Grüne Woche

Kritischer Agrarbericht mahnt Agrarwende an

Am Donnerstag hat das Agrar Bündnis seinen diesjährigen "Kritischen Agrarbericht" vorgestellt. Stellvertretend für die Gruppe sprachen Bernd Voß (AbL), Thomas Schröder (Tierschutzbund) und Hubert Weiger (BUND) die drängendsten Probleme an. Insbesondere stört sie der erfolgreiche Einfluss von Agrarpolitikern auf Entscheidungen.

Was die gesellschaftlichen Erwartungen an Tierwohl, Umwelt-, Klimaschutz und Artenvielfalt angeht, sind die meisten Bauern zu Veränderungen bereit, aber sie können nicht auf den höheren Kosten sitzen bleiben. Das hat Bernd Voß von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) am Donnerstag bei der Präsentation des „Kritischen Agrarberichts 2019“ des Agrar Bündnis auf der Grünen Woche erklärt.

Er schlägt vor, die bisher pauschal je Hektar Fläche gezahlten Agrarprämien in eine zielgerichtete Honorierung konkreter Leistungen der Betriebe für Umwelt, Tierschutz und lebendige Dörfer umzuleiten. Gleichzeitig müssten substanzvernichtende Preiskrisen durch faire Marktregeln verhindert werden.

Leider sei die Realität so, dass einige Agrarpolitiker, die nebenbei noch landwirtschaftliche Betriebe haben, in Brüssel sämtliche Vorschläge abblockten. Hubert Weiger vom BUND sagte es noch deutlicher: „Wir müssen jetzt die Namen der Politiker nennen, die in Entscheidungsgremien Vorschläge verhindern und Lobbyarbeit aus eigenem Interesse heraus betreiben.“ Beispielhaft sprach er das Thema Ferkelkastration an, wo gewisse Politiker ihren Einfluss gegen den Willen der Bürger und vorherige Beschlüsse ausgespielt hätten.

Schröder: „Klöckner hat sich erpressbar gemacht“

Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, äußerte sich kritisch zu den Ideen des Landwirtschaftsministeriums für eine Fleischkennzeichnung: „Ein freiwilliges, staatliches Tierwohlkennzeichen muss ein wirkliches Mehr an Tierschutz bieten. Ein zu geringer Abstand zu den gesetzlichen Vorgaben würde das gesamte System belasten und Vertrauen beim Verbraucher zerstören. Zudem darf es nicht als Abwehr ordnungsrechtlicher Maßnahmen missbraucht werden. Zuallererst liegt die Verantwortung des Staates in der Durchsetzung von Ordnungsrecht.“

Schröder hält ein staatliches Tierwohlkennzeichen als alleinige Insellösung für ungeeignet, um die Herausforderungen in der landwirtschaftlichen Tierhaltung zu lösen: „Es braucht eine nationale Nutztierstrategie, in die ein Tierwohlkennzeichen als ein zentrales Element eingebettet sein muss. Der Tierhalter, der weit vor einer im Ordnungsrecht gesetzten Frist investiert und umstellt, hat dann die Chance, einen Mehrwert auf dem Markt zu erreichen, weil der mit seinen Vorleistungen ‚werben’ kann.“

Wie er auf der Grünen Woche erklärte, habe sich Ministerin Klöckner erpressbar gemacht, weil sie ihr Tierschutzlabel SOFORT und in der Breite wolle. „Da sagen die Bauern, das geht nur, wenn die Haltungskriterien niedrig sind“, so der Tierschützer. Die Umsetzung hoher Kriterien brauche dagegen Zeit. Daher reiche solch ein Katalog an Vorgaben nicht aus. Notwendig sei ein umfangreiches Konzept mit Förderung. Der Tierschutzpräsident ärgert sich, dass Klöckner den Erfolg des Tierschutzlabels vom Verbraucher abhängig mache, also ob er die Produkte kauft oder nicht. Laut Schröder müsse der Staat jedoch aktiv die Verbreitung und den Erfolg des Labels mitgestalten.

Von Klöckner fordert er beispielsweise Aussagen zur Kontrolldichte, zum konkreten Verwendungszweck der Fördergelder und Instrumente zur Weiterentwicklung. „Außer Geld für Werbung hat Klöckner 0,0 % für ihr Label ausgegeben. Solange nichts zu den Details bekannt ist, können wir ihr Tierwohllabel auch nicht bewerten“, so Schröder.

Ohne Neuausrichtung sind die Insekten nicht zu schützen

Für Hubert Weiger, Vorsitzender des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), ist das Insektensterben und der Artenschwund wichtigstes Thema. Er ist überzeugt, dass die EU mit ihrer Politik zu der heutigen Negativentwicklung beigetragen habe. „Und es werden immer noch politisch zu wenig Konsequenzen aus den Fehlern gezogen“, sagte der Naturschützer. Auch er spricht sich für eine Änderung der Agrarförderung und eines Wechsels zum Ökolandbau aus, um die Agrarbiodiversität zu erhalten. „Die EU-Agrar­minister müssen die Mittel der GAP so einsetzen, dass natürliche Lebensräume geschützt und naturnahe Räume in der Umgebung von Agrarlandschaften geschaffen werden können“, forderte Weiger.

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Werner Danzeisen

Ich bin BioBauer und geh da bewusst nicht hin. Ich liebe meine Freiheit und lass mich weder von der Agrochemilobby noch von tierwohlverachtenden Wolfschützern vor den Karren spannen.

von Heinrich Roettger

Traurig ,wenn Praktiker/Landwirte das unterstützen

Die AbL sollte mehr Sachverstand demonstrieren.Wer hat den Biogasboom losgetreten und Gülle und Nawarobonus zusammengepackt?? Jetzt sind die Bauern wieder schuld , obwohl Sie nur versuchen politikkonform nachwachsende Rohstoffe zu produzieren. Gärreste werden sehr gerne in der Ökolandwirtschaft eingesetzt und über weite Entfernungen in die Ackerbauregionen transportiert, aber den Biogasboom wollen die Politiker plötzlich nicht mehr ausgelöst haben. Wo ist die Glaubwürdigkeit dieser Akteure???

von Albert Maier

Beschämend!

Es ist beschämend, dass sich die ABL für einen solchen STuss hergibt. Die Bauern hätten eine bessere Agraropposition verdient.

von Jörg Meyer

Ich hab es soo satt

Jedes Jahr die gleiche Leier ohne wirkliche Substanz zur IGW mit Argumenten von gestern, die sich schon als falsch erwiesen haben oder mit noch nicht veröffentlichten zweifelhaften Studien untermauert! Was wirklich neues kommt so gut wie nie, auch die Kostüme der Demo werden allmählich langweilig.

von Wilhelm Grimm

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und der ewige Run auf Staatsknete.

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