awater-Esper allerdings sollte sich eimal die Tücken einer Statistik im Zusammenhang mit der Erhöhung der Dichte des Nitratmessnetzes erklären lassen. Ein anders Thema sind die Forderungen der Gesellschaft an die Landwirtschaft im Bezug auf Produktion und Subvention die leider so konträr in der Abwägung von Ursache und Wirkung mit den Folgen für Weltbevölkerung, Natur und Klima sind dass viele dieser Forderungen niemals durchgeführt werden dürfen. Vielen Menschen in D ist offenbar nicht klar dass eine Produktionsreduzierung bei Lebensmitteln in ärmeren Ländern unweigerlich zu Hunger und Naturzerstörung führt. Ein Wort zum Schluss: man kann sich viele Dinge wünschen, bei vielen Dingen sollte man sich aber wünschen dass Wünsche NICHT in Erfüllung gehen!

von Christoph Blankenburg

Ausgewogenheit sieht anders aus

So sehr ich die Informationen von Stefanie Awater Esper aus Berlin schätze und so sehr ich ihren Kommentar aus der Sicht einer Hauptstadtkorrespondentin auch nachvollziehen kann, wir müssen uns darüber klar sein, dass die Landwirte allein die ökologischen Probleme unseres Landes nicht beheben können. Wenn knapp 2% der Bevölkerung, die im weitesten Sinne in der Landwirtschaft tätig sind, alles auf ihre Schultern laden sollen und die restlichen 98% so weiter leben wie bisher oder ihren Ressourcenverbrauch sogar noch steigern, dann kann das nur Kopfschütteln und Unmut bei den Landwirten auslösen. Ja wir können der Gesellschaft Angebote machen und wir brauchen eine Diskussion über eine gesellschaftlich akzeptierte Landwirtschaft, aber diese Diskussion darf nicht losgelöst betrachtet werden von einer Diskussion über das was jeder einzelne beizutragen hat zur Lösung unserer Probleme. Ausgewogen wäre es, wenn die 98% der Gesellschaft, die bislang vor allem durch Forderungen an Politik und Landwirtschaft auffallen, ihrerseits auch mit Angeboten aufwarten und die sollten ebenso schmerzhaft sein wie die Eingriffe in die unternehmerischen Entscheidungen von Landwirten.

von Otto Klapfenberger

Immer mehr mehr mehr

Forderungen. Langsam erfüllen wir alles was die Grünen vor 15 Jahren forderten. Und die CDU/CSU will die Grünen überbieten. Für diesen Klima- und Ökoterror wird es einen teuren Preis zu zahlen geben für alle in diesem Land. Wir müssen zurück zur Vernunft, zu vernünftiger erfüllbarer Politik. Die wirklichen Populisten sind ausschließlich CDU/CSU, SPD, GRÜNE und die Linke.

von Hans Nagl

Die Strategie des Verschleppens von Maßnahmen hat sich als Bumerang erwiesen

Es war auch für das Image von uns Bauern ein Katastrophe. In den Medien war immer die Schlagzeile die Bauern düngen zuviel. Wir müssen uns den Veränderungen der Gesellschaft stellen. Mit einem weiter wie bisher, kann man bei den Kunden nicht Punkten. Auch der Hinweis auf Grüne Ideologie bringt uns nicht weiter.

von Ahrend Höper

Trotzdem wollen die Menschen, dass die Bauern ......

Woher will denn wohl die Korrespondent in Berlin wissen was "die Menschen" wollen? Mag wohl sein, dass ein paar "links grüne Berliner" (Politiker) krause Ideen haben, aber mit Zitat: "die Menschen" zu argumentieren ist ja nun mal mehr als lächerlich! Genauso lächerlich das Argument, welches eigentlich keines ist: Zitat"Und er verbessert das Ansehen in der Gesellschaft". Warum soll man sich um Ansehen in "der Gesellschaft" bemühen? Die Krönung dieser absolut lächerlichen Argumente ist der letzte Satz: ZITAT" Wenn man die Augen zu lange vor etwas verschließt und nicht zu Kompromissen bereit ist, kommt es später umso schlimmer." Als Die Korrespondentin Berlin für ein landwirtschaftliches Fachblatt sollten Argumente schon fundierter sein.

von Lars Henken

Keiner will bezahlen....

