Landwirte blicken pessimistisch in die Zukunft

Die Landwirte wollen sich mit Investitionen in diesem Jahr zurückhalten. Sie bemängeln fehlende politische Planungssicherheit. Im Stimmungsbarometer des Deutschen Bauernverbandes (DBV) bewerten sie ihre Erwartungen an ihre künftige wirtschaftliche Lage schlechter als die Aktuelle.

Nach den Ergebnissen des aktuellen Konjunkturbarometers Agrar des Deutschen Bauernverbandes (DBV) für den Monat März hat sich die Einschätzung der wirtschaftlichen Lage durch die Landwirte gegenüber Dezember 2018 verschlechtert. Während die aktuelle wirtschaftliche Situation stabil beurteilt wird, haben sich die Zukunftserwartungen weiter eingetrübt, heißt es beim DBV. Die Investitionsplanungen der Landwirte würden deutlich zurückgenommen.

Aktuell ist der Index des Konjunkturbarometers Agrar gegenüber der vorangegangenen Erhebung von 23,9 Punkten auf 22,3 Punkte zurückgegangen. Der aktuelle Indexwert entspricht in etwa dem Wert von März 2018 (22,1), liegt aber erheblich unter den Indexwerten früherer Jahre. Den letzten Spitzenwert des Barometers gab es im März 2011 mit gut 36 Punkten. Der Indexwert fasst die Einschätzung der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung und die Erwartungen an die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung zusammen.

„Landwirte scheuen derzeit Investitionen, weil politische Planungssicherheit fehlt. Wir brauchen dringend mehr Verlässlichkeit und Langfristigkeit in den politischen Entscheidungen. Die derzeitige Verunsicherung gefährdet den Landwirtschaftsstandort Deutschland“, kommentierte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, die Stimmungslage.

Die Investitionsplanungen der Landwirte für die kommenden sechs Monate liegen unter dem entsprechenden Vorjahresstand. Nur 29 Prozent der Landwirte wollen in dieser Zeit investieren; vor einem Jahr waren es 35 Prozent. Das für die nächsten sechs Monate geplante Investitionsvolumen liegt mit 4,1 Milliarden Euro um 0,4 Milliarden Euro unter dem entsprechenden Vorjahresstand. Das relativ hohe Niveau der Jahre 2013 und 2014 mit geplanten halbjährlichen Investitionsvolumina von gut 6 Milliarden Euro wird weit verfehlt. „Investitionen in eine leistungsfähige Landwirtschaft sichern auch viele Arbeitsplätze in den vor- und nachgelagerten Wirtschaftsbereichen. Investitionen in Ställe gehen grundsätzlich mit mehr Tierwohl einher“, kommentiert der DBV die Entwicklungen.

Vom aktuell geplanten Investitionsvolumen in Höhe von 4,1 Milliarden Euro entfallen auf den Bereich Ställe und Stalltechnik 2,1 Milliarden Euro. Gegenüber dem entsprechenden Vorjahreswert ist dies ein Minus von 0,4 Milliarden Euro. Mit 0,9 Milliarden Euro fallen die vorgesehenen Maschineninvestitionen im Jahresvergleich um 0,1 Milliarden Euro geringer aus. 0,9 Milliarden Euro sind für Investitionen in Erneuerbare Energien vorgesehen (plus 0,2 Mrd. Euro).

Die Liquidität der Betriebe hat sich gegenüber Dezember kaum verändert. Als Spätfolge des Dürresommers 2018 ist die Liquiditätssituation im Osten Deutschlands besonders angespannt. Ein Viertel der Landwirte dort spricht von einer angespannten oder sehr angespannten Situation, heißt es beim DBV. Unter den Betriebsformen klagten die Veredlungsbetriebe besonders häufig über eine schwierige Liquiditätslage.

Auf der Notenskala von 1 bis 5 wird die aktuelle wirtschaftliche Situation im Durchschnitt der Betriebe mit 2,97 besser beurteilt als die künftige Entwicklung mit einem Wert von 3,10. Gegenüber Dezember 2018 hat sich die Einschätzung in den einzelnen Betriebsformen kaum verändert. Die Zukunftserwartungen haben sich in den Veredlungsbetrieben weiter verbessert. In den Acker- und Futterbaubetrieben dagegen haben sich die Erwartungen an die wirtschaftliche Zukunft gegenüber September und Dezember 2018 weiter eingetrübt.

