Nutztierstrategie

Ripke: „Die deutsche Nutztierhaltung steht am Scheideweg“

Die deutsche Geflügebranche fühlt sich benachteiligt. Im Außer-Haus-Verzehr werde viel ausländisches Billigfleisch eingesetzt. Eine Kennzeichnung könne helfen, meint der Verband.

„Deutschland steht am Scheideweg bei der Nutztierhaltung. Eine deutsche Nutztierstrategie muss die europäische und internationale Wettbewerbs‐ und Zukunftsfähigkeit der Geflügelwirtschaft erhalten.“Diese Botschaft sendete der Präsident der Deutschen Geflügelwirtschaft e.V. (ZDG), Friedrich‐Otto Ripke, an Anfang der Woche an die Adresse von Bundesministerin Julia Klöckner.

Alle Vermarktungswege einbeziehen

Bei der Präsidiumssitzung der Dachorganisation der deutschen Geflügelwirtschaft wurde die Befürchtung laut, dass sich die deutsche Nutztierstrategie zu wenig mit dem Außer‐Haus‐Verzehr befasst. Mehr als 60 % des Pro‐Kopf‐Verbrauchs von Geflügelfleisch beruhen laut ZDG nicht auf Einkäufen beim Lebensmitteleinzelhandel (LEH) ─ und das mit steigender Tendenz. Während sich im LEH die Kennzeichnung von Produkten weiter entwickle, herrsche in Kantinen, Restaurants und Imbiss nahezu totale Intransparenz. Das sei ein Einfallstor für Fleisch unbekannter Herkunft und nicht erkennbarer Erzeugungsstandard. „Wir brauchen beim Außer‐Haus‐Verzehr eine Herkunfts‐ wie auch Haltungsformkennzeichnung analog zu den im Lebensmitteleinzelhandel praktizierten Systemen“, fordert Ripke.

Aus Sicht der Geflügelwirtschaft ist Breite statt Nische bei der Nutztierstrategie im Sinne der Einbeziehung aller Vermarktungswege – der richtige Ansatz. Nur so seien vernünftige Rahmenbedingungen für eine ökonomisch machbare wie auch tier‐ und umweltgerechte Eier‐ und Geflügelfleischerzeugung in Deutschland möglich.

Deutsche Ratspräsidentschaft 2020: EU‐Putenhaltungsrichtlinie verabschieden

Auch in puncto Putenhaltung bezog der Verband Stellung: „Die deutsche Ratspräsidentschaft in der zweiten Jahreshälfte 2020 muss die Verabschiedung einer EU‐Putenhaltungsrichtlinie auf Basis der bewährten bundeseinheitlichen Eckwerte leisten“, plädiert ZDG‐Präsident Friedrich‐Otto Ripke. Hier könne sich die Bundesregierung als Vorreiter von hohen Tierwohlstandards in der EU positionieren.

Auch die EU‐Hennenhaltungsrichtlinie und die EU‐Richtlinien zur Masthühner‐ und Schweinehaltung wurden seinerzeit unter deutscher Ratspräsidentschaft verabschiedet. „Wir wünschen uns aus dem Kompetenzkreis Nutztierhaltung eine klare Botschaft, Bundesministerin Klöckner zu unterstützen, im Rahmen ihrer Ratspräsidentschaft in Brüssel eine EU‐Richtlinie zur Putenhaltung auf den Weg zu bringen“, beschreibt Ripke das Votum des ZDG‐Präsidium.

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Artikel geschrieben von

Andreas Beckhove

Redakteur Markt

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Diskussionen zum Artikel

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von John Nissen

Recht hat er, aber

Nicht nur Geflügel, auch bei Schwein, Rind und Fisch macht kaum ein Restaurant, Imbiss oder ähnliches Angaben zur Herkunft und Haltung. Es fragen auch nur selten die Kunden nach, weil es ihnen egal ist. Eigentlich sollte bei jeder Mahlzeit, die verkauft wird, ein Ausdruck mit dem ökologischen Fussabdruck, Haltung und Herkunft beigefügt werden. Vor allem der CO2 Verbrauch ist heute für die Leute wichtig, da jeder das Klima retten will. Es wäre ein großer bürokratischer Aufwand für die Betreiber, aber den müssen wir Landwirte ja auch für unsere Produkte leisten.

von Josef Doll

Die NGOs

Wollen das "staatliche" Tierwohl und das zählt für die. Wie der Tierhalter noch mit seinem Stall Geld verdient ist dennen doch sowas von egal. Nein für mich ist das Strategie für das unmöglich machen der Tierhaltung in De. Der Verbraucher will billig da bringt das De-Label nicht allzuviel!!

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