Die Bevölkerung gibt nicht mal mehr 12% ihres Einkommens für Lebensmittel aus. Auflagen und Forderungen werden immer weiter verschärft. Wissenschaft rückt immer weiter in den Hintergrund und entschieden wird nach politischer Opportunität. Wir Bauern werden als Lobbyisten beschimpft und im Umweltministerium regiert der Nabu. Wenn es dann aber darum geht, wer für die Forderungen und Auflagen zahlen soll, dann haben wir ganz schnell das schweigen im Walde und die Discounter befriedigen weiter der Geiz-ist-Geil-Mentalität der Verbraucher. Wie soll da ein Angebot denn Aussehen, dass die Landwirtschaft auch tragen kann? Wenn wir ein Angebot machen, dann können wir ganz sicher davon ausgehen, dass darauf von der Politik noch kräftig aufgesattelt wird. Reich jemandem den kleinen Finger und er wird Dir den Arm ausreißen, so ist meine Erfahrung aus den letzten 20 Jahren. Wie sollen wir auf kleinparzellierten Flächen, Biolandwirtschaft mit den Werkzeugen unserer Großväter betreiben und dabei unsere Tiere mindestens 3 Stunden am Tag beglücken zu den aktuellen Preisen? Wir Landwirte könnten alles tun was gefordert wird, es klemmt halt immer nur an der Bezahlung und egal was wir anbieten, der Strukturwandel wird im Eiltempo weiter gehen. Dazu kommt dann nicht nur der wirtschaftliche Druck, sondern auch die Tatsache, dass potentielle Hofnachfolger sich diesem Gesellschaftlichen Druck nicht mehr aussetzen wollen und einen anderen Beruf ergreifen und dafür habe ich absolutes Verständnis. ganz ehrlich hätte ich vor 30 Jahren gewusst, wie es in der Landwirtschaft heute zugeht, dann hätte ich einen anderen Beruf erlernt. Wenn man durch die Verpachtung der eigenen Flächen mehr Einkommen erzielen kann, als bei einer aktiven Bewirtschaftung, dann ist einiges im Argen. Wenn niemand bereit ist die Musik zu bezahlen, dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis keine Kapelle mehr spielt!

von Klaus Fiederling

Eins-zwei-drei, im Sauseschritt läuft die Zeit; wir laufen mit. (Wilhelm Busch)

