Kexxtone: ARD-Magazin wirft Milchbauern Doping der Kühe vor

In dieser Woche wurde in der ARD-Sendung Plusminus der Eindruck erweckt, Kühe in Deutschland erhielten flächendeckend „Dopingmittel“, um eine hohe Milchleistung zu erbringen. Konkret geht es dabei um den Einsatz des Medikaments Kexxtone zur Bekämpfung von Stoffwechselstörungen. Künast wittert Verbraucherbetrug.

In der vergangenen ARD-Sendung Plusminus wurde der Eindruck erweckt, Kühe in Deutschland erhielten flächendeckend „Dopingmittel“, um eine hohe Milchleistung zu erbringen. Konkret wurde dabei das seit April 2013 für den deutschen Markt zugelassene Mittel Kexxtone zur Bekämpfung von Stoffwechselstörungen als Beispiel aufgegriffen.

Laut der Sendung wird der Druck der Märkte immer größer. Der Umsatz mit Milchprodukten betrage 23 Mrd. Euro. „Auf der Strecke bleiben die Kühe“, kritisiert der Tierarzt Rupert Ebner in dem Beitrag. „Die Zucht geht den Weg zu immer mehr Milch pro Tier. Hochgezüchtet und jedes Jahr schwanger verkommt die Kuh zur Produktionseinheit.“ Kexxtone wirke dabei gegen eine Stoffwechselerkrankung der „lebenden Milchmaschinen“. Und sichere so den weiteren Ertrag.

Weil die Kuh primär Milch produziere, träten als Folge Entzündungserkrankungen wie Uterus-, Klauen- oder Eutererkrankungen auf. Das sei auch alles gut dokumentiert, erklärt anschließend der langjährige Vorsitzende der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft, Prof. a.D. Dr. Holger Martens. Kexxtone könnte dies ein bisschen korrigieren. „Und damit korrigiert man eine züchterische Fehlentwicklung, der man ganz anders begegnen muss“, so Martens.

Kexxtone, kritisiert Tierarzt Ebner, werde zu einem Zeitpunkt eingesetzt, wo die Kuh völlig gesund sei. „Das Mittel nimmt Einfluss auf die Physiologie, auf den Pansenstoffwechsel der Kuh in der Erwartung, dass diese Krankheit irgendwann eintritt. Und damit verhindert man, dass der Bauer sich Mühe gibt, die Kühe perfekt zu füttern.“ Gleichzeitig ermögliche man noch höhere Milchleistungen. Seine Behauptung: Tiere mit Kexxtone geben bis zu 500 Liter Milch mehr im Jahr. Dank des Wirkstoffs Monensin, der schon 2006 als Futterzusatz verboten wurde. Der gleiche Stoff sei heute in neuem Gewand im Einsatz.

Dr. Enno Gottschalk vom Hersteller Eli Lilly weist dagegen darauf hin, dass das Mittel einen komplett anderen Ansatz verfolgt. Man könne das Produkt, das vor 8-10 Jahren auf dem Markt war, nicht mit dem heutigen vergleichen.

Zu Wort kommen darf auch wieder die ehemalige grüne Landwirtschaftsministerin Renate Künast, die von Verbraucherbetrug spricht und gleich entsprechende Vorwürfe in Richtung des politischen Gegners mitschickt.

DBV: Tierbetreuung und gutes Futter erbringen die Leistung!

Der Bauernverband stellt dazu klar, dass Kühe in deutschen Ställen nur aufgrund intensiver Tierbetreuung, verbunden mit modernen Stallsystemen und einer hochqualitativen Fütterung, hohe Leistungen erbringen. Anderer „Zusatzmittel“ bedürfe es dafür nicht!

Die in den letzten Jahrzehnten zu beobachtende Steigerung der Milchleistung konnte aufgrund eines besseren Kuhkomforts zusammen mit züchterischen Fortschritten erreicht werden. Ein entscheidendes Zuchtziel ist heute die Langlebigkeit der Milchkühe. Je älter eine Kuh wird, desto wertvoller ist sie für den Bauern.

Der DBV empfiehlt Interessierten, sich auf www.mykuhtube.de einen Überblick über die Vorzüge der modernen Kuhhaltung und Milcherzeugung zu verschaffen.

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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