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97 % der Genossenschaften wollen investieren

Der Genossenschaftsverband ist zufrieden mit dem Wirtschaftsjahr 2018. Die Mitglieder wollen investieren. Es gibt aber auch einige Risiken.

„Über alle Sparten gesehen, sind wir trotz schwieriger Bedingungen mit 2018 zufrieden", sagte Ralf W. Barkey, Vorstandsvorsitzender des Genossenschaftsverbandes — Verband der Regionen, beim Pressegespräch in Münster. Die mehr als 1.000 in der Landwirtschaft tätigen Mitgliedsgenossenschaften erwirtschafteten einen Gesamtumsatz in Höhe von insgesamt 19,7 Milliarden Euro. „Der Vorjahreswert wurde somit erreicht", resümierte der Verbandschef.

Die Zuversicht unter den Mitgliedern sei weiterhin groß. Laut einer aktuellen Umfrage planten rund 97 % der befragten genossenschaftlichen Unternehmen Investitionen in den kommenden fünf Jahren, erklärte Barkey. Im landwirtschaftlcihen Bereich ginge es dabei vor allem um Gebäudebau/Sanierung, Digitalisierung sowie Fuhrpark und Personal.

"Lokalanästhesie weiter voranbringen"

Barkey ging auch kurz auf Debatte um die Ferkelkastration ein. Er begrüßte die Verlängerung der alten Regelung und forderte, dass nun die gewonnene Zeit genutzt werde, die Lokalanästhesie voranzubringen. Im Gegensatz zu anderen Verbänden sieht der Verband offenbar weiterhin Chancen für den vierten Weg. „Sie ist wirtschaftlich sinnvoll und weiterhin eine Option“, sagte Barkey.

Beim Thema staatliches Tierwohllabel fordert der Verband die Einstiegsstufe nicht zu hoch anzusetzen. Laut aktueller Berechnungen koste Stufe 1 bereits 9 Prozent mehr als der gesetzliche Standard. Mit Kosten von 1,91 € pro kg SG könne man aber leben, wenn es transparent kommuniziert würde, so Barkey. Wichtig sei zudem, dass vom Lebensmittelhandel über den Großverbraucher bis hin zum Restaurant alle Verkaufsstufen eingebunden würden.

Sorge machte Brakey die geplante Verschärfung der Düngeverordnung. „Wenn sie so kommt, rechnen 84 % der Gesnosschaften gemäß unserer Umfrage mit deutlichen Umsatzverlusten, Minderauslastung und wirtschaftlichem Schaden“, erklärte Barkey.

Agrargenossenschaft – Zukunftsmodell?

Positiv verlief das Jahr für die Agrargenossenschaften. Zwar sei ihre Anzahl leicht gesunken, aber mit ihrer besonderen Struktur als Mehrfamilienbetriebe stünden sie für Wertschöpfung in der Region und seien durchaus ein Modell für die Zukunft. Es gebe mittlerweile auch in Westdeutschland mehr Anhänger dieser Betriebsform, erklärte Barkey.

Vorteile sieht der Verbandschef vor allem darin, dass man sie leicht gründen, ihr leicht beitreten oder sie auch leicht verlassen könne. Das sei bei anderen Rechtsformen schwieriger. Sinn mache eine Agrargenossenschaft vor dem Hintergrund hoher Investitionen in Technik, die sich einzelne Betriebe kaum noch leisten könnten.

Ergebnisse der Sparten

Im Genossenschaftsverband sind 473 Landwirtschaftliche Waren- und Dienstleistungs-Genossenschaften und 552 Agrargenossenschaften organisiert. Die verschiedenen Sparten der Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften entwickelten sich unterschiedlich. In den Warenbereichen Düngemittel (plus 6,8 Prozent auf 112,4 Millionen Euro), Futtermittel (plus 3,1 Prozent auf 211,6 Millionen Euro) und Saatgut (plus 13,3 Prozent auf 27,4 Millionen Euro) gab es Umsatzzuwächse.

Leicht rückläufig entwickelten sich die Raiffeisenmärkte mit minus 1,5 Prozent auf 104,5 Millionen Euro. Der Handel mit Baustoffen, der üblicherweise in den Raiffeisenmärkten abgewickelt wird, stieg dagegen um 3,5 Prozent auf 62,7 Millionen Euro. Im Geschäft mit Brenn- und Treibstoffen verzeichnete man deutliche Umsatzzuwächse — um 12,1 Prozent auf 546,8 Millionen Euro.

Im Viehgeschäft waren Ende 2018 insgesamt 32 Unternehmen im Genossenschaftsverband tätig. Die erfassten Betriebe beschäftigten insgesamt rund 850 Mitarbeiter. Die Gesamtstückzahl der gehandelten Tiere verminderte sich zum Vorjahr deutlich um 6,0 Prozent bzw. 700.000 Tiere auf insgesamt 10,8 Millionen. Insgesamt verminderten sich die Umsatzerlöse um 14 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro.

Für die genossenschaftlichen Milchverarbeitungsunternehmen war auch 2018 ein herausforderndes Wirtschaftsjahr. Der Strukturwandel in der Milchviehhaltung schreitet weiter voran. So nahm nach den Ergebnissen der Viehzählung vom November 2018 im Vorjahresvergleich die Zahl der Milcherzeuger um 4,5 Prozent auf 59.082 ab. Die durchschnittliche Bestandsgröße stieg um 2,5 Tiere auf nun 65,3 Milchkühe pro Betrieb. Das alles hat sich auch in den Umsatzzahlen der insgesamt 45 Meiereien und Milchliefergenossenschaften niedergeschlagen. Hier reduzierte sich der Umsatz in 2018 auf rund 8,6 (Vorjahr 9,5) Milliarden Euro.

Die Umsätze der 37 Unternehmen der genossenschaftlichen Obst-, Gemüse- und Gartenbauwirtschaft konnten mit 402 (349) Millionen Euro deutlich den Vorjahreswert übertreffen. Die 40 Winzergenossenschaften und Brennereien im Verbandsgebiet verzeichneten einen gegenüber 2017 konstanten Umsatz. Er lag in 2018 bei 247 (248) Millionen Euro.

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Artikel geschrieben von

Andreas Beckhove

Redakteur Markt

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von Gerd Schuette

Der Rückgang von 9,5 auf 8,6 Milliarden Euro bei den Milchliefergenossenschaften erklärt sich zum allergrößten Teil aus gesunkenem Milchauszahlungspreisen.

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