Grüne im EU-Wahlkampf

Trotz eigener Verluste: TV-Köchin Wiener fordert Abschaffung der Agrarprämien

TV-Köchin Sarah Wiener kandidiert für die österreichischen Grünen für das EU-Parlament. Dazu forderte sie gleich einmal die Abschaffung der Flächenprämien und das, obwohl der Brandenburger Hof, an dem sie beteiligt ist, trotz 317.000 Euro EU-Prämie 200.000 Euro Verlust machte.

Die kriselnden österreichischen Grünen haben die TV-Köchin Sarah Wiener (56) für die Europawahl auf den zweiten Listenplatz gewählt. Im Wahlkampf ist nun eine Diskussion über die Agrarförderungen entbrannt. Wiener fordert die Abschaffung der Agrarsubventionen, berichtet top agrar Österreich.

Das Pikante: Seit 2015 ist Wiener mit 20 Prozent am 800 ha großen Gut Kerkow in Brandenburg beteiligt. Im Vorjahr bekam der auf Rinderzucht spezialisiert Großbetrieb 317.000 Euro an EU-Geldern. Trotzdem fuhr der Hof einen Verlust von 200.000 Euro ein.

Einen Widerspruch zu ihrer aufgestellten Forderung, die Agrarsubventionen abzuschaffen, sieht Wiener aber nicht. „Wir haben eine Landwirtschaft, wo man einfach Fläche subventioniert. Jeder Hektar wird subventioniert, egal was du da machst und wer es hat und ob er überhaupt Landwirt ist. Und natürlich bin ich dagegen“, poltert die Neupolitikerin, die sich laut Kurier als „theoretische Landwirtin“ sieht. Sie trete dafür ein, die EU-Flächenprämien zu streichen und stattdessen „das zu fördern, was der Natur und der Gesellschaft guttue.“

Entsetzt über Wieners Forderung zeigte sich Niederösterreichs Agrarrat Dr. Stephan Pernkopf: „Das würde die Existenz unserer 40.000 Familienbetriebe bedrohen und auch Millionen von Arbeitsplätze im Bereich der Landwirtschaft im ländlichen Raum in ganz Europa vernichten.“ Man könne aber gerne über Kürzungen für Großbetriebe in Deutschland reden, merkte Pernkopf an.

"Schluss mit den Missständen bei Tiertransporten"

Wiener macht sich zudem für ein Ende langer Tiertarnsporte start. Ende März präsentierte sie Maßnahmen, damit Tiere in Zukunft bei Transporten nicht länger "unerträglichen Bedingungen" ausgesetzt sind, wie sie sagte.

"Wir fordern ein Ende der Missstände und eine Verbesserung des Systems bei Tiertransporten. Die kürzlich aufgedeckten gesetzeswidrigen Kälbertransporte von Vorarlberg bis nach Spanien sind ein Hinweis auf ein absolut perverses und unsinniges System, das geändert gehört", sagte sie. Zigtausend Kälber würden in andere Länder gekarrt und dabei nicht wesensgemäß gehalten. Da nur die weiblichen Jungtiere zu Milchlieferantinnen gezüchtet werden können, seien Bullenkälber nur "Nebenprodukte". Dabei enden sie meist in Mastbetrieben, wie Daniel Zadra, Grüner Abgeordneter im Vorarlberger Landtag erklärt: "Sie gehen zuerst durch das Fegefeuer der Transporte, um dann in der Hölle der Maststelle zu landen." Um das Tierleid zu reduzieren, fordern die Grünen, dass die zuständigen Landesräte sowie die zuständige Ministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ) "endlich aufhören, die Verantwortung abzuschieben, und die Tierqualen beenden", so Zadra.

Die Düngeregeln der Nachbarn

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Freygang GbR

20 % mehr für Lebensmittel

der Verbraucher müsste bereit sein 20 % mehr für Lebensmittel zu bezahlen, dies müsste natürlich auch direkt beim Erzeuger ankommen, dann kann man auf Direktzahlungen verzichten, gleichzeitig wäre eine Steuersenkung möglich, da ein EU-Topf weniger gefüllt werden müsste... ...oder die Erzeugerpreise um 3 € (Getreide) bis 6 € (Raps) anheben, aber wer soll das durchsetzen.

von Christian Bothe

Eine Köchin

Wäre die Dame ,wer immer das ist, doch eine Köchin geblieben und hätte ihr Gesellschafterkapital den Notleidenden in Afrika gespendet bzw. eine landwirtschaftliche Ausbildung absolviert, um nicht mehr solche Aussagen formulieren zu müssen.Obwohl das mit dem Steuersparmodell auch sein könnte?

von Willy Toft

Gute Einstellung, dabei bekommt der Biobetrieb...

mehr als das Doppelte an Subventionen, als ein konventioneller Betrieb! Es ist schon traurig, dass auch dieser Betrieb, trotz Direktvermarktung nicht überleben kann!

