Der Grünland-Querdenker

US-Farmer Joel Salatin präsentiert in Oberbayern seine Version einer regenerativen Landwirtschaft – und seine Methode, Krankheitserreger völlig zu verwirren (mit Video).

(Deutsche Untertitel im Video verfügbar.)

Die Art und Weise, wie Joel Salatin seine Grünlandfarm Polyface im US-Bundesstaat Virginia betreibt, ist vor allem eines: anders. Der Farmer hält Kühe, Schweine, Lege- und Masthühner sowie Hasen – und erzeugt ganz ohne Dünger oder Pflanzenschutzmittel rund fünf Mal so viel Gras pro Hektar wie seine konventionellen Nachbarn.

So rechnete er es auf einer Veranstaltung der Soil Alliance, einem Verein für regenerative Landwirtschaft, auf dem Hof von Biopionier Sepp Braun in Oberbayern vor. „Meine Nachbarn holen von einem Morgen (ca. 0,4 ha) das Futter, das eine Kuh für 80 Tage benötigt, bei uns sind es 400 Tage“, erklärte Salatin einem Fachpublikum aus der bayerischen Bioszene.

"Tiere müssen sich bewegen"

In seinem ausgeklügelten System vermeidet er, dass sich Pathogene wie Bakterien, Pilze oder Viren vermehren können. Sein Grundsatz: „Tiere müssen sich bewegen, das ist eines der wichtigsten Prinzipien der Natur.“ Auf Grünlandaufwuchs schickt er zunächst seine Rinderherde zum Grasen. Dabei gibt er ihnen nicht zu viel Platz, sodass die Rinder alle Pflanzen fressen, ohne zu selektieren. Anschließend lässt er Hühner auf die Fläche. Diese zerpicken und verteilen den Kot der Rinder – wodurch sich keine auf Rinder spezialisierten Pathogene im Kot entwickeln können.

Im weiteren Verlauf arbeitet er mit Masthähnchen, Schweinen und Haasen. Seit 20 Jahren habe es bei seinen Tieren keine ernsthaften Erkrankungen gegeben, berichtet Salatin, denn: Die meisten Kranheitserreger seien auf eine Tierart spezialisiert. „Bei uns sind sie von den verschiedenen Kotarten so verwirrt, dass sie sich nicht entwickeln“, grinst er während seines Vortrags. Weitere Effekte seien ein sehr artenreiches Grünland und unterschiedliche Blühzeitpunkte auf den einzelnen Parzellen, sodass Insekten das ganze Jahr über ein für sie passendens Nahrungsangebot auf der Farm finden.

Unterstände für die Tiere produziert Salatin aus eigenem Holz und vermeidet so, steuerpflichtige Ställe zu bauen. „Welcher Landwirt würde das nicht wollen: Unsichtbar für die Steuerbehörde sein“, lacht er.

Ausschließlich Direktverkauf

Seine Produkte verkauft er ausschließlich auf der Farm und im näheren Umfeld. Der Kontakt zu den Kunden sei ihm wichtig. „Ich denke nicht so viel daran, wie ich besser und günstiger produzieren kann - und mehr daran, was meine Kundschaft will“, sagt Salatin.

Die Soil Alliance hat Salatin mit seinem Konzept auf alle Fälle überzeugt. Vorstandsvorsitzender Jan-Gisbert Schulze zeigte sich beeindruckt: „Ich wusste nicht, dass man auf natürliche Weise ohne auf Ertrag zu verzichten gesund Lebensmittel erzeugen kann. Ich wusste nicht, dass man im Boden CO2 binden kann, indem man Humus aufbaut – bis ich auf Joel Salatin stieß“. Der Verein Soil Alliance will der sogenannten regenerativen Landwirtschaft zu mehr Bekanntheit verhelfen und arbeitet dafür mit Landwirten und mit Organisationen wie der Bioland Stiftung zusammen.

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Artikel geschrieben von

Claus Mayer

Redakteur SÜDPLUS

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Diskussionen zum Artikel

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von Gerhard Steffek

"Ich wusste nicht -

dass man auf natürliche Weise ohne auf Ertrag zu verzichten gesund Lebensmittel erzeugen kann. Ich wusste nicht, dass man im Boden CO2 binden kann, indem man Humus aufbaut". Diese Aussage ist eigentlich ein Armutszeugnis. __ Besonders für den Vorsitzenden eines Vereins für regenerative Landwirtschaft. Erster Teil der Aussage, auf natürliche Weise gesund Lebensmittel erzeugen, ist doch oberstes Ziel eines jeden Landwirtes und der zweite Teil ist doch in jeder Ausbildung zum Landwirt mit dabei. Hat er da irgendwann nicht aufgepaßt?

von Hans Nagl

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