Ribbe: Diese Reform löst keine Probleme!

Ein Kommentar von Lutz Ribbe, dem naturschutz-politischen Direktor der Umweltorganisation EuroNatur: Die EU-Agrarpolitik regelt, wie die Bauern mit der Umwelt und den Tieren umgehen sollen. Sie definiert, was in Lebensmitteln enthalten sein darf und wofür die Landwirte Subventionen bekommen.

Ein Kommentar von Lutz Ribbe, dem naturschutz-politischen Direktor der Umweltorganisation EuroNatur:
 
Die EU-Agrarpolitik regelt, wie die Bauern mit der Umwelt und den Tieren umgehen sollen. Sie definiert, was in Lebensmitteln enthalten sein darf und wofür die Landwirte Subventionen bekommen. Jedes Jahr sind das mehr als 40 Mrd. €, allein aus Brüssel!
 
2010 ist die Kommission angetreten, die Agrarpolitik zu reformieren. Dafür gab es aus ihrer Sicht zwei Gründe: Grund Nr. 1 war der Steuerzahler. Für die Akzeptanz der Agrarpolitik ist es entscheidend, dass der Steuerzahler weiß, wer wofür wie viel Geld bekommt, hieß es in Brüssel. Für mich ein sehr nachvollziehbares Argument!
 
Grund Nr. 2 war und ist der Zustand unserer Umwelt. Die Staats- und Regierungschefs hatten versprochen, den rapiden Biodiversitätsverlust bis 2010 zu stoppen und für neue bzw. intakte Lebensräume zu sorgen. Das Ziel wurde klar verfehlt!
 
In Brüssel, aber auch in Berlin und bei den Bauernverbänden weiß man sehr genau, dass die Landwirtschaft eine Mitschuld am Artenschwund trägt. Viele Studien haben klar belegt, dass die Artenvielfalt Europas auch sehr stark von der Land- und Forstwirtschaft abhängt und dass der Erhaltungszustand landwirtschaftlich geprägter Lebensraumtypen deutlich schlechter ist als der anderer Habitate. Das ist seit langem bekannt.
 
Ursachen sind die zunehmende Intensivierung der Landwirtschaft, die Aufgabe landwirtschaftlicher Flächen sowie die schlechte und nicht nachhaltige Bodenbewirtschaftung. Mit dem Greening der Flächenprämien wollte Brüssel Abhilfe schaffen. Leider ist von den ambitionierten Vorschlägen des Agrarkommissars kaum etwas übrig geblieben. Sie wurden von den nationalen Regierungen und den Bauernverbänden ausgehöhlt.
 
Politiker mögen ja glauben, dass Fruchtartenanteile von 70 % ökologisch sinnvoll sind, dass man auch mit Dünger und Pestiziden auf ökologischen Vorrangflächen die Artenvielfalt erhöhen kann und dass es sinnvoll ist, den Bauern dafür auch noch Steuergelder zu zahlen. Wissenschaftler und Naturschützer wissen, dass dies nicht richtig ist! Politiker können Gesetze beschließen, Naturgesetze können sie aber nicht außer Kraft setzen.
 
Diese Reform der Agrarpolitik ist weit davon entfernt, der Landwirtschaft das notwendige „Mehr“ an gesellschaftlicher Gegenleistung abzuverlangen. Das könnte sich rächen. Nicht nur für die Natur, sondern für die Akzeptanz der Agrarzahlungen. Die nächste Reform wird es zeigen.

top agrar-Rubrik "Der Blick von außen"

Dieser Text stammt aus der Rubrik "Der Blick von außen", die jeden Monat in der top agrar-Heftausgabe erscheint. Der Streitpunkt zeigt, wie die Landwirtschaft von außen gesehen wird und ist nicht die Meinung der Redaktion. Wie stehen Sie dazu? Wir freuen uns auf Ihren Kommentar unten.

Zum Streitpunkt des letzten Monats:
Antibiotika-Resistenzen: Herausforderung für Ärzte und Tierärzte (24.7.2014)

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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