Wie so schön üblich, hinken wir Bauern der Zeit allerdings mächtig hinterher. - Warum? // Anmerkung: Die Agrarzahlungen sind angedacht für die Grundeigentümer, stehen mithin selbigen auch zu. Demgemäß werden diese von den Bewirtschaftern/Bauern durchgereicht. Wer mit solchen Tatsachen nicht umzugehen vermag, sollte sich endlich unmissverständlich dafür stark machen, dass ein solches Instrumentarium durchaus verzichtbar ist. // Die uns Bauern unterstellte Naivität, wir könnten allenfalls „eingebildet“ alleine von unseren Produktpreisen leben, offenbart unverblümt schmerzhaft, dass wir Bauern wirklich alles andere sind, nur KEINE FREIEN UNTERNEHMER!!! Welcher Wirtschaftszweig -bitte schön- kann sich das noch erlauben!? Welche Hybris entzweit ein harmonisches Zusammenspiel von uns Bauern mit dem Rest der Gesellschaft? Stellen wir uns mithin endlich der Frage, wie wir unsere Produktionen auf den Höfen zeitgemäß wettbewerbsfähig aufstellen können, unverzichtbar marktkonform und vor allen Dingen bedarfsgerecht. Wenn wir davon nicht existieren können sollen, dann muss Deutschland, die gesamte EU, seine Bauern eben abschaffen - und mit Verlaub, genau daran arbeitet man aktuell mit Hochdruck; fatal, wenn man DAS(!) nicht einmal mehr wahrnimmt! // Julia Klöckner, Zitat: „Es war noch nie so einfach, Geld in den Parlamenten für Tierwohl zu beschaffen.“ Wie aber korrelieren solche aberwitzigen Aussagen mit der unverkennbaren Abnahme der Höfe gerade im Sektor der Nutztierhaltung!? Diese Bauern stimmen gegenwärtig doch schlichtweg brutalst mit ihren Füßen ab. Warum? // Da capo al coda - wie/wer spielt die Musik!? Der gesamte Bauernstand hat sich bislang lückenlos treudoof ergeben daran orientiert, was unsere intellektuell befähigten Vordenker in den vergangenen Dekaden auf den Weg gebracht haben, um uns selbiges hernach gnadenlos aufoktroyieren zu wollen. In welche absolute Sackgasse hat ein solcher blinder Gehorsam uns nun geführt!? // Wir Bauern müssen jetzt akzeptieren lernen, dass unsere Gesellschaft von uns eine andere Produktionsweise einfordert, weg von den Maximalerträgen, hin zu mehr Umwelt- und Artenschutz unter einer neu zu definierenden Vielfalt auf dem Acker. Bei einem solchen Prozess müssen die Bauern allerdings auch begleitend gebetsmühlenartig glasklar zum Ausdruck bringen, dass gegenwärtig all jene Teilnehmer innerhalb der gesamten Wertschöpfungskette gutes, sehr gutes Geld, AN der LW verdient haben/verdienen, die Bauern selbst hingegen, Argumentation wie vor(!), dabei sukzessive am langen Arm verhungern. - Warum bekommt es unsere berufsständische Vertretung noch immer nicht gebacken, hier eindeutig und vollkommen unmissverständlich Ross und Reiter zu benennen!? // Dahingehend kritische Zeitgeiststimmen auf dem vor der Tür stehenden Bauerntag in Leipzig vernehmen zu dürfen, bleibt wohl allenfalls Wunschdenken. Soviel Würze könnte sprichwörtlich denjenigen ihr „Gourmetsüppchen“ gehörig versalzen, die selbst mit einem Lorbeerkranz gekrönt sich mit stolz geschwellter Brust durch die Publikumsreihen schlängeln... // Harren wir im übrigen der Dinge, wenn sich so manche Insektenpopulationen in der kommenden Woche bei um die 40 Grad explosionsartig ausbreiten, wahre Wellen über das Volk hinwegschwappen; äußerst interessant werden diese Reaktionen gerade derjenigen sein, die per Kreuzchen in Sekundenschnelle das eigene Gewissen unlängst erst erleichterten. // Erst dieser Tage bin ich auf erhebliches Unverständnis seitens unserer Kommune gestoßen, wenn ich diesem genau definierten Umweltschutzansinnen aller Bürger entsprechend, mich geweigert habe, auf den öffentlichen Gehwegen den munter sprießenden Löwenzahn vor der Fronleichnamsprozession zu entfernen und ich ein solches Ansinnen ggf. in die Zuständigkeit der Kommune zurückverwiesen habe. Man hat mich lapidar auf die Gemeindesatzung, auf meine darin festgeschriebenen Bürgerpflichten hingewiesen, eine Adaption des erfolgreichen Volksbegehren „Pro Biene“ ist da leider noch nicht umgesetzt. Was ist nun also meine „Bürgerpflicht“ als Bauer!? Pflanzen- und Insektenschutz oder von jedwedem Grün gesäuberte (teure) Pflasterstein-Gehwege!? Heut HÜ, morgen HOTT! - Alle aber wissen glasklar, was vom Umweltverschmutzer und Brunnenvergifter „Bauer“ künftig eingefordert werden muss.

von Jörg Meyer

Ja es muss sich etwas grundsätzlich ändern!

über die Richtung der Änderung müssen wir aber fachlich und rational diskutieren! Die aktuellen Situation der politischen Kultur mit immer mehr Populismus in allen Bereichen kann einen schon ein wenig ängstigen! Hier werden Statistiken manipuliert, mit Halbwahrheiten gearbeitet und anstatt rational emotional diskutiert, dass ganze führt zu besorgniserregenden Entwicklungen in vielen Politikfeldern! Aber bleiben wir im Agrarbereich: An Düngeauflagen hat es uns gestern nicht gemangelt und mit der neuen Reform erst recht nicht! Wir haben vor allem ein Umsetzungsproblem in der Beratung und den Kontrollen, diese werden mit neuen Auflagen nicht behoben! Schaue ich mir aktuell die Nährstoffströme an, so muss schon schon fragen: "Wo ist all die Scheiße geblieben, bvor sie durch Deutschland gekarrt wurde?" Ja sie wurde vor Ort "verklappt" und das ist und war nie ok! Aber noch was Grundsätzliche zu diesem Kommentar von Frau Awater-Esper: Zum einen brauchen wir konventionellen Landwirte endlich ein eigenes kompromisloses Sprachrohr, so wie die Bioverbändes das auch sind! Zum anderen sollte man die heutige Form der Apo abschaffen, das Prämiensystem komplett auslaufen lassen über 5-10 Jahre und dafür andere Entwicklungen in ländlichen gebieten stärker fördern! Wo ist denn der Sinn weiter Investitionen in Märkte zu fördern die keine kostendeckende Preise bringen ? Auch die Flächeprämeine gehören komplett abgeschafft, da sie durchgereicht werden an Verpächter..Und auch andere Vor- und Nachgelagerte Bereiche würden sich massiv ändern, auch die Presselandschaft im Agrarsektor würde optimaler Strukturen bekommen und zu guter letzt würde Umweltschutz viel billiger, weil Fläche günstiger wird und manche Flächen kostenlos der Artenvielfalt zu 100% zur Verfügung ständen!