von Gerd Uken

Ich hab ja nichts gegen Frau Wiener

Da sind dann Fielmann /Steinhoff und Co schon ein anderes Kaliber Aber warum tut sie sich das an ? Aus Überzeugung nur wenn die Zahlen so stimmen dann ist das keine gute Werbung ......

von Johann Schneider

Verlust trotz Subventionen

Frau Wiener hat als eine von wenigen Begriffen,dass Subventionen keine Gewinne sondern Verluste für die arbeitenden Bauern erzeugen

von Thilo Frankfurth

@ Sarah Wiener

ich toleriere Frauen, die keine Berufsausbildung oder ein abgeschlossenes Studium haben, zudem vor Jahren noch gut aussahen! Aber ich glaube, das sind die 3 Kernprobleme von Frau Wiener! Jetzt noch in die Politik, das wäre dann die Maximalpunktzahl für Frau Wiener, mehr kann man durch weniger nicht erreichen! Bitte nehmt mein Statement nicht ganz so ernst......frohe Ostern.

von Paul Siewecke

@ Gerd Uken

Den Landwirtschaftsbetrieb gelegentlich als Steuersparmodell zu missbrauchen, da gibt es noch ganz andere "Investoren" und ich denke nicht, dass Frau Wiener wirklich mit allen Details der Landwirtschaft und ihres Betriebes vertraut ist... Ansonsten haben Sie wohl vollkommen recht, so traurig das auch ist!

von Gerd Uken

Oder Frau Wiener nutzt

Es als Abschreibungs u. Steuersenkungsmodell wie sonst soll man sich das erklären?? 1/3 der Prämie kommt ja sowieso nur als Ausgleichszahlungen an der Rest verschwindet woandershin

von Reinhard Friedrich

Frau Wiener

Will die Zahlungen nur für die anderen abschaffen, damit für Sie und ihresgleichen das doppelte bezahlt werden kann. Das ist was sie fordert. Einfach grüne Klientel Politik.

von Klaus Fiederling

Respekt Frau Wiener vor einer solch grundehrlichen Bekenntnis!

Wenn auf einem 800-Hektar-Bio-Betrieb trotz eines alljährlichen Prämientransfer 250,00 € Verlust pro Hektar ausgewiesen werden -und dies sogar mit „Promi-Status"- so stellt sich hieraus schlussfolgernd die überaus berechtigte Frage: Auf wie viele flächenstarke Betriebe trifft eine solche Aussage noch zu!? // Jedenfalls bringt selbige grundehrlich offene Bekenntnis die Situation in der Landwirtschaft erbarmungs-, vollkommen schonungslos unumwunden zum Ausdruck. Derzeit werden demnach gigantische Unsummen an Bauernkapital brutalst vernichtet, da IN DER LANDWIRTSCHAFT schlichtweg nichts mehr zu verdienen ist; unabhängig im übrigen von den jeweiligen Wirtschaftsweisen, ob biologisch oder konventionell, spielt dabei eine absolut untergeordnete Rolle, hat keinen maßgeblich entscheidenden Einfluss. // Unsere geistigen Eliten in einem über diese Faktizitäten augenscheinlich vollkommen erhabenen Vordenkermodus auch weiterhin verharrend, verweigern sich dahingehend jedenfalls kontinuierlich, schrecken vielleicht sogar bewusst vor der eigenen unbestreitbaren Mitverantwortung zurück, wo sich ein derartig trauriges Eingeständnis geradezu unmissverständlich aufdrängt, dass die Masse der heute noch aktiven Betriebe -ein nur noch marginales knapp 2%iges Restvölkchen an Bauern innerhalb unserer dekadenten Wohlstandsgesellschaft übrigens- derzeit unter ökonomisch katastrophalen Vorzeichen alleinig von seiner Substanz zehren muss. // Existenzfähig ist unsere LW dato einzig noch aufgrund einer kontinuierlichen Wertsteigerung von Grund und Boden, ansonsten wären nicht wenige schon am 15. Mai dieses Jahres beschäftigungslos. Nach wie vor wird ein grobes Missverhältnis zwischen dem, was auf dem Acker wächst in direkter Gegenüberstellung zum jeweiligen Flächenwert fortgeschrieben. Sollte DAS(!) kippen, geht‘s ganz schnell brutal zur Sache - von heute auf morgen! Diese Immobilienblase platzt sicherlich ganz ohne bäuerliches Zutun nicht auf der Fläche, sondern vielmehr wo...!?

von Heinrich Esser

Direktzahlungen

Wenn man sich das System der Direktzahlungen mal genauer ansieht, fällt einem auf, wie daneben das Ganze ist. Ein Landwirt arbeitet das ganze Jahr auf seinem Betrieb und ich nehme jetzt mal an, dass er das mit bestem Wissen und Gewissen macht. Aber diese ganze Arbeit ist mehr oder weniger umsonst, da er sein Einkommen aus staatlichen Beihilfen bezieht. Und Politik und Verbände halten weiter an diesem System fest. Es benötigt einer umfassenden Reform (bis hin zur mittelfristigen Abschaffung), die Landwirte benötigen auskommende Preise und mehr Freiheiten.

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