Gerste verkaufen und Weizen einlagern? Premium

Die Erzeugerpreise für Brot- und Futtergetreide sind abgeschmiert. Allmählich müssten sie aber den Boden erreicht ­haben, meinen Beobachter. Und vielleicht sind die guten ­Ernteprognosen wirklich etwas überzogen.

Wer etwas auf sich hält, führt vor Beginn der Getreideernte sogenannte Vorerntegespräche durch. Das nützt der Kundenbindung. Überdies kann man seine Geschäftspartner auch schon mal auf ein Preisniveau einstimmen – sei es auch nur als Testballon. In diesem Jahr zeigte der „Preisdaumen“ in den meisten Fällen nach unten. Dabei ist die Situation nicht so bärisch, was für schwache Notierungen steht, wie Analysten behaupten. Außerdem sind die meisten Faktoren längst eingepreist. Sollte sich z. B. herausstellen, dass das Angebot doch nicht so groß wird wie erwartet, könnten die Notierungen schnell wieder nach oben ausschlagen.

Wird die Ernte überschätzt?

Vor gut zwölf Monaten ist genau das geschehen. Erst hieß es, die Ernten würden riesig ausfallen. Dann entpuppten sich die Prognosen als überzogen, und die Notierungen zogen sprunghaft an.

Zugegeben: Sie sollten nicht darauf spekulieren, dass sich der Markt in diesem Jahr genauso entwickelt wie 2012. Gewisse Parallelen sind aber nicht von der Hand zu weisen. So rechnen die meisten Beobachter z. B. nach wie vor mit einer großen Welt-Getreideernte.

Der internationale Getreiderat (IGC), London, hat seine Schätzungen Anfang Juli sogar nochmals um 3 Mio. t nach oben korrigiert. Demnach sollen weltweit 2013/14 fast 1,92 Mrd. t Getreide gedroschen werden (ohne Reis). Das wäre ein Plus von 135 Mio. t gegenüber 2012/13 und würde zu einer leichten Entspannung bei den Vorräten führen. Diese werden dann bis Mitte 2014 auf rund 368 Mio. t wachsen.

Solche Zahlen kommen Marktteilnehmern, die auf sinkende Kurse setzen, gerade recht. Wenn man die Entwicklung der Vorräte bis Mitte 2014 bei den einzelnen Getreidearten betrachtet, wird aber klar, dass längst nicht jedes Preissignal auf schwach steht:

  • Die Weizenvorräte werden sich laut IGC z. B. nur um 2 Mio. t erholen, obwohl die Produktion gegenüber der letzten Saison um 28 Mio. t steigen soll. Denn der Verbrauch legt ebenfalls zu. Die FAO und andere Organisationen, die sich mit der Welternährung beschäftigen, werten es zwar trotzdem als einen Erfolg. Aber: Ist ein Sicherheitspolster von 26,5 % des Jahresverbrauchs wirklich beruhigend???Und welche Vorräte sind überhaupt für den Markt vorgesehen?
  • Der weltweite Gerstenmarkt könnte hingegen in der neuen Saison wirklich etwas auskömmlicher versorgt sein als 2012/13. Der IGC rechnet mit einer Ernte von 139 Mio. t. Das wäre eine Steigerung um 10 Mio. t oder fast 8 %. Der Verbrauch steigt um 3 Mio. t auf rund 136 Mio. t, und am Ende der laufenden Saison liegen mit geschätzten 26 Mio. t rund 3 Mio. t mehr Gerste in den Vorratssilos als jetzt.
  • Große Hoffnung setzen Fleischproduzenten ...

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