EUROPA/Unfaire Handelspraktiken/UTP

Kommt es zum show down um unfaire Handelspraktiken?

Wie fair sind die Erzeugerpreise im Lebensmittelhandel wirklich? Der Agrarausschuss des EU-Parlaments befasst sich an diesem Montag mit dem umstrittenen Trilogergebnis zum EU-Richtlinienentwurf über unfaire Handelspraktiken (UTP). Den Landwirten sollen faire Geschäftsbedingungen mit Handel und Industrie in der Lebensmittelkette gesichert werden.

Die von der österreichischen Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger unter der alpenländischen EU-Ratspräsidentschaft noch vor Weihnachten in der sechsten Trilog-Sitzung ausgehandelten Kompromisse zum Thema Unfaire Handelspraktiken (UTP), kommen im Agrarausschuss des Europäischen Parlaments (EP) am Montag erneut auf den Prüfstand.

Was Köstinger als persönlichen Erfolg verbuchte, geißelte der Handelsverband Deutschland (HDE) als „beispiellosen Eingriff in die Vertragsfreiheit“. Das Plenum des EU-Parlaments will in der zweiten Januarwoche in Straßburg die UTP-Vorlage abschließend beraten. Dem Votum des EP-Agrarausschuss kommt daher große Bedeutung zu.

Der europäische Dachverband der Landwirte und Genossenschaftsbetriebe (Copa Cogeca) begrüßte das erzielte Ergebnis: „Copa und Cogeca sind überzeugt, dass die Umsetzung der Richtlinie zu transparenteren, ausgewogeneren und faireren Beziehungen zwischen allen Beteiligten der Lebensmittelversorgungskette führen wird“. Seit über zehn Jahren hätten Copa Cogeca eine Richtlinie zur Bekämpfung unlauterer Handelspraktiken in der Lebensmittelversorgungskette gefordert.

Seit über zehn Jahren macht sich Copa Cogega für faire Preise stark

„Jetzt hoffen wir, dass sowohl die Vertreter des Rates als auch die europäischen Abgeordneten den endgültigen Kompromiss zeitnah verabschieden werden, damit die Richtlinie so rasch wie möglich umgesetzt wird“, erklärte Copa Cogega-Generalsekretär Pekka Pesonen.

Es obliegt dem italienischen sozialdemokratische Europaabgeordneten Paolo De Castro als EP-Berichterstatter, die Ausweitung des Geltungsbereichs der geplanten UTP-Richtlinie auf Unternehmen bis zu 300 Millionen Euro Jahresumsatz im EP-Agrarausschuss zu rechtfertigen. Der Kommissionsvorschlag hatte die Umsatz-Schwelle auf 50 Millionen begrenzt. Der Lebensmitteleinzelhandel sieht sich dadurch benachteiligt. Die großen Lebensmittelhersteller und Molkereibetriebe würden bereits heute weit höhere Gewinnmargen einstreichen als der Einzelhandel.

Diskussion um Wettbewerbsregeln in der Landwirtschaft und Urteil zu neuen Züchtungstechniken

„Die EU schiebt effizienten Verhandlungen zwischen Händlern und multinationalen Lebensmittelkonzernen einen Riegel vor. Statt wie ursprünglich geplant Landwirten zu helfen, baut die EU einen Schutzzaun um Konzerne, die zweistellige Renditen erwirtschaften. Der Handel rechnet in der Folge mit steigenden Verbraucherpreisen“, zeigte sich HDE-Präsident Josef Sanktjohanser enttäuscht.

Des Weiteren stehen im EP-Agrarausschuss zu Beginn der neuen Woche der Bericht über die Anwendung der EU-Wettbewerbsregeln in der Landwirtschaft und eine Aussprache über das unlängst ergangene Urteil des Europäischen Gerichtshofs zu neuen Pflanzen-Züchtungstechniken auf der Tagesordnung.

Bundesregierung plant weitere Verschärfungen in der Düngeverordnung

Meldung verpasst? Wir verhindern, dass Sie nicht mitreden können. Tragen Sie sich jetzt für unseren Newsletter ein und wir benachrichtigen Sie über alle wichtigen Ereignisse rund um die Landwirtschaft.

Artikel geschrieben von

Thomas A. Friedrich

Korrespondent Brüssel/Straßburg

Schreiben Sie Thomas A. Friedrich eine Nachricht


Diskussionen zum Artikel

Kommentar schreiben

von Gerhard Steffek

Marktgleichgewicht!!!!

Solange dieses nicht gewährleistet ist, wird das nie was mit fairen Preisen. Im bay. landwirtschaftlichen Wochenblatt wurde in der letzten Ausgabe zu Recht darauf hingewiesen das es schon erschreckend ist, daß fünf Lebensmittelhändler 80 % des Marktes beherrschen, aber Genossenschaften oder Erzeugergemeischaften nur 4 % des Marktvolumens erreichen dürfen. Solange hier die Politik nicht für gleiche Spielregeln sorgt, solange wird der Bauer immer nur das Opfer des Marktes sein. Egal wer den Rahm abschöpft.

von Rudolf Rößle

LEH (Gewinnmarge bei Molkereien hoch)

dieser Kommentar ist entweder falsch wiedergegeben oder es folgt der Schluss, dass Genossenschaften generell schlecht wirtschaften und niedere Gewinne erzielen trotz hoher Handelsspanne. Die Privaten sind dann Egoisten hoch drei und Horten ihre Gewinne wie Dagobert Duck. Generell dürfte der Erzeugerpreis also nie einbrechen. Es wäre an der Zeit die Gewinne mit dem Handelsregisterauszug der Privaten zu veröffentlichen und dem Jahresauszahlungspreis. Die Genossen können die Bilanz ja schicken.

von Gerd Uken

Seit über 10 Jahren setzt sich C C für

Faire Preise „des Handels“ ein So könnte man das auch lesen. Ich habe in den letzten 10 Jahren mindestens 3 Milchkrisen miterlebt.....u. von fairen Preisen nicht die Spur! Selbst das Kartellamt ist nicht eingeschritten. Auchcder besagte Artikel 148 wird nicht umgesetzt-ich glaube auch nicht das ich das noch erleben werde? In den letzten 10 JHten haben 30% der Milchviehhalter aufgegeben das ist auch Fakt

von Hermann Kamm

naja

wenigstens die Österreicher haben noch ein Rechtswert Gefühl!!!! Das zb. in der BRD schon lange vermisst wird.

von Willy Toft

Ob wir das noch erleben?

Da werden kuriose Ausreden gesucht, nur um den Landwirtschaften Produzenten eben um ihren gerechten Lohn zu prellen. Kein Lohnempfänger hier, möchte den durchschn. Lohn der Weltgemeinschaft auf seinem Konto haben! Wir Landwirte müssen hier die Dienstleitungen bezahlen, und dafür brauchen wir gerechte auskömmliche Preise, die dem Ganzen gerecht werden.

von Martin Siekerkotte

artikel 148

umsetzen

Diskutieren Sie mit

Tragen Sie mit Ihrem Beitrag zur Meinungsbildung zu diesem Artikel bei.

Sie müssen sich einloggen um Kommentare zu bewerten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen