[14.09.2012]
Diethard Rolink, Redaktion top agrar
Angela Merkel ist nicht zu beneiden. Als sie vor wenigen Tagen öffentlich am Sinn der Anti-Dumping-Klage einiger europäischer Soloaranlagen-Hersteller gegen die chinesische Billigkonkurrenz zweifelte, kam von den einheimischen Branchenvertretern prompt Kritik. Besser wäre es gewesen, wenn die Kanzlerin den Chinesen bei ihrem Besuch in Peking für deren wettbewerbsverzerrende Subventionspolitik mal ordentlich die Meinung gesagt hätte, hieß es.
Dafür mögen die Kritiker und Kommentatoren am Stammtisch Beifall ernten. Die Wirklichkeit ist leider komplizierter. Ohne Zweifel: Der deutschen Solarindustrie geht es schlecht - und schuld daran ist nicht zuletzt die Billigkonkurrenz aus China. Diese bietet ihre Module weit unter Wert an und sichert sich so weltweit Marktanteile. Milliardenschwere Subventionen aus Peking machen es möglich. Dass diese Preispolitik einige Europäer auf die Palme bringt, ist nachvollziehbar.
Aber die Konkurrenz aus China ist bei weitem nicht das einzige und größte Problem der europäischen Solarwirtschaft. Weltweit werden deutlich mehr Module produziert als verkauft. Selbst wenn die EU Importzölle auf chinesische Produkte verhängt, kann sie den Preisdruck auf die deutschen Hersteller damit nicht entschärfen, allenfalls lindern. Vor allem hat es die deutsche Solarindustrie versäumt, die Produktion auf Effizienz zu trimmen. Und es mangelt an echten Innovationen, die den Absatz wieder ankurbeln.
Ein Anti-Dumping-Verfahren wird die Chinesen nur provozieren und sie werden über kurz oder lang zu ähnlichen Maßnahmen greifen. Dann hätten deutsche Hersteller auf dem boomenden chinesischen Markt das Nachsehen. Dass man der Billigkonkurrenz aus China im Übrigen auch anders begegnen kann, beweist die hiesige Autoindustrie. Trends und Innovationen kommen nach wie vor aus Deutschland. Die Chinesen kopieren zwar fleißig, können aber VW, Porsche, Audi, Mercedes oder BMW nicht ansatzweise das Wasser reichen. Für einige Unternehmen in der Solarbranche mag das zu spät kommen. Eine Anti-Dumping-Klage ändert daran nichts.
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