von Jörg Meyer

Ja es muss sich etwas grundsätzlich ändern!

über die Richtung der Änderung müssen wir aber fachlich und rational diskutieren! Die aktuellen Situation der politischen Kultur mit immer mehr Populismus in allen Bereichen kann einen schon ein wenig ängstigen! Hier werden Statistiken manipuliert, mit Halbwahrheiten gearbeitet und anstatt rational emotional diskutiert, dass ganze führt zu besorgniserregenden Entwicklungen in vielen Politikfeldern! Aber bleiben wir im Agrarbereich: An Düngeauflagen hat es uns gestern nicht gemangelt und mit der neuen Reform erst recht nicht! Wir haben vor allem ein Umsetzungsproblem in der Beratung und den Kontrollen, diese werden mit neuen Auflagen nicht behoben! Schaue ich mir aktuell die Nährstoffströme an, so muss schon schon fragen: "Wo ist all die Scheiße geblieben, bvor sie durch Deutschland gekarrt wurde?" Ja sie wurde vor Ort "verklappt" und das ist und war nie ok! Aber noch was Grundsätzliche zu diesem Kommentar von Frau Awater-Esper: Zum einen brauchen wir konventionellen Landwirte endlich ein eigenes kompromisloses Sprachrohr, so wie die Bioverbändes das auch sind! Zum anderen sollte man die heutige Form der Apo abschaffen, das Prämiensystem komplett auslaufen lassen über 5-10 Jahre und dafür andere Entwicklungen in ländlichen gebieten stärker fördern! Wo ist denn der Sinn weiter Investitionen in Märkte zu fördern die keine kostendeckende Preise bringen ? Auch die Flächeprämeine gehören komplett abgeschafft, da sie durchgereicht werden an Verpächter..Und auch andere Vor- und Nachgelagerte Bereiche würden sich massiv ändern, auch die Presselandschaft im Agrarsektor würde optimaler Strukturen bekommen und zu guter letzt würde Umweltschutz viel billiger, weil Fläche günstiger wird und manche Flächen kostenlos der Artenvielfalt zu 100% zur Verfügung ständen!

von Heinrich-Bernhard Muenzebrock

Es kommt noch schlimmer

Die Messwerte werden auch in den nächsten Jahren zu hoch ausfallen und dazu fuehren, dass die Auflagen weiter verschaerft werden. Wann werden die Politiker kapieren, dass es Resultate aus der Vergangenheit sind. Wasser benoetigt Jahre und Jahrzehnte um den Messbereich zu erreichen. Die Duengeverordnung 2017 war vollkommen ausreichend um die Nitratwerte nachhaltig zu senken. Da wird das Gehirn abgeschaltet. Fuer die Politik ist die heutige moderne Landwirtschaft nicht mehr zielfuehrend. Die Regale sind gut gefuellt, die Baeuche auch und so beginnt man mit der Demontage.

von Bernhard ter Veen

was vergessen wird...

