Neue resistente MRSA-Keime aus der Landwirtschaft?

Die „industrielle“ Landwirtschaft fördert laut einem Hörfunkbeitrag von WDR 5 die Ausbreitung multiresistenter Keime, die Krankenhäusern immer mehr zu schaffen machen. Nun soll neuer, resistenter MRSA-Keim aus den Tierställen seinen Weg in die Allgemeinheit gefunden haben.

Die „industrielle“ Landwirtschaft fördert laut einem Hörfunkbeitrag von WDR 5 die Ausbreitung multiresistenter Keime, die Krankenhäusern immer mehr zu schaffen machen. Nun soll neuer, resistenter MRSA-Keim aus den Tierställen seinen Weg in die Allgemeinheit gefunden haben.

In dem Beitrag wird Bernd T. vorgestellt, der sich in seinem Schweinestall mit dem neuen MRSA-Stamm infiziert hat. „Entstanden in der industriellen Tiermast durch massiven Antibiotikaeinsatz.“, wie es dort heißt.
Landwirte mit regelmäßigem Kontakt zu Nutztieren gehörten demnach zu einer neuen Risikogruppe.

In Regionen, wo die Massentierhaltung weit verbreitet ist, seien Patienten wie Bernd T. längst keine Ausnahme mehr, weiß der Mikrobiologe Frank Kipp von der Universitätsklinik Münster: "Wir sind besonders betroffen, wir haben beispielsweise durch diese tierassoziierten MRSA, die deutschlandweit bei ein bis zwei aller MRSA liegen, liegen wir hier bei unseren Patienten am Universitätsklinikum bei 30 %."

Aber nicht nur Landwirte sind laut WDR 5 gefährdet. Das Robert Koch-Institut habe die multiresistenten Keime auch auf Fleisch gefunden. Am häufigsten betroffen wäre Putenfleisch mit 42 %. Und immer häufiger würden dort neben MRSA auch so genannte ESBL-bildende Keime gefunden. Dabei handelt es sich um verschiedene Darmbakterien, die sowohl bei Menschen wie auch Tieren vorkommen.

Keime auf dem Fleisch

Diese Darmbakterien erzeugen das Enzym Betalaktamase, das sie gleich gegen eine ganze Gruppe von wichtigen Antibiotika unempfindlich macht. Es reicht also Fleisch zuzubereiten, um mit den Keimen kontaminiert zu werden. Gesunde Menschen merken nichts davon. Für kranke Menschen aber kann es gefährlich werden.

Bisher weiß man nicht, wie viele Infektionen tatsächlich von Tierstallkeimen verursacht werden. Fest stehe nur: Allein in der industriellen Tierzucht würden jedes Jahr 1.700 t Antibiotika eingesetzt: fast siebenmal so viel wie in Krankenhäusern, heißt es in dem Radiobeitrag weiter. Der massive Einsatz führe dazu, dass immer mehr Antibiotika unwirksam werden.

Wolfgang Witte vom Robert Koch-Institut: "Wir müssen uns überlegen, wie wir zumindest diese Resistenzentwicklung durch einen sorgsamen Umgang mit Antibiotika verlangsamen können - sowohl in der Humanmedizin, aber auch in der Veterinärmedizin." Dazu aber müssten sich die Haltungsbedingungen in der industriellen Tierzucht drastisch verändern. Geschieht das nicht, dann könnte uns Menschen das mit Antibiotika billig erzeugte Fleisch teuer zu stehen kommen.
 

Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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