EUROPA/GAP 2020 Reform

NABU: „Klöckner bleibt klare Aussagen zur GAP schuldig“

Deutsche Umweltverbände kritisieren die Zurückhaltung von Landwirtschaftministerin Julia Klöckner, sich nicht stärker für eine grünere GAP 2020 Reform stark zu machen. NABU und Bioland forderten anläßlich des EU-Agrarministerrates von der Bundesregierung mehr Engagement bei den laufenden Verhandlungen in Brüssel.

Naturschutzverbände Deutschlands kritisierten nach dem EU-Agrarministerrat am Montag in Luxemburg die zögerliche Vorgehensweise der Politik und forderten einen ambitionierten Entwurf für eine grüne Architektur der Gemeinsamen Europäischen Agrarpolitik (GAP).

„Die meisten Landwirte wollen sich für Naturschutz auf ihren Äckern und Weiden einsetzen“, zitierte der Naturschutzbund (NABU) eine jüngst in Auftrag gegebene forsa-Umfrage. Es müsse nur der richtige finanzielle Anreiz gesetzt werden.

Kritik übten NABU und Bioland gleichermaßen an der Vorgehensweise von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner. „Leider blieb Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner in Luxemburg erneut klare Aussagen schuldig, wie die GAP ab 2021 umweltfreundlicher werden kann. Sie möchte zwar EU-weit einheitliche Flächenanteile festlegen, die alle landwirtschaftlichen Betriebe zur Förderung der Artenvielfalt bereitstellen müssen, sagt aber nicht in welchem Umfang“, erklärte NABU-Präsident Olaf Tschimpke.

Es sei völlig unverständlich, dass Deutschland als größter Nettozahlerstaat der EU nahezu keine Vorschläge liefere, wie 40 Prozent des EU-Haushaltes künftig gerechter und naturverträglicher verteilt werden könnten. Und das, obwohl nach einer aktuellen Umfrage sogar zwei Drittel der Landwirte unzufrieden seien sowohl mit Ministerin Klöckner, als auch mit der EU-Agrarpolitik insgesamt.

„Das aktuelle System der pauschalen Direktzahlungen verschwendet Steuergelder ohne Nutzen für Natur und Umwelt. Die Bundeslandwirtschaftsministerin blockiert durch ihre Zögerlichkeit weiter die Chance auf einen Neustart in der Agrarpolitik“, so Tschimpke.

Jan Plagge: „Sämtliche Forderungen der Zivilgesellschaft wurden ignoriert“

Kritik an den Positionen des Bundeslandwirtschaftsministeriums zur GAP übte auch Bioland als größte Organisation für den ökologischen Landbau in Deutschland. „Wir fordern vom Agrarrat einen ambitionierten Entwurf für eine grüne Architektur der GAP. Verbindliche Umweltauflagen, die Förderung des ländlichen Raums und Klimaschutz wurden vom Agrarausschuss des EU-Parlaments dramatisch gekürzt.

Sämtliche Forderungen relevanter Verbände und aus der Zivilgesellschaft wurden dabei ignoriert“, sagte Bioland-Präsident Jan Plagge. Die Organisationen der ökologischen Landwirte, Winzer und Imker fordert ein Umsteuern auf nachhaltiges Wirtschaften.

„Die Zeit rennt uns davon. Wir fordern Maßnahmen zum Erhalt der Artenvielfalt, zum Klima- und Gewässerschutz und für mehr Tierwohl“, so der Präsident Bioland e.V. Es müssten dringend ausreichende Mittel zur Verfügung gestellt werden, um nachhaltige Wirtschaftsweisen und Qualität statt Landbesitz zu honorieren.

Aktuell würden Bauern, die mehr für die Umwelt und die Gesellschaft tun wollen, gegenüber den Betrieben, die Umweltschäden verursachen und auf Kosten aller vermeintlich günstiger wirtschaften dürften benachteiligt, kritisierte Bioland. Bei den bisherigen Einlassungen und Positionen der Bundeslandwirtschaftsministerin mangelt es Bioland an Klarheit und Schärfe:

„Es ist schön, dass Julia Klöckner im Agrarrat von einem hohen Umweltambitionsniveau spricht. Sie muss aber endlich konkret Position beziehen und zwar im Sinne eines wirksamen Umbaus der staatlichen Fördersysteme der Landwirtschaft“, kritisierte Plagge in einer Presseerklärung.

