Tönnies und KTG bauen Schweinemast in Russland auf

Der größte deutsche Schlachtkonzern Tönnies und das börsennotierte Landwirtschaftsunternehmen KTG Agrar wollen ab sofort in Russland Schweinefleisch erzeugen. Dazu haben beide die Gründung einer Tochterfirma vereinbart. Im Laufe der nächsten Jahre wollen sie eigene Schweineställe und einen Schlachthof bauen.

Der größte deutsche Schlachtkonzern Tönnies und das börsennotierte Landwirtschaftsunternehmen KTG Agrar wollen ab sofort in Russland Schweinefleisch erzeugen. Dazu haben beide die Gründung einer Tochterfirma vereinbart.
 
Nach Angaben der Frankfurter Allgemeinen Zeitung wollen die Partner im Laufe der nächsten Jahre eigene Schweineställe und einen Schlachthof bauen. Zum Start werden Tiere in den Anlagen einer beteiligten Holding eingestallt. KTG, das im Baltikum Ackerbau betreibt, soll dazu das Futter an die Lohnmäster von Tönnies liefern. Wie zu hören ist, dürften beide Konzerne in der Region Woronesch und Belgorod im Jahr mehr als 1 Mio. Schweine mästen.
 
Geschäftsführer Clemens Tönnies begründete das Vorhaben damit, dass er der größte Exporteur von Fleisch nach Russland sei. Daher mache es Sinn, die Veredelung vor Ort zu entwickeln. Die geschäftlichen Strukturen jedenfalls sind schon vorhanden: Sowohl KTG als auch Tönnies sind über Anteile an Holdinggesellschaften und Tochterfirmen bereits auf dem russischen Markt aktiv. Von besonderer Bedeutung ist hierbei die TKS Agro Invest Union AG, an der KTG mit 17,5 % beteiligt ist.
 
Hier werde man bis zu 600 Mio. Euro investieren, so KTG-Chef Siegfried Hofreiter. Rund 280 Mio. Euro habe man in den vergangenen vier Jahren schon eingesetzt. Unter anderem hätten die Unternehmensgruppen Agro-Sojuz und Mjaso-Sojuz acht Schweineställe und einige zehntausend Hektar Land für den Anbau von Schweinefutter von dem Geld gekauft. Auch in Landmaschinen und ein großes Mischfutterwerk habe man bereits investiert. Dieses werde im November in Betrieb gehen.
 
Ein weiterer Schweinestall, der ungefähr 20 bis 25 Mio. Euro gekostet habe, gehe im kommenden Jahr in Betrieb, so Hofreiter weiter. Für die kommenden Jahre sollten dann weitere elf Schweinemastställe und ein Schlachthof gebaut werden, kündigte er an. Derzeit mästet die TKS-Holding nach eigenen Angaben in Russland rund 650.000 Schweine im Jahr. Geleitet werden die Betriebe teilweise von deutschen Agraringenieuren. „Das ist Schweineindustrie“, zitiert die FAZ Clemens Tönnies. Die Tierschutzstandards seien auf „deutschem Niveau“, beteuert er.
 
Laut der Zeitung könnte Tönnies aber auch durch die russische Seite unter Druck geraten sein, auch wenn er dies abstreitet. So verhängte Russland wiederholt aus seuchen- und hygienerechtlichen Gründen Importverbote. Zudem ist es bekanntlich Ziel der Regierung, die heimische Wirtschaft zu fördern und zu bevorzugen, wie z.B. auch bei der Landtechnik. Tönnies jedenfalls erklärte es sei der Wunsch der Regierung gewesen, dass sich sein Schlachtkonzern direkt in Russland engagiere. Der staatliche Energiekonzern ist seit Jahren Sponsor des Fußballvereins Schalke 04, dessen Präsident Tönnies ist. Schon als der Sponsoring-Vertrag unterzeichnet worden sei, erinnert sich Tönnies, „sprachen wir nicht lang über Fußball, sondern über die Schweineproduktion“. (ad)

Lesen Sie auch die AbL-Vorwürfe:
Tönnies-Schweineproduktion in Russland: AbL sieht Taktik der Konzerne entlarvt (3.10.2013)

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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