ist, dass wir Landwirte NAHRUNGSMITTEL produzieren... Nur Sreichelzoo und Naturschutzgebiete pflegen bringt NIEMAND etwas. ...keine andere Sparte hier bei uns hat mit sinkenden Erlösen und Einkommensverlusten zu kämpfen... NUR wir Landwirte. Die Allmosen aus Brüssel retten NUR die Grossagrarier und Konzerne. ...und die Politik hat nichts anderes zu tun, als pausenlos ihre DIÄTEN und AUFWANDSENTSCHÄDIGUNGEN ins Uferlose nach oben zu schrauben. Alle anderen müssen deren Wahnsinn mitfinanzieren. also fangt doch erstmal gleich bei euch selbst an und FRIERT die POLITIKGEHÄLTER mit jährlicher Modulationsabschlagung von 15% ein. so läuft es ja auch bei uns Landwirten. ... denkt mal drüber nach wieviel Geld danach frei für wichtigere Dinge werden würde...

von Manfred Sommer

Düngeverordnung

In BW gibt es schon seit 1988 ein Wasserschutzgesetzt das für die Landwirtschaft in Gebieten mit hohen Nitratwerten umfangreiche Bewirtschaftungsauflgen gebracht hat . Für erhöhten Aufwand und Minderertag gibt es einen Ausgleich. Das ganze wurde durch umfangreiche Beratung begleitet. Wir bewirtschaften Flächen in drei verschiedenen Wasserschutzgebieten die dadurch schon vor Jahren durch kontinuierlich Sinkende Werte von Problem in Normale Wasserschutzgebiete zurück gestuft werden konnten! Nun wird durch das Neue verpflichtende Bundeseinheitliche Dünggesetz das erfolgreiche BW Modell ausgehebelt.

von Michael Behrens

Nein, Schluss mit immer neuen "Aufgaben/Herausforderungen"!

Den Schuh als Nitratsünder zieh ich mir nicht an! Keiner weiß genau was von welchen Messstellen gemeldet wurde und wird? Warum klagt der Bauernverband nicht auf Offenlegung aller Messstellen? Barbara Hendriks hat das alles mit eingefädelt, ich erinnere nur an ihre Plakat Aktion gegen die Landwirtschaft! Der ehemalige Landwirtschaftsminister Meyer in Niedersachsen hat damals schon gesagt "wir werden dafür sorgen das die Produktion zurück gefahren wird". Und genau das passiert! Überall neue Naturschutz Flächen, Millionen von Hektar! Bei Kompensations Maßnahmen wird sich immer kräftig an der Landwirtschaft bedient! Immer neue Auflagen in jedem Produktions Bereich! Nein, Landwirtschaft ist in Deutschland nicht mehr erwünscht! Da nützen neue Anbiederungs Versuche überhaupt nichts! Jeder guter Wille von uns reicht den NGO's nicht und wird es auch nie! Schluss mit immer neuen Aufgaben! Das dürfen wir unserer nächsten Generation nicht aufbürden!!!

von Wilhelm Grimm

Nein Frau Awater-Esper, nicht mit mir !

In ähnlicher Weise hat Frau Awater-Esper in einem Leitartikel vor etwa zwei Jahren auch schon argumentiert. Wo ist denn der Nachweis, dass wir flächendeckend Grundwasser gefährdent unterwegs sind. Den gibt es nicht. Die roten Gebiete sind an Unehrlichkeit nicht zu überbieten, die Auswirkungen werden eine Katastrophe sein. Warum melden wir nicht alle Messstellen ? Dann würde sich zeigen, dass wir gut sind. Einzelfälle rechtfertigen die Auflagen für alle nicht, das ist weit überzogen und nicht hinnehmbar. Unsere guten jungen Leute werden sich der von ihnen befürworteten staatlichen Bevormundung nicht beugen und lieber abhauen und die Landwirtschaft extensiv nebenher laufen lassen oder ganz aufgeben. Es ist doch rhetorischer Schnickschnack, wenn sie von uns ein Angebot an die Gesellschaft fordern., Das machen wir täglich mit unserer "Guten fachlichen Praxis" und In der Regel auch guten Grundwasserwerten. Man muss nur richtig messen.

von Willy Toft

Was hat die Gesellschaft denn für uns übrig?

Wir sind ständig am Nachbessern, nach den besten Wissen und Gewissen bewirtschaften wir unsere Höfe, und was bekommen wir dafür? So kann man auch die Landwirte in die Knie zwingen, nur wer soll das Neue noch umsetzen, wenn die Kassen leer bleiben? Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit, man muss aber kostspielige Versuche nicht auf die Spitze treiben! Wir kochen alle nur mit Wasser, da wir vom Umrühren kein Wein draus!

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