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Artikel geschrieben von

Thomas A. Friedrich

Korrespondent Brüssel/Straßburg

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Diskussionen zum Artikel

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von Heinrich Roettger

Hände weg von der 1. Säule!

Der heimische Landwirt kann die Gelder am effektivsten in Eigenregie zur Existenzsicherung seines Betriebes einsetzen. Die 2.Säule dient stärker der Profilierung unserer NGOs und Politiker.

von Karlheinz Gruber

Und ich dachte immer bei den Meldungen

über die Wirtschaftlichkeit von Bio, daß diese Art der Produktion, die ja so nachhaltig ist, und somit höhere Preise erwirtschaftet, auch ohne Ausgleichszahlungen auskommt. Wieso will die Biobranche immer mehr Geld vom Staat, wo sie doch die besten Preise von allen haben? Und so nebenbei doch auch noch Artenschutz betreiben und alle konv. belehren? Stimmt im System was nicht, oder habe ich in der Bioausbildung was verpasst?! Die Zivilbevölkerung will nur das, was ihr immer vorgebetet wird. Bio = gut, Konv. = schlecht. Ehrliche Aufklärung ein Nogo. Es geht doch hier nur noch ums Geld. Die Bios wollen mehr, weil Ihre Preise auf Ihre Produktion nicht mehr Einkommenssichernd sind. Das ist doch nur noch der Hauptgrund. Ansonsten könnte man die Umweltleistungen über Kulap ebenso weiterlaufen lassen.

von Wilhelm Grimm

Diese Angriffe auf Ministerin Klöckner werden in verschärfter Form täglich weitergehen.

Alle wollen an die Staatsknete. Da können die verlogenen Schlachtrufe Agrarwende, Nachhaltigkeit, Klimawandel, Artenvielfalt, Bienensumsum bleibt stumm und nun auch Bioland, nützlich sein. Mit aufeinander Zugehen und Versöhnen wird Frau Klöckner untergehen. Sie muss Kante zeigen, auch gegen die ganzen Heerscharen von Plagge und den anderen NGOs !!!

von Christian Bothe

Plagge und Co.

Etwas übertrieben,das diese Verbände die Zivilgesellschaft vertreten. Mal sehen wie das mit Plagge und der Listung von BIO im LEH weitergeht.Am Ende geht es nur mit industriemäßiger BIO-LW (a-la Dennree) und schon sind wir in einer gleichwertigen konventionellen Vermarktungsschiene im LEH. Agrarwende ist Unsinn,da die konventionelle LW nachhaltig produziert und das Tierwohl (ITW) ausreichend berücksichtigt.Klöckner ist LW-Minister,hat die Bauern zu vertreten und nicht irgendwelche NGOs mit ihren landwirtschaftsschädlichen Auffassungen. LW hat in erster Linie die Aufgabe mit Nutztieren und dem Pflanzenbau effektiv Nahrungsmittel zu produzieren und muß damit Profit erwirtschaften. Das funktioniert nun mal in Großanlagen und großflächig mit modernster Technik am besten und am nachhaltigsten.Das dumme Geschwätz von einer nötigen Agrarwende ist unnötig und in den letzten Jahren längst passiert,wenn ich mir die Entwicklung (Investitionen) der LW mit allen Facetten anschaue.

von Jörg Meyer

demokratisches Europa

wenn die Wünsche von NABU und co in Brüssel nicht mehrheitsfähg sind, dann ist das für diese Lobby enttäuschend, dass kann man verstehen, aber so funktioniert nun mal Demokratie in Europa und die gemeinsame Agrarpolitik war der Grundstein des Zusammenwachsens in Europa. Als ambitionierte Europäer sollten wir diese Prozesse nicht immer wieder in Frage stellen, denn nur gemeinsam werden wir Europa als starke Einheit erhalten können. Herr Plagge und die seinen müssen halt auch im übrigen Europa Mitstreiter finden, was ja angesichts der aktuellen Diskussion in Deutschland für sie ein leichtes sein müßte! Anstatt Frau Klöckner zu kritisieren sollten diese Gruppen ein Stück weit über den eignen Tellerrand hinaus schauen und in ganz Europa Überzeugungsarbeit leisten, dann hätten sie meinen Respekt!

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