„Der heutige Landhandel ist irgendwann Geschichte“ Premium

Die BayWa AG rechnet mit erheblichen Veränderungen im deutschen Agrarhandel. Was auf die Branche zukommt und wie sich der Münchener Konzern darauf vorbereitet, erläutert der Vorstandsvorsitzende Prof. Klaus Josef Lutz.

Herr Lutz, Ihr Geschäftsjahr 2018 war turbulent: Im September meldeten Sie schlechte Zahlen, bis Jahresende war alles wieder im Lot. Warum?

Lutz: Wir haben zu Jahresende noch planmäßig große Projekte im Bereich Erneuerbare Energie verkauft (z.B. den Solarpark „Don Rodrigo“ in Süd- spanien mit 500000 Solarmodulen auf 265 ha – Anm d. Red.). Die BayWa entwickelt sich zu einem Projektunternehmen. Projekte werden dann verkauft, wenn sie fertig sind und einen optimalen Preis erzielen.

Auch im Baustoffhandel haben wir begonnen, Kooperationen mit Bauherren zu schließen. So können wir den Absatz unserer Baustoffe sichern und am Gewinn der Projekte teilhaben.

Welche Entwicklung wird das Agrargeschäft bei der BayWa nehmen?

Lutz: Die BayWa entwickelt sich vom reinen Handelspartner zum Problemlöser.

Der Landwirt steht heute vor vielen Herausforderungen: Das kann der große Aufwand für die Dokumentation seiner Dünge- oder Pflanzenschutzmaßnahmen sein, die Einhaltung von Bewirtschaftungsvorgaben oder einfach zu hohe Kosten. Er erwartet von uns als Händler und Dienstleister, dass wir diese Themen für ihn verlässlich lösen, egal wie. Und er möchte, dass wir ihm dafür zum Beispiel auch verlässliche und einfach zu bedienende digitale Plattformen anbieten.

Das ist auch für uns interessant, weil wir mit solchen Angeboten einen Wettbewerbsvorteil im Hinblick auf unser klassisches Agrargeschäft haben, zum Beispiel bei Betriebsmitteln.

Ab wann wir mit unseren digitalen Angeboten tatsächlich einen Gewinn erzielen werden, kann ich derzeit noch nicht sagen. Aber fest steht: So wie der klassische Landhandel bisher aufgestellt ist und wie wir ihn seit über 100 Jahren kennen, wird er sicherlich irgendwann Geschichte sein.

Was ist dann am Agrargeschäft überhaupt noch sexy?

Lutz: Das deutsche Agrargeschäft ist unser Kern, die Erbsubstanz der BayWa, und steht Nullkommanull zur Disposition. Unsere Aufgabe ist es jetzt aber, in einem schwierigen Markt Geschäftsmodelle, Prozesse, Logistik und vor allem die Serviceleistungen für den Landwirt so anzupassen, dass einerseits der Kunde zufrieden ist und andererseits das deutsche Agrargeschäft auch in Zukunft profitabel ist.

Wie viel Zeit geben Sie sich für den digitalen Umbau?

Lutz: Das hängt davon ab, wie viel Erfolg wir europaweit mit Smart Farming haben. In Deutschland geben ...

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Artikel geschrieben von

Dr. Ludger Schulze Pals

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Claus Mayer

Redakteur SÜDPLUS

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