Neben der vielfach enttäuschenden Entwicklung der Erzeugerpreise in den letzten Monaten bei Getreide, Milch und Rindern schreibt der DBV der nationalen Agrarpolitik einen dämpfenden Einfluss auf die aktuelle Stimmungslage in der Landwirtschaft zu. Von der aktuellen Entwicklung der Schweinepreise und Einkaufspreise für Futtermittel, Düngemittel und Energie geht dagegen laut DBV ein positiver Einfluss auf die Stimmungslage in den Betrieben aus. Die Ernteerwartungen fallen im Jahresvergleich etwas optimistischer aus. Ein besonders belastender Einfluss geht weiter von den Pachtpreisen aus. Relativ positiv werden hingegen weiterhin die Kapitalmarktzinsen und Leasing-Konditionen beurteilt.

Das Konjunktur- und Investitionsbarometer Agrar wird vierteljährlich im Auftrag des DBV, des VDMA Fachverbandes Landtechnik und der Landwirtschaftlichen Rentenbank in einer repräsentativen Umfrage ermittelt. Zur aktuellen Runde im März 2019 befragte dazu das Marktforschungsinstitut Produkt + Markt 854 Landwirte in ganz Deutschland.

Eine Zusammenfassung des Konjunkturbarometers zum Nachlesen gibt es hier:

Die Düngeregeln der Nachbarn

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Artikel geschrieben von

Stefanie Awater-Esper

Korrespondentin Berlin

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Diskussionen zum Artikel

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von Willy Toft

Auf der einen Seite werden wir, wie ein Industrieunternehmen geprüft und zertifiziert, und......

auf der anderen Seite, sollen wir ein bäuerliches Idyll abgeben. Die Weichen in Richtung Agrarunternehmen sind schon lange gestellt worden, ein Zurück gibt es nicht. Die Strukturen sind schon weitestgehend so angelegt, dass eine Neuansiedlung innovativer und Kapitalschwacher Neueinsteiger gar nicht mehr möglich ist. Die Betriebe, die jetzt noch mit den bescheidenden landw. Erzeugerpreisen zurechtkommen müssen, haben andere Sorgen, als gerade mal optimistisch in die Zukunft zu schauen! Der Mainstream läuft gegen uns, wir haben die niedrigsten Lebensmittelpreise der westl. Industriestaaten, und die höchsten Standards! Da ist keine Luft mehr für Investitionen, wir müssen aufpassen, dass wir nicht unter Hartz 4 abrutschen, in einer der reichsten Industrienationen der Welt! Das ist der eigentliche Skandal hier in Deutschland!

von Bernhard ter Veen

Investitionsbereitschaft sinkt...

Ja... WOVON denn auch ??? Die Erzeugerpreise sind sowas von KAPUTT... was bleibt denn da noch übrig von dem investiert werden könnte? Die meisten sind doch TROTZ EU-AGRARFÖRDERUNG schon sowas von platt... Die einzigen Investitionen kommen doch eh nur noch aus der puren Not heraus für Reparaturen und Bestandserhaltung. Macht endlich mal die Augen auf Ihr Schlafmützen. Ist doch schon alles zum Leben zu wenig und zum Sterben zuviel... macht echt Spass so wirtschaften zu müssen. Kaum noch Einkommen und ständig am Pranger stehen. ...schlimmer als im Mittelalter. Der DBV kann schön schnacken. Geht nach Hause - Ihr seid eh zu nix nutze...ausser zum Stühle kaputtsitzen...

von Bernhard ter Veen

Investitionsbereitschaft sinkt...

Ja... WOVON denn auch ??? Die Erzeugerpreise sind sowas von KAPUTT... was bleibt denn da noch übrig von dem investiert werden könnte? Die meisten sind doch TROTZ EU-AGRARFÖRDERUNG schon sowas von platt... Die einzigen Investitionen kommen doch eh nur noch aus der puren Not heraus für Reparaturen und Bestandserhaltung. Macht endlich mal die Augen auf Ihr Schlafmützen. Ist doch schon alles zum Leben zu wenig und zum Sterben zuviel... macht echt Spass so wirtschaften zu müssen. Kaum noch Einkommen und ständig am Pranger stehen. ...schlimmer als im Mittelalter. Der DBV kann schön schnacken. Geht nach Hause - Ihr seid eh zu nix nutze...ausser zum Stühle kaputtsitzen...

von Steffen Hinrichs

Meine Stimmung sinkt auch ,wenn ich nur vom DBV lese !

Früher war man stolz beim DBV zu sein ,aber heute ! Es wird immer gepredigt den Familienbetrieb zu erhalten ,aber was hat man in den letzten Jahren erreicht ? Die Arbeitsbelastung wurde erhöht, das Einkommen grenzt am Existenzminimum und nun werden wir von der Gesellschaft immer mehr differmiert und ins Abseits gestellt .

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