Piratenpartei

Verhindert Videoüberwachung am Schlachtband Tierschutzverstöße?

Die Piratenpartei Niedersachsen lehnt eine Videoüberwachung an Schlachthöfen ab, weil diese das Grundproblem nicht beseitigt. Die Partei hält es für einen Trugschluss zu glauben, da sitze künftig jemand am Monitor und schaue das Live-Bild vom Schlachtband. Vielmehr werde lediglich aufgezeichnet und nur bei Verdacht Material gesichtet.

Die Landesregierung von Niedersachsen plant - wie berichtet - eine Bundesratsinitative zu Verbesserungen im Tierschutz bei Schlachtbetrieben durch Videoüberwachung. In besonders tierschutzrelevanten Bereichen sollen Kameras erlaubt werden, auf die sich der Kontrolleur schalten kann.

Annette Berndt von der Piratenpartei Niedersachsen hat da deutliche Zweifel, wie das lückenlos in der Praxis funktionieren kann. Sie hält das gesamte Vorhaben für einen „nutzlosen Versuch, einen Missstand mit mehr Video-Überwachung in den Griff zu bekommen. "Da stellen wir uns mal ganz dumm und denken, da sitzt einer an vielen Bildschirmen und passt auf, dass die Schlachttiere vom Entladen bis zur Tötung gut behandelt werden. Und derjenige ruft dann das Veterinäramt an, damit einer schnell zum Schlachthof rast, um den Missstand zu beseitigen“, so die Politikerin.

Sie weist darauf hin, dass stattdessen die Überwachungsvideos nur aufgezeichnet und eine Zeit lang gespeichert werden. Sie fragt, wer denn regelmäßig die Aufnahmen überwache. „Schaut ein Mitarbeiter des Veterinäramtes einen Tag in der Woche stichprobenhaft die Schlachthofvideos an? Oder wird nur im Verdachtsfall Videomaterial beschlagnahmt und gesichtet? Sind die Verstöße auch nicht gelöscht worden?“

Berndt verweist in diesem Zusammenhang auf Forderungen der Tierrechtsorganisation SOKO Tierschutz. Diese habe im Falle einer Videoüberwachung in NRW verplombte Rekorder gefordert, auf die nur eine Behörde Zugriff hat. Das Bildmaterial sollte dann nach Möglichkeit von einer Fachaufsicht oder Tierschützern gesichtet werden.

Dass Tierrechtler allerdings Videomaterial sichten, könne auch keine Lösung sein. Sie hält das gesamte Vorhaben, dass durch Überwachung alles besser wird, für „krank“, das könne man sich doch wohl nicht als Lösung servieren lassen. Ohnehin gebe es dabei rechtliche Bedenken der Dauerüberwachung der arbeitenden Personen.

Die Piraten-Politikerin schlägt Agrarministerin Barbara Otte-Kinast vor, die Effizienz einer Videoüberwachung zu überprüfen und sich direkt zum Prüfstand der Arbeitsbedingungen zu begeben. "Denn da liegt vieles im Argen, da vielfach aus Kostengründen Leiharbeiter oder Arbeiter über ausländische und daher arbeitsrechtlich schwer zu greifende Subunternehmen eingesetzt werden.“ Ihre Partei fordert mehr unangekündigte behördliche Besuche und Überprüfungen der Schlachthöfe, um Missstände zu beseitigen. Diese seien zu dokumentieren und zu veröffentlichen.

Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Paul Siewecke

Veterinäre auf dem Schlachthof

Dazu mal folgender Gedanke: Wenn sich jemand entschließt Veterinärmedizin zu studieren, dann doch wohl mit dem Hintergedanken, dass man als Tierarzt dann auch Tiere behandelt und nicht den ganzen Tag als Fleischbeschauer verbringt, 6 Tage die Woche! Aber die Plätze für Tierarztpraxen sind begrenzt, nur den besten Absolventen ist es vergönnt (oder denen mit guten Beziehungen!) später mal eine Praxis für Pferde zu führen oder Amtsveterinär zu werden. Die nächstbesten machen dann Hund, Katze, Goldfisch... Diejenigen für Rind und Schwein sind dann die, die lieber auf dem Lande wohnen und arbeiten. Und die, die durch alle Raster fallen kommen dann zum Schlachthof! Wer soll denn da noch motiviert sein? Ok, Ausnahmen mag es geben, aber wären die logisch? Ich glaube niemandem, dass er sein Studium mit der Intention Fleischbeschauer beginnt und irgendwann ist es dann nur noch ein Job, zu dem man sich "hinquält". Zum Thema Videoüberwachung: Es ist doch so, immer wenn Daten (Videobilder) erhoben werden, dann weckt das auch Begehrlichkeiten, diese auch für seine Zwecke auszuwerten. Das kann bei den überwachten Arbeitern auch dazu führen, dass durch den Überwachungsdruck eher Fehler und Arbeitsunfälle passieren und in diesem Falle ist das Geschrei dann wieder groß...

von Diedrich Stroman

Deutschland!

Und seine Diskutanten alle babbeln und meinen, Herr Lehrer ich weiß was, aber praktische Erfahrungen und Wissen hat von denen kaum einer, das ganze Elend fängt doch immer wieder mit billig, billiger, ich möchte es am liebsten umsonst haben und da versagen Politik und Volk und wir Bauern sind der Prellbock dieser Gesellschaft auch den Mindestlohn an den Schlachhöfen hat man uns in den Magen gedrückt und nicht dem Konsumenten auf der Rechnung präsentiert das neueste Staatliche abkassieren der Maut tritt man nach unten durch auf kosten der Bauern, die das schwächste Glied sind, das nennt man moderen Ausbeutung und Erpressung! Noch ein Wort zu zu den Schlachthof zuständen, auf jedem deutschen Schlachthof laufen mehrer staatlich angestellte Veterinäre als oberste Kontrolleinheit herum, Frage was machen die da??Es sind doch Angestellte Beamte schauen sie weg, schreiben sie keine Berichte oder sind sie gar unfähig???Ich hör das schreien der Politik schon, wir haben zu wenig Personal, sollten sich mal ein Beispiel an unsere Landwirte nehmen, von wegen acht Stunden Tag!?!

von Gregor Grosse-Kock

Video

Überwachung, so ein Schmarn,das zuständige Kreisveterinäramt hat auf jeden Schlachthof eine dauernde Ausstelle also die Kontrollbehörde ist bei Schlachttätigkeiten immer vor Ort. Nimmt die Behörde oder der Veterinär seine Verantwortung nicht war. Und wieder der Staat! Die Politik sollte ihr direkt untergeordnete Behörden zur Ordnung rufen und nicht ständig das Lied der Überlastung. Die Bezahlung ist nämlich Fürstlich.

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