Zunehmende Kritik an Landwirtschaft heizt Strukturwandel an

Mit einer weiteren Beschleunigung des Strukturwandels in der Tierhaltung rechnet der Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes der gemeinnützigen Landgesellschaften (BLG), Dr. Willy Boß.

Mit einer weiteren Beschleunigung des Strukturwandels in der Tierhaltung rechnet der Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes der gemeinnützigen Landgesellschaften (BLG), Dr. Willy Boß.

„Wachsende Anforderungen an die Haltung und ein steigender Aufwand für Genehmigungsverfahren begünstigen tendentiell große Einheiten, die den gegenwärtigen agrarstrukturellen Vorstellungen widersprechen“, sagte Boß. Seinen Angaben zufolge ist der Widerstand gegen Stallbauten in der Schweine- und Geflügelhaltung ungebrochen, und zwar flächendeckend und weitgehend unabhängig von der Größe.

Zunehmend gerieten auch Anlagen mit einigen tausend Mastplätzen ins Visier der Kritiker. Im Ergebnis stünden notwendige Wachstumsschritte bäuerlicher Unternehmen unter Druck, während Investitionen in Großanlagen am ehesten die Kosten rechtfertigten, die bei der Realisierung eines Vorhabens anfallen. „Verlierer könnten die mittelständischen Betriebe werden, die das Rückgrat der Landwirtschaft bilden“, warnte Boß.

Optimistischer beurteilt der Geschäftsführer der Landgesellschaft Sachsen-Anhalt die Situation in der Milchviehhaltung. Hier sei die Akzeptanz für Neubauten bislang wesentlich höher als im Veredlungsbereich. Boß wies darauf hin, dass die Zahl der von den Landgesellschaften im letzten Jahr vorgelegten Anträge auf Agrarinvestitionsförderung mit 977 doppelt so hoch gewesen sei wie 2012. Zwei Drittel davon entfielen auf den Milchviehbereich. Zu Buche schlägt dem BLG-Vorsitzenden zufolge dabei das bevorstehende Ende der Milchquotenregelung. In Ostdeutschland seien zudem viele Wiedereinrichter, die in den neunziger Jahren gebaut hätten, zu Ersatz- oder Modernisierungsinvestitionen gezwungen.

Annähernd 6000 Förderanträge in der letzten Periode

Keinen Zweifel hat Boß an der Berechtigung des Agrarinvestitionsförderungsprogramms (AFP). „Das AFP ist ein Konjunkturprogramm für die ländlichen Räume“, betonte der seit 2002 amtierende Verbandsvorsitzende und verwies auf die direkten und indirekten Arbeitsplatzeffekte. So löse ein Euro Förderung Investitionen im Umfang von 4 Euro aus.

Nach Boß‘ Angaben haben die Landgesellschaften in der Förderperiode 2007 bis 2013 insgesamt rund 5 800 AFP-Anträge vorgelegt. Bei einem durchschnittlichen Investitionsvolumen von 450 000 Euro ergebe sich ein förderfähiges Investitionsvolumen von 2,6 Mrd Euro. Das AFP sichere damit nicht nur in der Landwirtschaft und deren Umfeld Arbeitsplätze, sondern auch im Baugewerbe und bei Stallausrüstern, die in der Regel in ländlichen Gebieten beheimatet seien, sagte Boß. Seiner Auffassung nach werden diese Effekte in den Evaluierungen des AFP bislang zu wenig berücksichtigt.

Kommentar zur Düngeverordnung: „Anderswo ist es auch hart!“

Meldung verpasst? Wir verhindern, dass Sie nicht mitreden können. Tragen Sie sich jetzt für unseren Newsletter ein und wir benachrichtigen Sie über alle wichtigen Ereignisse rund um die Landwirtschaft.

Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

Schreiben Sie Alfons Deter eine Nachricht


Diskussionen zum Artikel

Kommentar schreiben

Diskutieren Sie mit

Tragen Sie mit Ihrem Beitrag zur Meinungsbildung zu diesem Artikel bei.

Sie müssen sich einloggen um Kommentare zu bewerten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen