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Was bedeutet Mercosur Deal für Europas Landwirtschaft?

EU und Mercosur nach 20 Jahren handelseinig: Die Ratifizierung in allen 28 EU-Staaten und EU-Parlament wird sich bis Ende 2020 hinziehen. Der Ausgang ist mehr als ungewiss

Der Abschluss des Handelsabkommens mit Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay einerseits und der EU andererseits schafft den bisher größten Freihandelsraum der Welt mit 760 Millionen Verbrauchern. Der am Freitagabend in Brüssel fertig ausgehandelte Deal wurde per Twitter von EU-Kommissionspräsident vom G20-Gipfel aus dem japanischen Osaka vermeldet. Jean-Claude Juncker „Dies ist ein historischer Moment“.

Ebenso zeigte sich EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström euphorisch: „Es ist ein historischer Tag, genau 20 Jahre auf den Tag nach dem Beginn der Gespräche." Die Verhandlungen seien lang, hart und schwierig gewesen, aber am Ende stehe ein Meilenstein, sagte Malmström.

Die Einordnung von EU-Agrarkommissar Phil Hogan am Tag der Einigung klang deutlich zurückhaltender: „Die EU-Mercosur-Vereinbarung ist eine fair und ausbalancierte Einigung mit neuen Möglichkeiten und Gewinnerwartung für beide Seiten ebenso auch für Europas Landwirte“.

Die europäischen hochqualitativen Agrarprodukte würden nun im Mercosur-Raum den ihnen zustehenden Schutz erfahren. Neben den 357 geschützten Herkunftsbezeichnungen werde die Markposition europäischer Lebensmittel gestärkt und eröffneten sich neue Exportchancen für europäische Lebensmittelexporteure.

Hogan räumte unbequeme Kompromisse für die Landwirtschaft ein

Hogan räumte ein, dass man eine Menge Kompromisse habe machen müssen, um das Ergebnis zu erzielen. "Wir erkennen das Recht der Mercosur-Staaten auf Zugang zu unserem Markt an und müssen gleichzeitig unsere sensiblen Sektoren schützen."

Unter anderem aus seiner Heimat Irland seien Kritik und Bedenken erhoben worden, weil die irischen Farmer sich vor einer Schwemme von billigem Rindfleisch bedroht fühlten. Fleisch das möglicherweise hormonbelastet oder nach schlechteren Standards hergestellt würden als in der EU.

"Wir mussten bedeutende Zugeständnisse machen", sagte Hogan versicherte aber andererseits, dass die EU-Anforderungen an Lebensmittelsicherheit eingehalten werden müssten. Vor allem bei Rindfleisch und Zucker würden weiterhin Quoten und Zölle gelten. Andererseits entfielen die Exportzölle für EU-Landwirte bei Wein und Milchprodukten in Richtung Mercosur. „Dadurch eröffnen sich wiederum neue Absatzmärkte besonders bei Milchprodukten“, erklärte Hogan.

Rindfleischkontingente sollen Mercosur-Staaten unter sich aushandeln

Wie die ausgehandelten Einfuhrkontingente genau festgelegt werden sollen war bis Samstagnachmittag in Brüssel nicht zu erfahren. Die Einzelheiten würden Anfang der Woche bekanntgegeben.

Das Mercosur-Abkommen stellt ein sogenanntes gemischtes Abkommen dar, das nicht in alleiniger Zuständigkeit der EU abgeschlossen werden kann. Das bilaterale Handelsabkommen muss in allen 28 Mitgliedsländern von den nationalen Parlamenten ratifiziert werden.

Das EU-Parlament hat auch ein Wort mitzureden

Das Ringen um das Ceta-Abkommen mit Kanada hat gezeigt, wie mühsam und unkalkulierbar dieser Weg sich noch gestalten kann. Die Front der Kritiker hat sich bereits weltumspannend aufgestellt.

Auch das EU-Parlament hat ein entscheidendes Wort bei der Ratifizierung mitzusreden. So ist damit zu rechnen, dass erst frühestens Ende nächsten Jahres 2020 eine endgütige Fassung des Abkommens mit den vier Mercosur-Staaten überhaupt dem Europaparlament zur Abstimmung vorgelegt wird.

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Artikel geschrieben von

Thomas A. Friedrich

Korrespondent Brüssel/Straßburg

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Diskussionen zum Artikel

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von Torsten Kremershof

Warum gehen wir denn nicht endlich auf die Barikaden ?

