Milchfonds soll Schweizer Überproduktion eindämmen

Die Schweiz hat ein Problem mit zuviel produzierter Milch. Die Bauern melken heute gut 200 000 bis 300 000 t mehr Milch als vor der Abschaffung der Milchkontingente 2009, berichtet die Zeitung „20 Minuten“ aus Zürich. Die gesamte Milchmenge sei um 7 % gestiegen. Zuviel für einen gesunden Markt, stellen die Autoren fest.

Die Schweiz hat ein Problem mit zuviel produzierter Milch. Die Bauern melken heute gut 200 000 bis 300 000 t mehr Milch als vor der Abschaffung der Milchkontingente 2009, berichtet die Zeitung „20 Minuten“ aus Zürich. Die gesamte Milchmenge sei um 7 % gestiegen. Zuviel für einen gesunden Markt, stellen die Autoren fest. Die Milchpreise würden unaufhaltsam sinken, weil das Angebot die Nachfrage bei weitem übersteigt. Öl ins Feuer gießt da noch der starke Franken, der die Butterberge in der Schweiz immer weiter ansteigen lässt. Über 10 800 t sollen schon eingelagert sein.


„Das Problem ist, dass die Bauern auch bei sinkenden Preisen die Produktion ausdehnen, um so die Mindereinnahmen zu kompensieren“, sagt Albert Rösti, Direktor des Schweizer Milchproduzentenverbandes SMP. Dadurch entstehe eine Negativspirale, die mit Innovation allein nicht zu durchbrechen sei. „Bis 2015 sollten wir gut 10 % mehr Milch zu innovativen Produkten mit hoher Wertschöpfung verarbeiten, hofft er. Doch die Produktionsausdehnung schreite viel schneller voran, als dass sie innovativ verarbeitet werden könnte, bedauert Rösti. Die Folge sei ein wachsender Berg von billiger Butter, der zu Schleuderpreisen auf dem Weltmarkt abgebaut werden müsse.


Inzwischen habe sich die Branche auf einen „Fonds Marktentlastung“ geeinigt, schreibt die Zeitung weiter. Damit soll die Differenz zwischen Schweizer- und Weltmarktpreis beim Butterexport abgegolten werden. Alle Produzenten sollen demnach 1 Rappen pro Kilogramm Milch (0,87 Cent) in den Fonds einzahlen. Milchproduzenten, die bei fehlendem Absatz ihre Produktion steigern, sollen zu zusätzlichen 4 Rappen pro Kilo (3,5 Cent) verdonnert werden. Vier regionale Milchorganisationen würden allerdings gegen den Vorschlag klagen, heißt es weiter.


Sollte der Bundesrat die Beschlüsse der Branche durchsetzen, erwartet der Milchfachmann jedoch immer noch keine steigenden Preise. Das aktuelle Preisniveau könnte allerdings immerhin gehalten werden, wenn der Butterberg schmilzt, so Rösti. Komme der Milchfonds nicht zustande, dürfte der Milchpreis weiter sinken. „Das würde für viele kleine Milchbetriebe das Aus bedeuten. Große Produzenten dagegen könnten wegen der großen Investitionen oft gar nicht aufhören. Sie würden den Gürtel enger schnallen müssen, und die Überproduktion bliebe bestehen.“ (ad)

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