Schleswig-Holstein will besseren Schutz von Böden

Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck will den Schutz der Böden in Schleswig-Holstein stärken. In Kiel warnte der Grünen-Politiker davor, dass eine nicht standortangepasste Bewirtschaftung Gefahren birgt, die zu Bodenerosion, Verdichtung und Humusabbau führen können.

Robert Habeck (Bild: Landtag)

Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck will den Schutz der Böden in Schleswig-Holstein stärken.
In Kiel warnte der Grünen-Politiker davor, dass eine nicht standortangepasste Bewirtschaftung Gefahren birgt, die zu Bodenerosion, Verdichtung und Humusabbau führen können. Auch der Eintrag von Schadstoffen sowie der starke Flächenverbrauch sind Gefahren für die Böden.

"Der Bodenschutz hat in unserer politischen und täglichen Arbeit einen hohen Stellenwert. Wir werden ihn aber auch den neuen Herausforderungen anpassen", sagte Habeck. So legt das Land neue Untersuchungsprogramme für Schadstoffbelastungen in den Böden auf. Unter anderem werde man den Boden auf Rückstände von Tierarzneimitteln und Antibiotika sowie die als krebserregend verdächtigten Per- und polyfluorierten Chemikalien (PFC) untersuchen.

Gründland- und Moorschutz wird intensiviert

Zu den Hauptproblemen für die landwirtschaftlich genutzten Böden gehört der Verlust von organischer Substanz (Humus) auf Moor- und Anmoorstandorten in Folge der oft intensiven Bodenbearbeitung, mehr aber noch durch die starke Entwässerung. Wird Dauergrünland auf solchen Standorten umgebrochen, verstärken sich die Effekte noch.

"Durch Torfschwund sind in den letzten 70 bis 80 Jahren die Humusgehalte von tausenden Hektar Moorflächen abgebaut worden. Das schädigt unser Klima in besonderer Weise – so stammen rund 9,3 % der gesamten Treibhausgasemissionen Schleswig-Holsteins aus der landwirtschaftlichen Moornutzung. Dies kann außerdem zu kaum kalkulierbaren Nährstoffausträgen in das Grundwasser führen", sagte Habeck.

Neben einem intensiven Moorschutzprogramm hat die Landesregierung deshalb die Umwandlung von Dauergrünland in Ackerland auf Moor- und Anmoorstandorten über das Dauergrünlanderhaltungsgesetz verboten. "Wir werden das Gesetz wie vorgesehen evaluieren, aber im Grundsatz hat sich dieses Instrument sehr bewährt. Es ist ein echter Gewinn für den Bodenschutz. Auf der Umweltministerkonferenz werde ich mich dafür einsetzen, dass es auf Bundesebene eine einheitliche Rechtsgrundlage gibt: Es wäre angeraten, einen dauerhaften Grünlandschutz besonders wichtiger Böden bundesweit zu etablieren, da Bodenschutz und Klimaschutz nicht an Landesgrenzen Halt machen. Zudem soll der Erhalt von Humus als Ziel in das geplante Klimaschutzgesetz des Landes mit aufgenommen werden."

Flächenverbrauch: Jeden Tag 3,2 ha

Ein großes Problem ist nach wie vor die Inanspruchnahme neuer Flächen. "Täglich gehen 3,2 Hektar Fläche für Landwirtschaft und Natur in Schleswig-Holstein verloren, durch den Bau von Gewerbegebieten, neuen Wohngebieten, Straßen, Autobahnen und den Bau von Windrädern oder Stromleitungen verloren", sagte Habeck. Sollte das Ziel der bundesweiten Nachhaltigkeitsstrategie erreicht werden, müsste der tägliche Verbrauch in Schleswig-Holstein auf 1,3 Hektar gesenkt werden – bundesweit wären es 30. "Davon sind wir weit entfernt. Hier gilt es, eine breite Debatte zu führen", so der Minister weiter.

Um die Flächeninanspruchnahme bei Infrastrukturmaßnahmen besser zu steuern, hilft unter anderem die noch bis 2019 laufende landesweite Biotopkartierung. Bei Infrastrukturvorhaben in der freien Landschaft, etwa bei Straßen oder Schienentrassen werden solche als wertvoll erkannten Biotope, allemal wenn sie einem gesetzlichem Schutz unterliegen, nach Möglichkeit umgangen. "Darüber hinaus wollen wir die Entsiegelung im Land mit Hilfe der Kompensationspolitik und dem Einsatz von Kompensationsgeldern vorantreiben, zunächst in Form eines Pilotprojekts", sagte Habeck.

Hintergrund

Der Verlust fruchtbarer Böden steht weltweit im Fokus. Böden sind die Grundlage für mehr als 90 % der weltweit produzierten Nahrung. Die für die Bodendegradierung ursächlichen Bodengefahren wie Erosion, Humusverlust, Wüstenbildung (auch in Europa), Verdichtung, Kontamination, Flächenverbrauch, Versalzung und Versauerung sind global weit verbreitet und können zum endgültigen Verlust von Bodenfunktionen führen.

Etwa 24 % der globalen Landfläche und 18 % der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche sind von Degradationserscheinungen bedroht, und damit ist unmittelbar die Lebensgrundlage von 1,5 Mrd. Menschen gefährdet. Jährlich gehen weltweit allein mehr als 15 Mio. Hektar durch Erosion verloren, dies entspricht etwa der zehnfachen Größe Schleswig-Holsteins.

In Schleswig-Holstein gehören neben dem Humusverlust auch Erosion, Verdichtung und der starke Maisanbau zu den Problemen.

Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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