Wie lange wollen wir Bauern in Europa uns diese himmelschreiende Politik weiter gefallen lassen ?? Die Einfuhr von südamerikanischem Rindfleisch , Schweinefleisch , Gen und Glyphosat Soja ohne unsere hohen Standards in Sachen Hygiene, Tierwohl , GvO frei, Seuchenbekämpfung , Sozialstandards......etc kann auf keinen Fall juristisch zu erlauben sein . Das ist Diskriminierung der heimischen Landwirtschaft und dürfe wohl gegen eine große Zahl geltender Gesetze verstoßen . Wollen Herr Junker und Frau Malmström dies vor der europäischen Bevölkerung rechtfertigen ? Und wie ? Vor allem gegen den neuen Mainstream des Klimaschutz ? Hier die Landwirtschaft nachhaltig vor die Wand fahren , während man in Südamerika Regenwald enteignet und abholzt um dann für unsere Märkte Rindfleisch , Gen Soja oder mit selbigem Schweine zu mästen und sie über tausende von Kilometern nach Europa zu Karren unter dem Einsatz von Flugbenzin und Schweröl. Da erklärt uns die EU für dumm und den Kreis zum Quadrat ! Wenn unsere Export Wirtschaft diese Abkommen wünscht muss sie über Steuern und Zölle die europäische Bevölkerung Teil haben lassen an den Gewinnen . Denkbar wäre meiner Meinung nach ein Milliarden schwerer Strucktur Fon mit dem zum Beispiel die hiesige Landwirtschaft entschuldet wird. Oder junge Landwirte durch Fort und Weiterbildung der Weg in gute Industrie Jobs ermöglicht wird . Und die ländlichen Gebiete durch eine Verbesserung der Infrastruktur stabilisiert werden. Wenn die europäische Landwirtschaft zur Aufgabe gezwungen werden soll zum Wohle der Export Industrie , dann haben wir das Recht auf Entschädigung !! So wie beim Ausstieg der Braun und Steinkohle auch . Desweiteren bedarf es der demokratischen Abstimmung innerhalb der EU über einen Exodus der Landwirtschaft. In einem Interview mit dem neuen Brasilianischen Staatschef Bolsenaro sagte dieser als er darauf angesprochen wurde , warum er die Enteignung und Vertreibung der Indiovölker und dem Abholzen der Regenwälder wieder zugestimmt hat : Wenn Europa will das wir die grüne Lunge der Welt sind , dann wird uns Europa dafür bezahlen müssen !! Also liebe EU ? Quo Vadis ?

von Karlheinz Gruber

Was bedeutet mercosur deal für eurpas Landwirtschaft?

nicht mehr als einen heftigen Sargnagel für uns zu Gunsten der Autobranche und Industrie. Es bedeutet eine zweiklassenproduktion von Lebensmitteln. Nämlich die Vorzeigelandwirtschaft in Europa/ Deutschland, die dem Verbraucher nur das beste zeigt und die LDW dann für die Regenwaldabholzung wieder herhalten muß, obwohl jetzt direkt reingefahren wird ohne zuerst Soja bei uns zu verfüttern. Und das zweite sind die Standards. Z. B. Hormone kann man nach ein paar Tagen so gut wie nicht mehr feststellen, da ja eigentlich natürlich im Körper vorhanden. Und kontrollieren wird eh keiner. Unsere Bevölkerung muß mit Billigstramsch glücklich gehalten werden. Sonst gibt es bald eine Revolte, wenn die Essenpreise anziehen und weniger SUV/ Urlaubsreisen/ Flüge und Großflächenbildschirme gekauft werden können.... Ich weiß, was bei der nächsten Wahl passieren wird. Denn das werde ich mir gut merken. 4 Wochen nach der EP Wahl, Danke ihr Volksverarscher. Eigentlich schützt uns das GG.; haben Politiker die Verpflichtung schaden vom Volke(zudem auch die LDW gehört) abzuwenden. Aber diese Geldgeilen Vertreter schützen nur die Interessen (von sich selber und) der Industrie. Und keiner macht mehr was dagegen DBV? ist mit seiner Postensicherung beschäftigt. Und zieht eine Schleimspur, dass man selbst bei diesem Wetter ausrutschen kann. Das ist das Problem. Früher wurde Demonstriert auf die Barrikaden gegangen. Heute: machen wir die faulsten Kompromisse. Man will ja der Politik gefallen und nicht anecken. Und nein, ich bin nicht links und nicht Rechts. Nur mit gesundem Verstand...

von Werner Kriegl

Wir nehmen alles hin!

Die europäische Landwirtschaft wird mit ideologischen Auflagen und Kontrollen überzogen. Gleichzeitig wird der Import von teilweise mehr als fragwürdigen Agrarprodukten (Arbeitsbedingungen / Umweltauswirkung / gesundheitliche Aspekte usw.) im großem Umfang ermöglicht. Und wir blöden europäischen Bauern (inkl. Bauernverband) nehmen das schulterzuckend zur Kenntnis! Mit diesem devoten Verhalten haben wir es aber auch nicht besser verdient...

von Philipp Schmid

Ein guter Deal

Leider nicht für uns. Es ist aber gut zu wissen das es noch Länder gibt die Deals zum Wohle ihres eigenen Volkes abschließen. So etwas ist unseren elitären Politikern natürlich fremd.

von Heinrich Roettger

Die EU Landwirtschaft wird kleingeregelt zugunsten Mercosur!

Zucker , Rindfleisch und Ölsaaaten ist der Weg in die EU geebnet. Während bei uns ,GVO und Neonic frei, in Strohboxen und Wohlfühlklima ruinös produziert werden soll, erfreut sich der Verbraucher an preisgünstigen südamerikanischen Steaks , Billigsüsswaren und GVO Tofuprodukten.

von Dr. Willi Billau

Man nennt das Kompensationshandel

für die gelieferten Mercedes-Motoren, BASF und Merck Chemieprodukte, CRC-Maschinen aus der EU zahlen die Mercosur-Staaten mit Agrarprodukten. Rate mal, wer der Dumme ist. Die MERCOSUR-Staaten sind auf dem Abholzweg!

von Andreas Thiel

Was andersrum in unseren Containern...

...steckt, ist ja wohl klar!Da braucht man dort wenigstens kein großes Kontrollsystem

von Anton Hoser

Wie viele Kontrolleure und vetreneare braucht man um den Warenstrom Eu konform zu kontrollieren .

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